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Norddeutschland Restaurant-Fußboden wird zum Grab
Nachrichten Norddeutschland Restaurant-Fußboden wird zum Grab
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21:12 26.05.2016
Polizisten beobachten Prozessbesucher, die das Restaurant betreten, in dem eine Leiche einbetoniert war. Quelle: Heimken/dpa
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Hamburg

Den Tatort umgibt ein modriger, strenger Geruch. Das Restaurant „Casa Alfredo“ liegt im Keller eines älteren, vierstöckigen Stadthauses, ganz in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofs. Im Gastraum stehen nur fünf kleine Tische mit rot-weiß karierten Decken, zwei Bänke und fünf Stühle. Lange Spiegel an den Wänden sollen den winzigen Raum größer wirken lassen. An einem der Tische saß am späten Abend des 30. September ein 49 Jahre alter mutmaßlicher Schutzgelderpresser, der kurz darauf vom Wirt durch einen Kopfschuss getötet wurde. Eine Tür, tapeziert mit dem Motiv einer südeuropäischen Altstadtgasse, verbirgt den Nebenraum, in dem der Täter die Leiche in einer Grube verschwinden ließ.

Das Landgericht ist gestern zu einem Ortstermin in das Lokal gekommen. Die Richter, Schöffen, der Angeklagte, sein Verteidiger, Nebenkläger und Staatsanwalt drängen sich in dem Gastraum. Die Pressevertreter müssen in der Küche vor einem Absperrband bleiben.

Im Stehen eröffnet der Vorsitzende Richter Joachim Bülter die Gerichtsverhandlung. „Der engere Tatort in Gastraum 1 einschließlich des dort befindlichen Mobiliars wird allgemein in Augenschein genommen“, verkündet er. Der wegen Totschlags angeklagte Wirt, der in dem Lokal kochte und zugleich seine Gäste bediente, erklärt und demonstriert bereitwillig den Tatablauf. Ein umfassendes Geständnis hat der 52-Jährige bereits zum Prozessauftakt abgelegt.

Der 49-Jährige habe an einem Tisch direkt vor der Tür zum Vorratsraum gesessen. Er habe wieder einmal Geld gefordert – rund 25 000 Euro hatte der Wirt nach eigenen Angaben schon bezahlt – und habe seine Pistole drohend auf den Tisch gelegt. „Hier habe ich gesessen“, zeigt der Angeklagte. Als der Erpresser vorschlug, wenn er kein Geld habe, könnten doch seine Töchter „arbeiten“ – also auf den Strich gehen –, habe er den Tisch hochgerissen, sagt der Wirt. Dabei sei die Pistole auf den Boden gefallen. In dem Gerangel habe er sie genommen und einmal abgedrückt.

Die Leiche zog er wenig später in den Vorratsraum und legte sie dort in eine Grube. Das Loch hatte der Wirt schon Wochen vorher gegraben, für einen neuen Fettabscheider, wie er sagt. Das Gericht schaut sich die winzige Kammer an und lässt sich in dem Lokal die Pläne mit dem Fettabscheider erläutern. Danach verlässt es das übelriechende Kellerlokal eilig und setzt die Verhandlung im altehrwürdigen Hamburger Strafgerichtsgebäude fort.

LN

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