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20:49 30.04.2018
Markus Stephan zeigt die Insel Pellworm auf der Landkarte. Am 1. Mai 2017 hat er dort seinen Dienst als Polizist angetreten. Quelle: Foto: Carsten Rehder/dpa
Pellworm

Pellworm. Auf Pellworm ist er einfach „Markus, der Polizist“. Seit Mai 2017 tut Markus Stephan aus Krefeld offiziell Dienst in der Ein-Mann-Wache auf der Nordseeinsel. Wie hat er das erste Jahr fernab großer Dienststellen und Kriminalfälle erlebt? „Die Bilanz ist durchaus positiv“, sagt der 47-Jährige. Auch wenn es nicht immer ganz einfach war.

„In den ersten Monaten war es schwierig, Privates und Berufliches unter einen Hut zu kriegen“, gibt Stephan zu. Der Umzug und die Einrichtung des neuen Zuhauses, dazu das Einfinden in den neuen Job. „Das System Polizei Schleswig-Holstein tickt nun mal doch ganz anders. Angefangen beim Computersystem.“ Zum Schreiben einer Anzeige habe er anfangs eine Stunde oder länger gebraucht, in Nordrhein-Westfalen war er nach einer halben Stunde fertig. „Die Erfahrung fehlte.“ Hinzu kam die Anforderung, der einzige zu sein, das Gefühl, rund um

die Uhr im Dienst zu sein. Und das Wetter, das sich in seinem ersten Jahr auf der Insel nicht von seiner besten Seite zeigte. „Als Start war das schon eine Härteprobe.“

Dennoch, weg will Stephan nicht mehr. Die Insel sei eine positive Erfahrung. Zum einen die Leute, die ihn „total positiv“ aufgenommen haben, zum anderen seine Arbeit. „Das ist das Schöne, es ist wirklich von A bis Z alles dabei“, sagt er. Ihn freut vor allem, dass er auf Pellworm als Polizist wirklich Freund und Helfer sein kann.

Auf der Insel mit 1100 Einwohnern ist vieles anders. Nicht nur, dass der Inselpolizist traditionell seinen Privatwagen auch als Dienstwagen nutzt. Auch die Einsätze unterscheiden sich manchmal deutlich von denen auf dem Festland und vor allem denen in einer großen Stadt wie Krefeld. Natürlich habe er es auch mit normalen Sachen wie „Bitte-schnall- Dich-an“-Fällen und

Internetbetrügereien zu tun, sagt Stephan. 

„Aber es gibt auch Dinge, die man nur auf einer Insel erlebt.“ So wie den Knochenfund im Watt, den Urlauber ihm meldeten. Stephan fotografierte die Knochen, vermaß sie und schickte die Daten an die Rechtsmedizin nach Kiel. Aus der Landeshauptstadt kam die Entwarnung, menschlicher Herkunft waren die Knochen nicht. Stephan recherchierte selbst noch ein bisschen weiter. Sein Ergebnis: „Das ist wahrscheinlich ein Seehund gewesen.“ Die Knochen zieren als Andenken nun sein Büro.

Andersherum sind manche Vorfälle, die für die Polizei auf dem Festland alltägliche Routine sind, auf der Insel speziell. Zumindest die Art, wie die Dinge angepackt werden müssen. Der Umgang mit renitenten Randalieren gehört dazu. Auf Pellworm gibt es keine Gewahrsamzellen, wo die Unruhestifter untergebracht werden können. Diese werden dann schon mal notdürftig fixiert mit dem Seenotrettungskreuzer von der Insel gebracht. „Da hat man dann direkt eine Nachtfahrt mit dem Rettungskreuzer.“ Dieses Improvisieren gefällt Stephan. „Das macht es interessant und nie langweilig.“

LN

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