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Norddeutschland Rewe stoppt Verkauf von Plastiktüten
Nachrichten Norddeutschland Rewe stoppt Verkauf von Plastiktüten
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21:41 01.06.2016
"Ich habe schon ganz lange Leinenbeutel fürs Einkaufen. Ich wasche sie dann immer mal wieder.“ Ulla Mirillas (59) aus Lübeck
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Lübeck

Wenn Ulla Mirillas einkaufen geht, hat sie immer einen Leinenbeutel dabei. „Plastiktüten nehme ich nicht. Da bin ich oberempfindlich“, sagt die Lübeckerin.

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Ich nehme meinen Einkaufswagen und Taschen mit zum Supermarkt.“ Gudrun Bohm (65) aus Lübeck

Bei Rewe würde die 59-Jährige bald auch keine mehr bekommen. Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler will den Verkauf von Plastiktüten stoppen. Das kündigte der Konzern gestern an. Rund 140 Millionen Exemplare sollen dadurch jährlich eingespart werden.

Damit geht Rewe deutlich weiter als die inzwischen 300 Einzelhandelsunternehmen, die sich seit Ende April freiwillig verpflichtet haben, Geld für die umweltschädlichen Tragebeutel zu nehmen. Noch bis Juli will die Kölner Handelskette allerdings die Plastiktüten-Restbestände in ihren mehr als 3000 Märkten verkaufen. Danach haben die Kunden nur noch die Wahl zwischen Papiertüten, Permanent-Tragetaschen aus Recyclingmaterial (PET) sowie Baumwoll- und Jutebeuteln – allesamt kostenpflichtig. Beim Rewe-Markt an der Lübecker Ziegelstraße müssen die Kunden schon jetzt zu den Alternativen greifen. Schilder an den Kassen weisen daraufhin. „Bei Rewe in Schleswig-Holstein verzichten wir auf Plastiktüten“, ist dort zu lesen.

Britta Proband freut sich darüber. „Ich finde die Entscheidung klug“, sagt die Scharbeutzerin. „Denn fast alle wissen über die Verschmutzung der Meere Bescheid, aber trotzdem handelt keiner. Deshalb ist so eine Maßnahme nötig.“ Die 49-Jährige selbst verzichtet bereits weitestgehend auf Plastiktüten. In ihrem Auto hat sie immer eine Auswahl an großen Shopper-Taschen liegen. „Wenn ich doch mal ohne sie an einer Supermarktkasse stehe, stapele ich lieber meine Einkäufe, als eine Plastiktüte zu nehmen.“

Ähnlich geht es offenbar vielen Deutschen. Bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov plädierten 53 Prozent der Befragten dafür, die Ausgabe von Plastiktüten in Geschäften komplett zu verbieten. „Für mich wäre das in Ordnung, weil ich eh schon umgestellt habe“, sagt Gudrun Bohm. „Plastiktüten kaufe ich aus Umweltgründen gar nicht mehr.“ Stattdessen ist die Lübeckerin mit einem schwarzen Einkaufstrolley unterwegs, darüber hat sie eine PET-Tasche gestapelt. Ganz ohne die umweltschädlichen Tüten geht es bei ihrem Großeinkauf dann aber doch nicht. Mehrere Blumenstauden sind in Plastikbeuteln verpackt. „Sie sind dadurch geschützter und brechen nicht so leicht ab“, erklärt Bohm. „Ich muss damit noch Bus fahren.“

Die Lübeckerin Tanja Kämpfer trägt ihre Einkäufe an diesem Tag in einer Papiertasche. „Meistens habe ich einen Leinenbeutel oder eine Kühltasche dabei“, sagt die 47-Jährige. Sie findet es gut, dass Rewe die Plastiktüten verbannt. Lob gibt es auch von der Umweltschutzorganisation Nabu. „Das ist ein entscheidender erster Schritt“, sagt Präsident Olaf Tschimpke. Denn der Großteil von Abfällen wie Tüten und Verpackungen gelange vom Land ins Meer.

Rewe ist aber nicht das erste Unternehmen, das auf Plastiktüten verzichtet. Der Textildiscounter KiK hat schon im Oktober 2015 vorgelegt, der Sportartikelhersteller Adidas verzichtet seit Ende April in allen eigenen Geschäften auf Plastiktüten. Die meisten Rewe-Konkurrenten im Lebensmittelhandel halten dagegen weiter an Kunststoff-Tragetaschen fest, zum Beispiel Aldi und Lidl sowie die meisten Edeka-Supermärkte.

Ziel: Verbrauch senken

71 Plastiktüten benutzt jeder Deutsche durchschnittlich pro Jahr. Die EU hat ihren Mitgliedstaaten vorgegeben, den Verbrauch zu reduzieren. Bis Ende 2025 soll er auf höchstens 40 Plastiktüten pro Person und Jahr gesenkt werden. Im April haben das Bundesumweltministerium und der Deutsche Handelsverband (HDE) beschlossen, dass innerhalb der kommenden zwei Jahre 80 Prozent der Kunststofftüten im Einzelhandel kostenpflichtig sein sollen. Unternehmen können sich der Vereinbarung freiwillig anschließen.

 Janina Dietrich

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