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Norddeutschland Riekes Geistesblitz schützt Patienten
Nachrichten Norddeutschland Riekes Geistesblitz schützt Patienten
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20:13 16.01.2017
Henstedt-Ulzburg

Gefährliche Keime gelten als tödliche Gefahr: Sie sitzen auch auf Stethoskopen, mit denen Ärzte ihre Patienten untersuchen. „Dagegen muss man etwas tun“, dachte sich die 15-jährige Rieke-Marie Hackbarth und tüftelte an einem Stethoskop, das sich automatisch desinfiziert. Mit ihrer Erfindung gewann die Gymnasiastin einen Bundespreis bei Jugend forscht.

Stolze Erfinderin: Rieke-Marie Hackbarth (15) präsentiert ihr selbstdesinfizierendes Stethoskop. Quelle: Foto: Welding

Jetzt will ein Medizintechnik-Unternehmen ihren „Geistesblitz“ auf den Markt bringen.

„Dass sich ein Medizintechnik-Hersteller für mein Stethoskop und es für die Serienfertigung weiterentwickeln will, war für mich ein tolle Bestätigung für die intensive Forschungsarbeit neben der Schule“, erzählt die Gymnasiastin aus Henstedt-Ulzburg. Die Unternehmensgruppe Fischer, die für ihre Dübel und die Fischertechnik-Baukästen bekannt ist, hat Rieke Hackbarth kürzlich das Patent abgekauft und ihr zusätzlich eine Umsatzbeteiligung eingeräumt. Inzwischen ist Riekes Erfindung weltweit als Patent geschützt.

„Auf das Problem der Keimbelastung auf Stethoskopen hat mich unser Kinderarzt gebracht. Er hat mir erzählt, dass das Gerät zum Abhorchen der Lunge eine echte Keimschleuder ist.“ In Laboruntersuchungen konnte Rieke nachweisen, dass die Membran des Stethoskops ebenso stark mit Keimen belastet ist wie die nicht desinfizierten Hände von Versuchspersonen. Dann begann die Schülerin des Gymnasiums Harksheide in Norderstedt, eine Vorrichtung zu bauen, die die Membran automatisch identifiziert. Sie besorgte sich Teile, darunter eine kleine Pumpe, Infusionsbeutel und Desinfektionsflüssigkeit, dazu die Elemente für die elektronische Steuerung. „Im Keller habe ich noch kurz vor der Präsentation bei Jugend forscht gelötet und die Schaltung programmiert“, erzählt Rieke, die sich besonders für Naturwissenschaften und Mathe interessiert.

Und so funktioniert das selbstdesinfizierende Stethoskop: Der Arzt drückt beim Abhorchen automatisch einen Knopf auf dem Abhörkopf. Wird das Gerät länger als drei Sekunden vom Körper des Patienten abgehoben, löst der Pump- Mechanismus automatisch aus und sprüht Desinfektionsflüssigkeit auf die Membran. So löste Rieke mit dem ersten Platz in der Kategorie Arbeitswelt die Fahrkarte zum Jugend forscht-Bundeswettbewerb in Ludwigshafen. Auch dort sorgte die jüngste Nachwuchsforscherin unter den Teilnehmern für Furore: Die damalige Neuntklässlerin erhielt den Sonderpreis Naturwissenschaft/Technik.

Rieke Hackbarth, die nächstes Jahr Abitur macht, möchte Ärztin werden. „Das Stethoskop wird für mich immer eine Herzensangelegenheit bleiben. Ich freue mich, dass ich die Weiterentwicklung bei Fischer begleiten kann.“ Und wer weiß: Vielleicht wird sie eine Tages ihre Patienten ganz selbstverständlich mit einem selbstdesinfizierenden Stethoskop abhorchen.

Joachim Welding

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