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Norddeutschland Rinder-Herpes im Norden – 1800 Tiere werden gekeult
Nachrichten Norddeutschland Rinder-Herpes im Norden – 1800 Tiere werden gekeult
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22:10 02.02.2018
Für die BHV1-Reagenten gilt: Das Fleisch dieser Tiere kann bedenkenlos verzehrt werden. Quelle: Jens Büttner/dpa
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Kiel

Die Seuche ist zunächst auf einem Milch- und Mastviehbetrieb im Kreis Rendsburg-Eckernförde aufgetreten

 die hiesigen betroffenen Betriebe sollen im Süden des Kreises Stormarn liegen. Insgesamt spricht das Kieler Landwirtschaftsministerium von rund 1800 betroffenen Tieren, die alle geschlachtet werden müssen. „Die Situation ist für die Landwirte bedrückend, weil sie zum großen Teil ihre Bestände verlieren“, sagte Minister Robert Habeck.

Seit 2017 gilt Schleswig-Holstein als BHV1-frei. „Dieser Status ist auch nicht gefährdet, selbst wenn es – wie es in anderen Bundesländern auch der Fall ist – noch vereinzelt zu Ausbrüchen kommt.“

Ein Tierarzt hatte das Virus auf den Höfen in Stormarn bei einer Routineuntersuchung festgestellt, sagte Sprecherin Jana Ohlhoff. Bei den rund 900 infizierten Tieren handele es sich aber um sogenannte Reagenten. Das heißt, die Tiere trügen zwar Antikörper gegen das Herpesvirus in sich, die Krankheit selbst sei aber noch nicht ausgebrochen, so Ohlhoff. Reagenten könnten geschlachtet werden und deren Fleisch ohne Einschränkung als Lebensmittel verwendet werden, da das Rinder-Herpesvirus für den Menschen ungefährlich sei.

Plötzlich husteten die Kälber

Ein Tier im Kreis Rendsburg- Eckernförde ist allerdings akut von der Seuche befallen worden. „Das Tier wird eingeschläfert und anschließend vernichtet“, sagte Ohlhoff. Der Bauer hatte vor zwei Wochen den Tierarzt bestellt, weil mehrere seiner Kälber im Stall husteten. Auch dort müssen alle Kühe, Bullen und Kälber geschlachtet werden. Das Virus kann bei Rindern zu Lungenerkrankungen, Fieber, verringerter Milchleistung und Fehlgeburten führen.

Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbands Schleswig-Holstein, spricht von einem deutlichen wirtschaftlichen Nachteil für die betroffenen Betriebe. Zwar greife bei einem Befall des Herpesvirus der Tierseuchenfonds, dieser entschädige aber nur den Wert der getöteten Tiere. „Der entgangene Gewinn durch Fleisch und Milch wird nicht ersetzt“, so Schwarz. Er rät den Landwirten in Schleswig-Holstein jetzt verstärkt auf die hygienischen Maßnahmen in den Ställen zu achten: „Die Bauern müssen noch vorsichtiger mit fremden Tieren und Menschen umgehen.“

Tiere müssen isoliert werden

Auch das Ministerium rät Landwirten zur Vorsicht. So sollten Tiere keinen Kontakt zu Tieren aus anderen Beständen haben und neu gekaufte Tiere separat gehalten werden. Die Rinderseuche wird über direkten Kontakt übertragen.

Warum das Virus im Kreis Rendsburg-Eckernförde und in Stormarn aufgetaucht ist und dazwischen in keinem anderen Kreis, lasse sich möglicherweise durch Tierzukäufe erklären, sagte Lennart Butz, stellvertretender Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Stormarn.

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Zudem seien in einem weiteren Betrieb im Kreis Rendsburg-Eckernförde sowie in zwei Betrieben im Kreis Stormarn ebenfalls BHV1-Reagenten festgestellt worden. Teile dieser Bestände müssten geschlachtet werden. Insgesamt seien rund 1800 Tiere betroffen.

Das Fleisch dieser Tiere muss laut dem Ministerium für Justiz, Europa, Verbraucherschutz und Gleichstellung (MJEVG) nicht vernichtet, sondern kann bedenkenlos verzehrt werden, da der Erreger nicht auf den Menschen übertragbar ist. Klinisch erkrankte Tiere dagegen werden getötet und dürfen nicht als Lebensmittel in den Handel gelangen.

Mehr dazu lesen Sie morgen in den Lübecker Nachrichten und am späten Abend hier auf LN Online

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