Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Jetzt ist Habeck wirklich weg
Nachrichten Norddeutschland Jetzt ist Habeck wirklich weg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:31 31.08.2018
Robert Habeck ist Bundesvorsitzender der Grünen – aber seit Sonnabend kein Minister mehr im Norden. Am Freitag verabschiedete er sich – mit einem Termin auf dem Landesbauerntag. Quelle: dpa
Rendsburg/Kiel

Der Wechsel von Robert Habeck auf die Berliner Bühne: In Kiel jagte vergangene Woche schon gefühlt eine Abschiedsveranstaltung für ihn die nächste. Mit „Danke Robert!“-Plakaten verabschiedete ihn etwa die Grüne Landtagsfraktion auf einer Feier in einem Strandcafé. Jetzt ist der Politiker wirklich gegangen. Er will zunächst nur Grünen-Bundeschef sein. Seit Sonnabend ist sein Nachfolger im Amt. Habecks letzter Termin, die Entlassungsurkunde schon in der Hand, führte ihn am Freitag Mittag ausgerechnet auf den Landesbauerntag.

20 Sekunden Applaus zum Abschied

Eigentlich hatte nur CDU-Ministerpräsident Daniel Günther reden sollen. Doch der ließ es sich nicht nehmen, Habeck kurz auf die Bühne zu bitten. Sechs Jahre lang war er Umwelt- und Landwirtschaftsminister im Norden. Die Bilanz dieser Jahre lässt sich in Sekunden ablesen: 20. 20 Sekunden lang applaudierten die rund 1000 Bäuerinnen und Bauern Habeck am Freitag in der Deula-Halle auf dem Rendsburger Messegelände zum Abschied. Und das sind ziemlich genau 20 Sekunden mehr als nach seinem ersten Auftritt hier zu Beginn seiner Amtszeit. Ausgepfiffen haben sie ihn damals, den Grünen, der ihnen mit dem Knickerlass die Verfügung über ihr Eigentum nehmen wollte, so empfanden sie das damals zumindest. Haarklein ließ er ihnen vorschreiben, wie sie die Büsche und Bäume dort zu schneiden hätten und dass sie einen Randstreifen ihrer Felder dann nicht mehr bestellen dürften.

Der alte und der neue Umwelt- und Landwirtschaftsminister: Robert Habeck (M.) geht, Jan Philipp Albrecht (r.) kommt. Links: Landesbauernpräsident Werner Schwarz. Quelle: dpa

Damals war Habeck oben auf der Bühne angespannt wie ein Flitzebogen. Gestern hingegen zum Auftakt seiner kurzen Abschiedsrede ein lässiges „Moin von meiner Seite“. Er hat in den sechs Jahren viel mit Landwirten gestritten, um Bienenschutz und Gülleverordnungen etwa, um Maisanbau und zu viel Nitrat aus Dünger im Grundwasser. Dass er ihnen dabei zunächst immer auch zuhörte, haben sie ihm in der Branche hoch angerechnet.

Mehrfach-Abschied: Am Dienstagabend dankte die Grünen-Fraktion Habeck mit einem Fest in der „Deichperle“ in Kiel mit Ostseeblick, hier mit Grünen-Finanzministerin Monika Heinold. Draußen prangten „Danke Robert“-Plakate über dem Eingang. Quelle: dpa

Dass der Bauernverband ihn auch schon mal mit einer Plakataktion „Hallo Robert!“ entlang der A 7 persönlich aufs Korn nahm – am Freitag war’s verziehen. „Einigen wir uns auf unentschieden“, sagte Habeck. Er habe von den Landwirten auch viel gelernt, was er jetzt nach Berlin mitnehmen wolle. Dass, wenn man streitet, man immerhin am selben Problem arbeitet, etwa. Dass man bei allem Streit den Respekt vor dem Menschen nie verlieren darf. Und dass das größte Problem der Landwirtschaft ist, dass im Zeitalter von Discountern und Billigangeboten Lebensmittel immer mehr entwertet werden, obwohl sie doch mit so viel Mühe und Ressourcen-Einsatz erzeugt worden sind.

Bauernpräsident: „Der Umgang war rau, aber ordentlich“

Auch der Präsident des Landesbauernverbandes Werner Schwarz fand am Freitag versöhnliche Töne. Es habe sich „bei aller Auseinandersetzung in der Sache in den letzten Jahren eine Verbundenheit gebildet.“ Der Umgang miteinander sei manchmal etwas rau, „aber immer ordentlich“ gewesen. Es blieben auch grundsätzliche Differenzen, aber Einiges habe man gemeinsam „positiv bewegen können“. Tatsächlich wurde Schwarz ein guter Draht zu Habeck nachgesagt, manche öffentliche Attacke sollte womöglich vor allem auch die Hardliner in den eigenen Reihen beruhigen.

Blitz-Karrierist

Robert Habeck startete seine Blitzkarriere bei den Grünen 2002, wurde am Tage seines Eintritts sofort Kreisvorsitzender in Schleswig-Flensburg, 2004 Landesvorsitzender. 2009 zog er in den Landtag ein, wurde sofort Fraktionschef und 2012 in der SPD-Grünen-SSW-Koalition Umwelt- und Landwirtschaftsminister sowie stellvertretender Ministerpräsident. Dieses Amt behielt er 2017 nach der Bildung der Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP. 2017 unterlag er bei einer Urwahl zu Bundeschef der Grünen mit nur 75 Stimmen Cem Özdemir. Im Januar 2018 wurde er schließlich neben Annalena Baerbock zum Bundesvorsitzenden gewählt. Weil die Grünen-Satzung ihm verbietet, parallel dazu ein Amt innezuhaben, musste Habeck das Ministeramt in Kiel jetzt niederlegen. In Berlin gilt er vielen allerdings schon als Spitzenkandidat der Grünen zur nächsten Bundestagswahl.

Habecks Nachfolger Jan Philipp Albrecht machte Schwarz dann auch gleich ein Angebot: Einen „Pakt für Landwirtschaft, Klima und Umwelt“, an dem sich möglichst viele Akteure beteiligen sollten. Auch Umwelt- und Tierschützer sollten dabei sein, so Schwarz. Ziel sollte auch eine neue Akzeptanz der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit sein. Albrecht sagte später zu, alles zu tun, „damit die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein eine Zukunft hat“. Da saß Habeck längst schon im Zug nach Köln. Eine Parteiveranstaltung. Der Bundeschef war gefragt.

CDU-Ministerpräsident Daniel Günther verabschiedete Grünen-Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck am Freitag früh in der Staatskanzlei, übergab ihm die Entlassungsurkunde. Er lasse ihn nicht gerne ziehen, hatte Günther zuvor immer wieder bekundet. Quelle: dpa

Wolfram Hammer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das war’s wohl mit dem Wechsel zwischen Winter- und Sommerzeit. Die EU-Kommission in Brüssel hat gestern vorgeschlagen, die halbjährliche Zeitumstellung abzuschaffen. Aus Schleswig-Holstein kommt Beifall für den Brüsseler Vorstoß.

31.08.2018

Die EU-Kommission setzt sich dafür ein, die halbjährliche Zeitumstellung abzuschaffen. „Die Menschen wollen das, wir machen das“, sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Wir haben Stimmen dazu aus Schleswig-Holstein eingefangen.

31.08.2018

Eine Schafherde weidete auf einer Wiese bei Melkof (Ludwigslust-Parchim) und gelangte durch einen zerstörten Zaun auf die Bahngleise. Ein ICE und ein Güterzug konnten nicht mehr rechtzeitig bremsen.

31.08.2018