Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Rocker und Polizistin vor Gericht
Nachrichten Norddeutschland Rocker und Polizistin vor Gericht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:10 13.06.2018
Kiel

Die alleinerziehende Mutter muss sich seit gestern wegen Bestechlichkeit, Vorteilsnahme im Amt und Verletzung des Dienstgeheimnisses vor Gericht verantworten. Ihr droht die endgültige Entlassung aus dem Polizeidienst. Sie wurde nach Start der Ermittlungen Ende 2012 zunächst suspendiert, wurde aber inzwischen vorläufig vom Dienst enthoben – bei 70 Prozent ihrer Bezüge, sagte Oberstaatsanwalt Alexander Ostrowski.

Er warf der 45-Jährigen vor, vor sechs Jahren, als in Schleswig-Holstein noch der sogenannte Rockerkrieg Schlagzeilen machte, einem mitangeklagten damaligen Rocker der Red Devils Namen und Anschriften von Fahrzeughaltern gegnerischer Rockerclubs verschafft zu haben – für jeweils zehn Euro. Dazu soll die Oberkommissarin die polizeiliche Verkehrsdatenbank illegal genutzt haben. In vier weiteren Fällen ohne Bezug zur Rockerkriminalität soll die 45-Jährige die Bearbeitung von Akten unterbunden und so eine Strafvereitelung versucht zu haben. Die Ermittler kamen ihr nach Angaben von Ostrowski durch einen Zettel auf die Spur, auf dem der Ex-Rocker Autokennzeichen von Fahrzeugen verfeindeter Rockergruppen notiert und sie dahinter die Halterdaten vermerkt haben soll.

Dem 55-Jährigen wirft die Anklage Bestechung und Anstiftung zur Verletzung von Dienstgeheimnissen vor. Bei einer Verurteilung drohen den Angeklagten Freiheitsstrafen zwischen drei Monaten und fünf Jahren.

Die Angeklagte will sich „gegen die Anschuldigung der Bestechlichkeit und der versuchten Strafvereitelung im Amt zur Wehr setzen“, erklärte Verteidiger Volker Berthold. Sie habe „keine Halterdaten gegen Bezahlung weitergegeben“, sondern weil sie sich mit ihrem damals neunjährigen Sohn „in einer als bedrohlich empfundenen Situation“ befunden habe. Sie habe geglaubt, von ihrem Dienstherren keine hinreichende Unterstützung zu erhalten.

Der Oberstaatsanwalt strebt für die Frau eine Gesamtstrafe von „mindestens einem Jahr oder darüber“ und für den früheren Rocker eine Bewährungsstrafe an, sagte der Kammervorsitzende Stefan Worpenberg zu Prozessbeginn unter Verweis auf vom Gericht angeregte Verständigungsgespräche mit Ankläger und Verteidigern. Bei einer Verurteilung zu mehr als einem Jahr müsste die Beamtin aus dem Dienst entlassen werden und würde damit Beamtenstatus und Pensionsansprüche verlieren.

Der Oberstaatsanwalt sagte, die Angeklagte sei nicht mehr tragbar. Sie selbst strebt eine Rückkehr in den Dienst an. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

Von Karen Katzke

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Kommt ein Diesel-Fahrverbot in Kiel oder nicht? Auf einer Hauptverkehrsachse werden seit Jahren die Stickoxid-Grenzwerte überschritten. Doch die Jamaika-Regierung ist weiter zerstritten. Die SPD attackiert die Koalition dafür scharf, der SSW greift im Landtag auch die Untätigkeit der Stadt an.

13.06.2018

Der Landtag hat die Millionenspritze für den hochbezahlten Fußball-Spitzensport ohne Gegenstimme durchgewinkt. Er will damit weitere zehn Millionen Euro Steuergeld in den Ausbau des Kieler Holsteinstadions pumpen. Wie zur Entschuldigung sollen auch zehn Millionen in den Breitensport fließen.

13.06.2018

Bei dem schweren Unfall auf der A 20 am Kreuz Lübeck wurden am Dienstag zwei Menschen verletzt und Gasflaschen explodierten. Mutige Helfer bargen den schwerverletzten Lkw-Fahrer und zogen ihn aus dem Gefahrenbereich. Zwei von ihnen schildern die dramatische Rettung.

14.06.2018