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Rostocker Meuterei-Prozess eingestellt

Die Auflehnung in Uniform Rostocker Meuterei-Prozess eingestellt

Sechs Marinesoldaten standen vor Gericht, weil sie ihren Vorgesetzten auf einem Tisch festbanden.

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In Rostock zu Hause: das Schnellboot „Hermelin“.

Quelle: Foto: dpa

Die Auflehnung in Uniform. Ein Bootsmann wird auf dem Schnellboot „Hermelin“ von Untergebenen mit Klebeband auf einem Tisch fixiert. War es nur ein Spaß unter Männern, die manchmal einen rauen Umgang miteinander pflegen — oder doch Meuterei gegenüber Vorgesetzten?

Der Prozess gegen sechs Marinesoldaten wegen Meuterei, Körperverletzung und Freiheitsberaubung vor dem Amtsgericht Rostock ist gestern wegen geringer Schuld der Angeklagten eingestellt worden. Der Vorwurf der Meuterei konnte nicht bewiesen werden, urteilte das Gericht am Abend nach neunstündiger Verhandlung.

Die Soldaten hatten laut Anklage im Februar dieses Jahres während eines Auslandseinsatzes im Hafen von Beirut einen Bootsmann mit einem fünf Zentimeter breiten Klebeband an einen Tisch gefesselt. Anschließend hatten sie ihm mit einem wasserunlöslichen Stift unter anderem „Hier wohnen die Mongos“ auf den Unterschenkel geschrieben. Vor Gericht betonten die 22 bis 27 Jahren alten Männer aber, dass sie die Aktion als Spaß empfunden hatten. Auch der Bootsmann selbst hatte den wenige Minuten dauernden Übergriff als „kleinen Jungenstreich“ bezeichnet.

Die Soldaten müssen nun aber eine Geldbuße — meist in Höhe eines Monatsgehalts — zahlen und auch mit einem Disziplinarverfahren rechnen. Einer der Verteidiger sagte allerdings, dass das Urteil dem Verfahren möglicherweise den Boden entzogen hat.

Dem Vorfall war eine Äußerung des Bootsmanns thailändischer Abstammung vorangegangen, die die Untergebenen als beleidigend empfanden und für die sie ihm laut Anklage einen Denkzettel verpassen wollten. Ein Offizier habe bei einer Einlaufmusterung, bei der die gesamte Besatzung antritt, den Bootsmann gefragt, wo Offiziere und Mannschaften schlafen. Darauf habe dieser geantwortet: „Offiziere schlafen in der Kammer, im Deck schlafen die ,Mongos‘.“ Der Bootsmann, der bei dem Vorfall erst zwei Monate an Bord war, sagte, dass dies eine unbedachte, nicht beleidigende Äußerung war.

Ein 27 Jahre alter Obermaat gestand vor Gericht die Vorwürfe, sagte aber, dass die Aktion als Spaß gedacht gewesen und spontan entstanden sei. Er betonte, dass das Festtapen am Tisch oder auch am Bett als Ritual bezeichnet werden könne. Er habe mit dem vorgesetzten Bootsmann ein freundschaftliches Verhältnis gehabt, dieser habe zudem auch im Deck geschlafen. Das Wort „Mongo“ sei an Bord üblicher Sprachgebrauch und habe mit der Abstammung des Bootsmanns nichts zu tun gehabt. Der Angeklagte betonte jedoch: „Das gehört sich einfach nicht, die Hälfte der Besatzung als „Mongos“ zu bezeichnen.“

Es sei nie das Ziel gewesen, dem Vorgesetzten Schaden zuzufügen. Die Situation hätte geendet, als der Erste Wachoffizier in die Kammer gekommen sei und gesagt habe: „Jetzt habt ihr euren Spaß gehabt.

Jetzt macht mal Schluss.“

Der Staatsanwalt betonte, dass eine Meuterei eine besonders rechtsfeindliche Gesinnung voraussetze, die nicht bewiesen werden konnte. Der Bootsmann habe seine Vorgesetztenrolle nie ausgefüllt, er habe im Gegenteil mit den Angeklagten zusammengewohnt und sich mit ihnen verbrüdert. Diese fehlende Distanz habe maßgeblich zu dem Angriff geführt.

Bis zu fünf Jahre Haft
ist bis heute ein Straftatbestand. Nach dem Wehrstrafgesetz (WStG) werden Soldaten bestraft, die „sich zusammenrotten“ und einen Vorgesetzten bedrohen, nötigen oder tätlich angreifen. Jedem Beteiligten drohen sechs Monate bis fünf Jahre Haft. Schon der Versuch ist strafbar. „Rädelsführer“ begehen laut Gesetz einen besonders schweren Fall von Meuterei und landen bei einer Verurteilung für mindestens ein und höchstens zehn Jahre hinter Gittern. Wer sich „nur an der Zusammenrottung beteiligt, jedoch freiwillig zur Ordnung zurückkehrt“, bevor ein Vorgesetzter bedroht wird, kann mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden.

LN

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