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Runde Sache: Wohnen im Güllebehälter

Armstedt Runde Sache: Wohnen im Güllebehälter

Wo früher der Kuhmist gelagert wurde, hat sich der Armstedter Rolf Schümann ein Zuhause geschaffen.

Rolf Schümann (59) mit Bauplan vor dem ehemaligen Güllebehälter, der mittlerweile sein Zuhause ist.

Quelle: Felix König

Armstedt. Rolf Schümann blickt zufrieden auf das kreisrunde Gebäude, das etwas abseits der Dorfstraße des idyllischen Örtchens Armstedt (Kreis Segeberg) liegt. Rund um das Haus blühen Blumen, das Gegacker der Hühner hallt über den Hof und zwei Enten watscheln gemächlich durch den Gemüsegarten. Vor gut 50 Jahren stand Rolf Schümann schon einmal an genau dieser Stelle. Doch was heute sein Wohnhaus ist, war damals ein Güllebehälter. Sein Vater, ein Landwirt mit 40 Milchkühen, hat dort Kuhmist gelagert. Rolf Schümann ist auf dem Bauernhof aufgewachsen und hat später selbst den Beruf des Landwirts erlernt.

LN-Bild

Wo früher der Kuhmist gelagert wurde, hat sich der Armstedter Rolf Schümann ein Zuhause geschaffen.

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Doch den Hof hat er nicht übernommen. Als junger Mann zog der Armstedter nach Owschlag im Kreis Rendsburg-Eckernförde und arbeitet seitdem beim Statistikamt Nord. „Gewohnt habe ich dort in einem ganz normalen Haus“, sagt er schmunzelnd. Wie Rolf Schümann jetzt lebt, ist für den 59-Jährigen selbst zwar auch nicht weiter außergewöhnlich, für Außenstehende dagegen sehr. Schümann hat den alten Güllebehälter auf dem elterlichen Hof zu einem Wohnhaus umgebaut. „Das hatte ich schon lange im Kopf und als mein Vater starb, war die Gelegenheit da, nach Armstedt zurückzukehren“, erzählt er. Jahre zuvor hatte Schümann schon von jemandem gehört, der in einem alten Güllebehälter lebt. Und weil der 59-Jährige ein Planungsmensch ist, fuhr er nach Nordfriesland und schaute sich dort das ungewöhnliche Wohnhaus an. „Das sah klasse aus, zweigeschossig und mit einem Reetdach“, erinnert sich Schümann. Er nahm das Projekt auf seinem eigenen Hof in Angriff. Der 59-Jährige engagierte einen Architekten, beauftragte eine Baufirma und sammelte Ideen. Sein Vorhaben wurde sogar von Bund und Land gefördert, weil es der Verbesserung der Argrarstruktur dient.

„Die ursprüngliche Version mit einer Dachterrasse und zwei Stockwerken war trotzdem zu teuer. Der Aufwand lohnte sich einfach nicht“, erzählt er. Im Sommer 2009 begann er sein Bauvorhaben, das nunmehr nur noch eine Etage umfasste. „Zuerst wurden überall die Löcher gesägt, damit Türen und Fenster rein können. Das war aufregend“, erzählt der 59-Jährige. Der Gestank der Gülle war schnell verflogen. Denn der Spezialbeton der Wände lässt keine Feuchtigkeit durch und kann daher auch keine Gerüche speichern. Doch was bei der Lagerung des Kuhmists ein Vorteil war, wird beim Eigenheimbau zum Problem. „Auf die Wände musste ein Lehmputz aufgetragen werden“, erklärt Schümann, „der nimmt Feuchtigkeit auf. Sonst wäre es hier zu feucht geworden.“

Während er erzählt, klopft eine Ente mit ihrem Schnabel gegen die Glastür des Schlafzimmers. Rolf Schümann blickt sich um und lacht. „Wir haben letztes Jahr drei Enten vorm Ertrinken gerettet, zwei davon haben überlebt und wollen seitdem nicht mehr weg.“ Die Enten teilen sich seither den Stall mit den drei Gänsen. „Die Tiere sind unzertrennlich.“ Und sie passen auf den Hof von Rolf Schümann, auf dem alles sehr idyllisch wirkt.

Der Bauunternehmer, den Schümann engagierte, sah den besonderen Auftrag als Herausforderung und hatte Spaß an der Arbeit. Nur als es um die Verblendung der Fassade ging, traute sich keiner der Maurer den ersten Schritt zu machen. „Die Männer konnten keine Schnur spannen, um zu gewährleisten, dass alle Steine gerade und im richtigen Abstand gesetzt werden. Da musste erst der Chef kommen“, erzählt Schümann lachend. Mittlerweile verziert ein roter Klinkerstein das Haus. Auf dem Dach verlegte Schümann eine Teerpappe. „Das passt ja gar nichts ins Dorf“, sollen einige Armstedter damals gesagt haben. Dabei war das Projekt noch gar nicht beendet, wenig später zierten Dachstauden die kreisrunde Fläche. „Dann war alles wieder gut, das passte ins typische Bild“, sagt Schümann.

 Maike Wegner

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