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Norddeutschland Ryanair: Bald 25 Strecken ab Hamburg?
Nachrichten Norddeutschland Ryanair: Bald 25 Strecken ab Hamburg?
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22:31 17.12.2015
Ryanair hat in den vergangenen Jahren vor allem den Markt in Südeuropa aufgerollt. Jetzt nimmt die Airline mit der gelben Harfe auf dem Leitwerk Deutschlands ins Visier. Quelle: Fotos: Rain, Pfeiffer, Hollemann/dpa

Ryanair geht in Deutschland auf massiven Expansionskurs. In den kommenden fünf Jahren will die irische Billig-Fluglinie ihren Marktanteil von jetzt vier auf 20 Prozent ausbauen. Vor allem der Hamburger Airport könnte der große Gewinner sein. Medienberichten zufolge sollen von dort aus mittelfristig 25 Strecken bedient werden. Die Chancen, dass der Lübecker Flughafen im Falle seines Fortbestehens wieder in den Fokus der Iren rückt, sind aber gering.

Gegenwärtig ist Ryanair mit sechs Strecken nach Spanien und Portugal in Hamburg vertreten, im nächsten Jahr kommt mit Palma de Mallorca noch eine siebte dazu. Einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“, wonach Ryanair bald 25 Destinationen von Hamburg aus anfliegen wird, wollten zwar weder Ryanair noch der Hamburger Flughafen den LN bestätigen. „Wir schauen uns derzeit aber alle Möglichkeiten an, wie wir in der Bundesrepublik weiter wachsen können“, sagte Ryanair-Deutschland-Sprecher Tim Howe Schröder. Auch Katja Bromm, Sprecherin von Hamburg Airport, sieht für Ryanair in Hamburg noch viel Potenzial. Man sei regelmäßig mit den Iren im Gespräch. Details dazu, welche Strecken in Zukunft möglicherweise bedient werden können, nennt Bromm zwar nicht. Es sei aber nicht auszuschließen, dass Ryanair von Hamburg künftig auch innerdeutsche Ziele anfliegen könnte so wie auf der erfolgreichen Verbindung zwischen Köln und Berlin.

Die hiesigen Airlines müssen sich indes auf starke Konkurrenz einstellen. Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) steht Ryanair in Deutschland derzeit hinter Lufthansa, Air Berlin, Germanwings und Lufthansa Cityline auf Platz fünf der erfolgreichsten Airlines. Mit einem Marktanteil von 20 Prozent würde Ryanair an die zweite Stellen aufrücken. „Das ist ambitioniert, aber nicht ausgeschlossen“, sagt DLR-Experte Peter Berster. Der aggressive Expansionskurs der Iren wird am Beispiel des Flughafens Berlin-Schönefeld deutlich: Dort hätten sich die Ryanair-Starts von 179 im Dezember 2014 auf 852 in diesem Monat praktisch verfünffacht. Das DLR rechnet daher mit einem größeren Wettbewerb in Deutschland — auch bei den Ticketpreisen. Allein zwischen Herbst 2014 und 2015 sei der durchschnittliche Bruttoflugpreis bei Germanwings von 127,78 auf 93,97 Euro gefallen, bei Ryanair von 71,12 auf 45,87 Euro.

Dass sich die Fluglinien dauerhaft auf diesen harten Wettbewerb einlassen werden, ist aber zweifelhaft. „Es ist eher wahrscheinlich, dass einige Airlines Strecken einstellen und Ryanair das Feld überlassen werden“, prognostiziert der Hamburger Luftfahrt-Experte Cord Schellenberg. Einen ruinösen Preiskampf erwartet Schellenberg nicht. Fluggäste könnten sich aber darauf einstellen, dass die Ticketpreise künftig auf niedrigem Niveau bleiben werden. Die Zeit des „nur billig“ sei jedoch vorüber. Auch bei Ryanair gehe der Trend zu mehr Service und Komfort. Die Unterschiede zwischen den Airlines würden damit immer kleiner.

Der Flughafen Lübeck dürfte aber kaum vom Ryanair-Wachstum profitieren. „Ich sehe jedenfalls keine Anzeichen dafür, dass Ryanair Hamburg den Rücken kehren und wieder nach Lübeck kommen wird“, sagt Schellenberg. Da die Airlines heute zudem eher über die Anzahl der Passagiere pro Flug wachsen als über die Zahl ihrer Flüge, seien die Kapazitäten in Hamburg noch lange nicht ausgereizt.

Neuer Name 2016?
soll bereits im kommenden Jahr nach dem verstorbenen Altkanzler Helmut Schmidt benannt werden. Die Gesellschafter, der Aufsichtsrat des Flughafens und Schmidts Familie hätten der Umbenennung bereits zugestimmt, sagte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) in einem Interview des NDR — „so dass das dann im nächsten Jahr passieren kann“. Ob als „Airport“
oder als „Flughafen“, dazu wollte sich Scholz nicht äußern: „Es geht um Helmut Schmidt, es geht um Hamburg, und es geht um den Flughafen.“ Alles weitere werde man sehen.

Oliver Vogt

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