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STRANDKORB- GESPRÄCHE

LN SERIE STRANDKORB- GESPRÄCHE

Raus aus den Schuhen – Sabine Sütterlin-Waack fackelt nicht lange. 30 Meter sind es bis zum Wasser. Die Pumps stören nur.

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Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack am Strand von Heikendorf mit LN-Korrespondent Wolfram Hammer.

Quelle: Fotos: Felix König

Heikendorf. Raus aus den Schuhen – Sabine Sütterlin-Waack fackelt nicht lange. 30 Meter sind es bis zum Wasser. Die Pumps stören nur. Die Schuhe in der linken, die große Handtasche und die letzten, eben noch im Auto bearbeiteten Akten in der rechten Hand, geht es durch den Sand.

 

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Justizministerin Sabine Sütterlin- Waack hat für die LN im Strandkorb Platz genommen.

Quelle:
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Von Karstadt bis Bundestag

Sabine Sütterlin-Waack, geboren am 15. Februar 1958 in Reinbek, 1977 Abitur am Emil-von-Behring-Gymnasium in Großhansdorf. Einzelhandelskauffrau bei Karstadt, Jura-Studium in Göttingen, Lausanne und Kiel, Referendariat in Hamburg, Promotion über den „Tag der deutschen Einheit im Wandel der Zeit“. Mitarbeiterin der CDU-Landtagsfraktion in Hessen, 1994 Rechtsanwältin in Schleswig, 2013 Bundestagsabgeordnete.

Willkommen zum Strandkorbgespräch, Frau Justizministerin. Ja, sagt die 59-Jährige, sie sei durchaus auch ein Strandmensch. Aber gut, dass das Treffen in Heikendorf stattfindet, an der Ostsee. Mit der Nordsee nämlich sei sie „langsam durch“. Als sie Kind war, hatte ihre Familie dort ein Ferienhaus. Jeden Sommer fuhren sie hin. Nur ihrem Mann zu Liebe reisen sie manchmal noch nach Fanö. 2009 haben sich die beiden eine kleine Wohnung in der Toskana gekauft, ganz schlicht, mitten in der von Touristen wenig bevölkerten Maremma. Vor allem dorthin ziehen sie sich heute gerne zurück, wenn ein paar Tage Erholung anstehen. Wenn es dort nicht gerade zu heiß ist.

Familienrecht ist ihr wichtig – aus eigener Erfahrung

Es ist ihre zweite Ehe. Die erste zerbrach schon vor Jahren. Eine Tragödie sei es für zwei Menschen, wenn eine langjährige Beziehung scheitere, sagt Sabine Sütterlin-Waack. Vor allem für Kinder sei das schwer zu verkraften. Immerhin: Ihr erster Mann und sie hätten es geschafft, ein freundschaftliches Verhältnis zueinander zu entwickeln, „auch wenn man sich natürlich manchmal gestritten hat“. Nicht zuletzt dieses eigene Erleben hat die Juristin angetrieben, sich in ihrer Anwaltsgemeinschaft in Schleswig auf die Familienrechtssachen zu stürzen. Das sind für Anwälte zwar nicht die gewinnträchtigsten Fälle, aber man könne Menschen helfen, mit dieser schwierigen Scheidungssituation so gut es eben geht fertig zu werden. „Man ist oft eher Therapeut als Anwalt.“

Ihre beiden Söhne aus erster Ehe jedenfalls seien ganz gut durch diese Zeit gekommen. 29 ist der eine, ein Grafikdesigner, 25 der andere, ein Jura-Student. Jura, das hat in dieser Familie Tradition.

Auch Sabine Sütterlin-Waacks Vater Henning Schwarz war Jurist. Und CDU-Politiker. 1969 wurde er Justizminister in Kiel, so wie seine Tochter jetzt, 1979 Minister für Bundesangelegenheiten. Nach dem Tode Uwe Barschels war Schwarz von 1987 bis zur Neuwahl 1988 sogar geschäftsführender Ministerpräsident des Landes. In ihrem Elternhaus wurde also früh über Politik gesprochen – und auch gestritten.

Sie sei mit ihrem Vater nicht immer einer Meinung gewesen, sagt Sabine Sütterlin-Waack. Aber die Grundausrichtung der CDU habe ihr dann doch am meisten zugesagt: die Freiheit der Menschen in den Vordergrund zu rücken, aber nicht ganz so grenzenlos wie zum Beispiel die FDP das wolle. Mit 18 wurde sie CDU-Mitglied. Nur ein einziges Mal hat sie seither überlegt, auszutreten – als Ex-Kanzler Helmut Kohl sich 1999 weigerte, die Namen seiner illegalen Parteispender zu nennen.

Das empörte die Juristin. Sie blieb trotzdem. „Aktiv war ich damals in der Partei aber noch nicht.“ Erst nachdem die gebürtige Stormarnerin 1994 wegen eines neuen Jobs ihres ersten Mannes nach Lürschau bei Schleswig gezogen war, ging es in der Kommunalpolitik langsam los. Noch heute ist sie in dem 1160-Einwohner-Dorf ehrenamtliche Bürgermeisterin – für eine Wählergemeinschaft, weil es dort gar keinen CDU-Ortsverband gibt. Für die Union zog sie in den Kreistag ein. 2012 fragte sie der altgediente Flensburger Unions-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Börnsen an, ob sie nicht seine Nachfolgerin in Berlin werden wolle. Sie wollte. Doch die Landes-CDU drückte bei der Wahlkreis-Mitgliederversammlung ganz knapp ihren damaligen Vorsitzenden Jost de Jager durch, der bei der Landtagswahl kurz zuvor kein Mandat in Kiel abbekommen hatte – 307 zu 312 Stimmen. Eine Woche später schmiss de Jager alle Ämter hin. Sütterlin-Waack bewarb sich erneut und bekam jetzt 224 von 231 Stimmen. Mit 42,5 Prozent der Erststimmen schaffte sie im September 2013 den Sprung in den Bundestag. Seit 2016 sitzt sie auch im Landesvorstand der Nord-CDU.

Auch in Berlin blieb sie der Juristerei treu, kümmerte sich im Innen- und Rechtsausschuss um Familienrechts-Reformen. „Nach drei Jahren war ich in den Themen drin und wusste, wie es läuft“, sagt Sabine Sütterlin-Waack. Sie wäre gerne dabei geblieben. Dann aber brauchte der neue CDU-Landeschef Daniel Günther nach dem knappen Unions-Erfolg bei der Landtagswahl am 7. Mai doch ein Verhandlungsteam für eine Jamaika-Koalition. Und die 59-Jährige war dabei. Sie habe Günthers Verhandlungsgeschick bei der Anbahnung des nicht eben einfachen Bündnisses mit Grünen und FDP schätzen gelernt, sagt sie. Günther verließ sich auf ihre Fachkompetenz und ihre im Bundestag erprobte Fähigkeit, auch mit den Fachpolitikern der dortigen Grünen bei Gesetzesvorhaben gut zusammenzuarbeiten.

Schnell hätten sie und Günther zudem festgestellt, dass die Chemie zwischen ihnen stimme, sagt sie.

Als am Ende dann die Ressorts unter den Parteien verteilt worden waren und Minister und vor allem auch Ministerinnen gesucht wurden, fragte Günther sie. Ja, sie werde das Amt übernehmen, habe sie ihm schließlich gesagt – nach einer Bedenkzeit. „Ich habe großen Respekt vor dem Amt.“ Noch eine Legislaturperiode in Berlin zu bleiben, wäre sicherlich der einfacherere Weg gewesen. Mit 59 noch mal etwas ganz Neues zu machen, alles neu zu lernen, sei der schwierigere. Jetzt arbeite sie sich gerade gründlich in die Themen ein. Keine Schlagzeilen zu produzieren, hat sie sich vorgenommen. Für die Justiz sei es nicht verkehrt, wenn sie ohne großes Aufhebens quasi im Windschatten der Berichterstattung gut funktioniere. Die Arbeitsbelastung der Gerichte und der Staatsanwaltschaften aber sei bedenklich hoch. Sie will sich daher bald mit Grünen-Finanzministerin Monika Heinold beraten, ob nicht doch noch Geld für neue Stellen übrig ist.

Es war nicht ihr Lebensplan, Vaters Amt zu übernehmen

Den bislang über die Abteilungen mehrere Ministerien verteilten Verbraucherschutz muss sie auch noch in ihrem Haus bündeln, heißt es im Koalitionsvertrag von CDU, Grünen und FDP. Zudem ist sie für Europa zuständig und die Gleichstellung. Das war damals, als ihr Vater Justizminister war, noch anders. 1993 schon ist er gestorben. Sein Bild hängt immer noch im Ministerium. „Ich gehe da aber nicht jeden Tag dran vorbei“, sagt Sabine Sütterlin-Waack und lacht. Es sei ja auch nicht ihr Lebensplan gewesen, ihm in diesem Amt nachzufolgen. Und inhaltlich gebe es heutzutage sowieso ganz eigene Herausforderungen und Entwicklungen. Na gut, das eine dann doch: Sie hat in den letzten Wochen wieder öfter an ihren Vater gedacht, sagt die Ministerin. „Da schaut man dann nach oben und denkt, wie er das jetzt wohl so findet.“

Wolfram Hammer

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