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08:04 31.07.2017
Sozialminister Heiner Garg hat für die LN im Strandkorb Platz genommen. Der 51-Jährige ist in Freiburg aufgewachsen und für seinen ersten Job in der FDP nach Kiel gekommen. Quelle: Fotos: Lutz Roessler

„Ja, das bin ich“, sagt Heiner Garg. Sozialminister in Kiel. Und Gesundheitsminister. Zum zweiten Mal ist er es. Schon von 2009 bis 2012 hatte der FDP-Mann das Amt inne. Und wenn der 51-Jährige beim Strandkorbgespräch ins Erzählen kommt, könnte man meinen, seine Karriere sei direkt darauf zugelaufen.

„Ja, das bin ich“, sagt Heiner Garg. Sozialminister in Kiel. Und Gesundheitsminister. Zum zweiten Mal ist er es. Schon von 2009 bis 2012 hatte der FDP-Mann das Amt inne.

Ein kleiner Ort bei Freiburg im Breisgau, mitten im Schwarzwald, Anfang der 70er Jahre. Gargs Mutter steht mit ihrem kleinen Sohn vor der Vogelvoliere des Altenheims, in dem sie arbeitet. „Sie war Altenpflegerin mit Leib und Seele“, sagt Garg. Immer wieder nahm sie ihn zur Arbeit mit. Auch der Vögel wegen. Zugleich aber habe er erlebt, wie wichtig es ist und wie erfüllend es sein kann, sich um bedürftige Menschen zu kümmern. Als er das Abitur in der Tasche hat, studiert er in Freiburg – Wirtschaftswissenschaften zwar, aber mit dem Schwerpunkt Gesundheitswesen. 1995 ist seine Doktorarbeit über die Pflegeversicherung fertig.

Doktor, aber was nun? Der Arbeitsmarkt war nicht rosig damals. Auf seine Bewerbungen gibt es zunächst nur Absagen. Garg und seine Freunde sitzen in ihrer Stammkneipe „Brasil“ zusammen. Einer knallt ihm die „Zeit“ auf den Tisch. Eine Stellenanzeige der FDP-Fraktion im Kieler Landtag. Es wird ein wissenschaftlicher Mitarbeiter gesucht. „Das wird nichts“, sagt Garg den Freunden. Sie wetten um ein Essen im Restaurant. Er fährt nach Kiel, kommt zurück – und muss die Freunde einladen. Die FDP will ihn haben. Auf 16 Monate befristet, bis zur nächsten Wahl. Zwei weitere Angebote gehen dann doch noch bei Garg ein – unbefristete Stellen im Management von Klinikkonzernen. Als er seinen Eltern während des Weihnachtsessens seine Entscheidung mitteilt, fällt seinem Vater, einem Berufsschullehrer und CDU-Kommunalpolitiker, fast die Gabel aus der Hand: Garg will nach Kiel. „Mein Vater hat mich gewarnt, die FDP fliege da doch bei der nächsten Wahl sowieso aus dem Landtag und ich wäre den Job dann los. Ich habe ihm gesagt, dass ich doch genau das verhindern werde“, erzählt Garg und lacht. Na, immerhin könne man den Sohn dann an der Ostsee besuchen kommen, sagt der Vater schließlich. Und dass diese Aussicht auf 16 Monate Baden und Strandspaziergänge ihn an diesem Angebot besonders reizten, gibt auch Garg zu. Dass es den Sohn in die Politik zog, kam für die Eltern auch nicht ganz überraschend. „Meine Schwester und ich haben für meinen Vater schon als Kinder Flyer im Dorf verteilt.“ Sie seien ein sehr politischer Haushalt gewesen, „meine Eltern waren aber auch sehr offene Menschen“.

Sein Fachgebiet blieb immer die Gesundheitspolitik

In die FDP war Garg schon 1990 eingetreten – Genschers Rolle bei der Wiedervereinigung gab den letzten Anstoß. „Außerdem hat mich der Spagat von rationaler Wirtschafts- und offener Gesellschaftspolitik begeistert, von Lambsdorff bis Hamm-Brücher.“ 1996 kommt die Partei im Norden tatsächlich wieder in den Landtag, sein Vertrag wird verlängert. Dann wird er gefragt, ob er nicht als Spitzenkandidat der Jungen Liberalen für den Landtag kandidieren will. 2000 gewinnt er zum ersten Mal ein Mandat, ist seither ununterbrochen Abgeordneter. Sein Fachgebiet: natürlich die Gesundheitspolitik. Als es für CDU und FDP 2009 knapp zu einer Mehrheit reicht, ist Garg als Sozial- und Gesundheitsminister gesetzt. Bei den vorgezogenen Neuwahlen 2012 siegen SPD, Grüne und SSW. Er wird wieder einfacher Abgeordneter.

Ist es nicht ein komisches Gefühl, fünf Jahre später ins selbe Amt zurückzukehren? „Nein, überhaupt nicht“, sagt der 51-Jährige. Die erste Abteilungsleiter-Runde sei wie ein Klassentreffen gewesen.

„Das ist ja auch mein absolutes Wunschamt.“ Es umfasse mit Kita-, Jugend-, Familien- und Seniorenpolitik quasi das ganze Leben. Und seine Fachkenntnis schade ja nun wirklich nicht. „Man muss brennen für das, was man beruflich tut, ob man Schmuck herstellt, Haare schneidet oder eben auch einen Job wie meinen hat.“ Er wolle jetzt wieder für eine ordentliche Gesundheits- und Pflegeversorgung der Menschen im Land sorgen, „da werden uns bald vor allem die personellen Ressourcen fehlen“, für Landarzt-Stellen müssten neue Arbeitszeit- und Kooperationsmodelle entwickelt werden, um gerade auch Frauen die Verbindung solcher Jobs mit ihrer Familie zu ermöglichen. Und natürlich sei es geradezu die „DNA der neuen Jamaika-Koalition“, dass man das System der Kita-Finanzierung komplett neu organisieren wolle.

Mit Tieren und Politik

ist Garg groß geworden

Das alles will Garg im Ministerium und in der Koalition im Team erreichen, auch wenn er in der Opposition eher auf Angriff gespielt hat. Lange Reden, die zum Ende hin schärfer werden, sind sein Markenzeichen. Und auch jetzt könnte er sicher noch Stunden über all die Themen weiter sprechen. Dass ihn das neue, alte Amt noch mehr Freizeit kosten werde, hat auch Gargs Lebensgefährte geahnt, mit dem er seit fünf Jahren zusammen ist. Er ist US-Amerikaner, lebt in Manhattan, arbeitet in der Textil-Branche. „Er interessiert sich aber auch immer mehr für Deutschland und die deutsche Politik.“ Ab einem gewissen Punkt bremse er die Diskussion dann aber auch, was ja gar nicht so verkehrt sei, um auch mal abzuschalten. Dreimal im Jahr fliegt Garg nach New York. Wenn sein Lebensgefährte in Kiel zu Besuch ist, geht es mit dem Auto raus ins Land. Es gebe so viele schöne Ecken hier. „Und ein Besuch in Lübeck ist immer Pflicht, in die Stadt ist er regelrecht verliebt.“ Im Gegenzug könnte Garg sich vorstellen, eines Tages eine Zeit lang in New York zu leben.

Vielleicht als Berater in Sachen Gesundheitssystem? Garg lacht. Aber Kliniken hat er bei seinen Besuchen dort durchaus schon besucht und mit Ärzten gefachsimpelt. Erst mal bleibe er aber hier. Zumal zu Hause ja auch noch drei andere Mitbewohner auf ihn warten: seine Groß-Sittiche, die Älteste beachtliche 18 Jahre alt. In seiner Stadtwohnung hat er eine Frei-Voliere für die Tiere, schöner noch als die, vor der er als Kind mit seiner Mutter im Altenheim stand. Ohne Tiere, das steht für Garg fest, gehe es nun mal nicht im Leben. Schon als Kind hatte er Unken, Mäuse, Hasen. Auf seinem ersten Wahlplakat posierte er mit Dackel „Purzel“. „Man könnte sagen“, sagt Garg: „Ich bin mit Tieren und Politik groß geworden.“

Wirtschaftswissenschaftler und Pflege-Experte

Heinrich „Heiner“ Garg, geboren am 9. Februar 1966 in Freiburg im Breisgau, dort legt er 1985 das Abitur ab, studiert Wirtschaftswissenschaften, 1991 Diplom-Volkswirt. Promotion über „Pflegebedürftigkeit als Gegenstand ökonomischer Sicherungspolitik“. 1995 wissenschaftlicher Assistent der FDP-Fraktion im Kieler Landtag. Seit 2000 Abgeordneter des Landtags, 2009 bis 2012 Minister für Arbeit, Soziales und Gesundheit und Vize-Ministerpräsident in einer CDU-FDP-Koalition. Seit Juni 2017 Minister für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren in der Jamaika-Koalition.

Wolfram Hammer

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