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Norddeutschland Schäden durch Starkregen: Nur jedes fünfte Haus ist versichert
Nachrichten Norddeutschland Schäden durch Starkregen: Nur jedes fünfte Haus ist versichert
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20:09 08.06.2016
2006 eine Windhose fegt über Hamburg Harburg. Quelle: dpa
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Lübeck

Die meisten Hauseigentümer sind in Schleswig-Holstein wesentlich schlechter vor Schäden durch Starkregen geschützt als etwa in Baden-Württemberg. Nur 18 Prozent der Gebäude im Norden sind nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) dagegen versichert, in Baden-Württemberg sind es 95 Prozent. Der Bundesschnitt liegt bei 38 Prozent.

Während vom Sturm verursachte Schäden in der Regel durch Gebäude- und Hausratversicherungen abgedeckt sind, greifen diese bei regenbedingten Schäden nicht. Dazu ist zusätzlich eine Elementarschadenversicherung nötig. Wie schnell solche Schäden entstehen können, bekam am Dienstagabend auch der Norden zu spüren. Innerhalb von 20 Minuten fielen in der niedersächsischen Kleinstadt Damme 70 Liter Regen pro Quadratmeter. Wenig später wütete über dem Nordosten Hamburgs ein Tornado, Dächer wurden abgedeckt, Bäume krachten auf Häuser und Carports, Keller liefen voll Wasser.

Bilder und Videos von dem Unwetter in Hamburg finden Sie hier!

„Nach Unwettern wie jetzt in Hamburg oder Baden-Württemberg merken wir eine steigende Nachfrage nach einem entsprechenden Versicherungsschutz“, sagt Thiess Johannssen, Sprecher der Itzehoer Versicherungen. „Aber danach flacht das Interesse auch schnell wieder ab.“ Deutlich unter 20 Prozent ihrer Kunden seien zurzeit gegen Elementarschäden versichert. Bei der Provinzial Nord, dem Marktführer bei Wohngebäude-Versicherungen im Norden, sind es zehn Prozent. Der Versicherungsbeitrag richtet sich laut Sprecher Heiko Wischer nach dem Wert des Hauses und des Hausrates. Für ein Einfamilienhaus im Wert von 300 000 Euro liege er bei etwa 90 Euro im Jahr.

Juristin Katrin Rieger von der Verbraucherzentrale Schleswig Holstein hält eine Elementarschadenversicherung für sinnvoll. „Die Gefahr von Starkregen nimmt zu“, sagt sie. „Und bei Überschwemmungen entstehen schnell hohe Kosten, die oft gar nicht mehr bezahlbar sind und die Menschen in den finanziellen Ruin stürzen.“ Zum Beispiel dann, wenn die Bausubstanz durch das Wasser so stark geschädigt werde, dass das Haus anschließend unbewohnbar sei.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann forderte nach den jüngsten Überschwemmungen in seinem Bundesland eine generelle Versicherungspflicht gegen Elementarschäden. Solche extremen Wetterlagen könne es überall geben, und ihre Zahl werde zunehmen, sagte der Grünen-Politiker.

Deutschlandweit zahlten die Versicherer laut den aktuellsten Zahlen des GDV im Jahr 2014 rund 1,2 Milliarden Euro für Unwetterschäden, davon entfielen 340 Millionen Euro auf Elementarschäden. In den kommenden Jahren könnte die Summe aufgrund des Klimawandels deutlich steigen. „In einer wärmeren Welt gibt es mehr Gewitter und auch mehr Niederschlag“, sagt der Kieler Klimaforscher Mojib Latif. 

Janina Dietrich

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