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Norddeutschland Scharfe Kritik am Zuschuss für das Kieler Fußballstadion
Nachrichten Norddeutschland Scharfe Kritik am Zuschuss für das Kieler Fußballstadion
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19:52 05.10.2017
Das Stadion von Fußball-Zweitligist Holstein Kiel. Quelle: dpa
Kiel

Die stattliche Unterstützung der Förde-Fußballer war eine der ersten Initiativen der neuen CDU-Grünen-FDP-Landesregierung. Der Landtag stimmte einhellig zu. Insgesamt stellt das Land 15 Millionen Euro Extra-Fördermittel für den Sport bereit. Während die Kieler Kicker sich freuen können, geht der VfB Lübeck allerdings leer aus. Dabei bestünde in seinem Stadion an der Lohmühle auch massiver Sanierungsbedarf. „Das werden wir uns nicht gefallen lassen", erklärte VfB-Vorstandssprecher Thomas Schikorra bereits. Auch der VfB werde einen Förderantrag stellen. Und werde dieser Antrag abgelehnt, dann „werden wir klagen“.

Der Steuerzahlerbund lehnt solche Förderungen allerdings generell ab. Bei den Millionenbeträgen, die Vereine wie Holstein „aus Werbeeinnahmen und Rechteverkäufen erzielen, muss es möglich sein, auch die Infrastruktur der Spielstätten aus diesen Mitteln zu finanzieren“, sagt Aloys Altmann. So werde Holstein Kiel nach dem Aufstieg in die zweite Liga alleine 6,43 Millionen Euro aus den Fernsehrechten kassieren. „Da winkt das große Geld“, sagt Altmann. Es sei daher unerhört, dass für den Stadionausbau, der den Klub zweitligatauglich machen soll, vor allem die Steuerzahler aufkommen sollen.

Weil sich auch die Stadt Kiel an der Sanierung beteiligt, würden am Ende sogar 8,7 Millionen Euro an öffentlichen Geldern dafür ausgegeben werden, rechnet Altmann vor. Hinzu kämen der erhöhte Aufwand für Sicherheit, Verkehrslenkung und Polizei. „Viel Steuergeld für den Profifußball, bei dem es sich doch in erster Linie um ein Wirtschaftsunternehmen handelt“, sagt Altmann. Und wenn ein Verein, wie ehedem der VfB Lübeck, wieder aus der zweiten Liga absteigt, seien die Fördergelder zudem schnell einmal futsch. Durch die Insolvenz des VfB Lübeck nach dessen Abstieg 2008 zum Beispiel habe die Hansestadt Lübeck Darlehen in Höhe von über 1,3 Millionen Euro verloren. 

„Sportlicher Erfolg kann nicht erkauft werden – auch nicht mit Steuerzahlermillionen“, sagt Altmann. Steuergelder gehörten in den Breiten-, Amateur- und den Jugendsport. „Dort wird unter teilweise desolaten Verhältnissen hervorragende Ehrenamtsarbeit geleistet.“ CDU-Ministerpräsident Daniel Günther, der sich für das Förderprogramm stark gemacht hatte, wollte die Kritik Altmanns gestern nicht kommentieren.

Insgesamt listet der Steuerzahlerbund in seinem jüngsten „Schwarzbuch“ 13 Verschwendungsfälle aus dem Norden auf. Bundesweit würden „Milliardenbeträge“ verloren gehen, kritisiert auch der Präsident des Steuerzahler-Bundesverbandes Reiner Holznagel. Die künftige Regierungskoalition müsse schärfer dagegen vorgehen. 

Von Wolfram Hammer

Das Schwarzbuch

Der Steuerzahlerbund listet jedes Jahr auf, wo Bund, Länder oder Kommunen nach seiner Meinung sorglos mit dem Geld der Bürger umgehen – durch Fehlplanungen, Nachlässigkeiten oder fragwürdige Projekte.

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