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Norddeutschland Schiffslotsen im Funkloch: Wohin mit den großen Pötten?
Nachrichten Norddeutschland Schiffslotsen im Funkloch: Wohin mit den großen Pötten?
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18:28 09.07.2016
Auf Funk angewiesen: Ein Containerschiff auf der Elbe. Quelle: Brandt

. Sechs Containerschiffe gleiten zielstrebig durch die Fluten der Elbe. Und alle wollen geordnet, schnell und sicher in den Hafen. Zugleich warten Dutzende Schiffe draußen in der Deutschen Bucht auf Einlass. Ist der Pott einmal auf den Weg gebracht, gibt es kein Wenden und auch kein Überholen mehr. Das bedeutet Stress – vor allem für Lotsen wie die der Lotsenbrüderschaft Elbe.

Technische Hilfe erleichtert den Job: Dank mobilen Datenfunks sehen die Lotsen auf ihren Laptops schon von der Deutschen Bucht aus, wo welche Schiffe liegen, wie hoch das Wasser steht und ob der Weg frei ist. Und wenn es etwas abzustimmen gibt, rufen sie beim Hafenbüro an. Das Dumme ist nur: an Elbe-, Weser- und der Emsmündung haben sie regelmäßig keinen Mobilfunk-Empfang. Was dann?

Entlang der Weser gebe es mehrere Mobilfunklöcher, sagt der Chef der Lotsenbrüderschaft Weser 2/Jade in Bremerhaven, Ältermann Jörn Haase. Das gelte auch für den Nord-Ostsee-Kanal, sagt Stefan Borowski von den dortigen Lotsen. Der Chef der Elblotsen in Hamburg, Ben Lodemann, erklärt, in der Deutschen Bucht sei das Problem bei Hochdruckwetter flächendeckend. Eine solche Wetterlage macht nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes ein knappes Drittel des Jahreswetters aus.

Den Lotsen bleibe als Alternative oft nur die „stille Post“: Sie funken ihr Stationsschiff an, das ruft bei der Lotsenzentrale an, die ruft beim Hafenbetriebsbüro an und von dort nimmt die Information den Weg zurück. „Wir fahren das ganze System aus dem Bauch heraus“, erklärt Lodemann. Es gehe um Leib und Leben von Besatzungen, Passagieren und Uferbewohnern, sagt Uwe Santjer (SPD).

Unfälle wegen ausfallenden Mobilfunks sind dem Havariekommando und der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung zwar nicht bekannt. Lodemann erzählt aber vom Zusammenstoß zweier Schiffe 2011 auf dem Nord-Ostsee-Kanal, bei dem die Brücke des einen Schiffes samt Funkanlage abgerissen worden sei. Die Besatzung habe von Bord und auf den Deich gehen müssen, um Hilfe herbeizurufen. Ein Lotse und ein Steuermann waren damals ums Leben gekommen.

 Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) will die Funklöcher beim Hafendialog der deutschen Küstenländer ansprechen. Santjer regt auch an, zu prüfen, ob die Lotsen mit Satellitentelefonen ausgestattet werden können. Und es müsse eine Vorschrift her, wonach Unternehmen, die künftig Mobilfunkfrequenzen ersteigern, sich zum Ausbau der Netzabdeckung an Wasserstraßen verpflichten.

Auch die Telekom sieht das Netzabdeckungsproblem: „Mobilfunk, so wie er heute in Deutschland gebaut wird, kann die großen Entfernungen über Wasserflächen in der Deutschen Bucht nicht bedienen“, erklärt eine Sprecherin. Auf dem Nord-Ostsee-Kanal gebe es „einige wenige Abschnitte“ mit eingeschränkter Mobilfunkabdeckung, erklärt die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (WSV).

LN

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