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Schlechte Stimmung in Hohwacht

Hohwacht Schlechte Stimmung in Hohwacht

Der beschauliche Urlaubsort setzt für die Zukunft auf moderne Neubauten. Doch die Pläne der Gemeinde stoßen bei vielen Bürgern im Ort auf Widerstand.

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Strandkorbvermieter Rolf-Dieter Peters (73) fürchtet, von seinen Kunden abgeschnitten zu werden.

Quelle: Fotos: Olaf Malzahn

Hohwacht. Petra Weber (47) ist auf 180. Diesen Sommer hilft sie wieder aus in der Fischbude ihres Vaters Wilfried „Fischi“ Bumann (72) in Hohwacht (Kreis Plön). Es könnte das letzte Mal sein. „Unsere Fischbude soll weg“, erklärt die resolute Fischverkäuferin empört. Und das, wo „Fischi“ eine Hohwachter Institution sei. „Seit 44 Jahren schon.“

LN-Bild

Der beschauliche Urlaubsort setzt für die Zukunft auf moderne Neubauten. Doch die Pläne der Gemeinde stoßen bei vielen Bürgern im Ort auf Widerstand.

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Nur die Spitze des Eisbergs. Denn die Gemeinde hat große Baupläne, in denen nicht nur „Fischis“ Fischwagen und der dazugehörende Minigolfplatz gleich daneben keinen Platz mehr haben.

„Wir brauchen hier neue, zeitgemäße Ferienwohnungen“, sagt Bürgermeister Matthias Potrafky (CDU). Das verlange im übrigen der Landesentwicklungsplan. Der Ort benötige dringend mehr Betten, gut ausgestattete gewerbliche Ferienwohnungen, gerade in 1a-Lagen am Wasser.

Praktisch bedeutet das: Auf der Düne hinter „Fischis“ Imbiss und auch auf einem Teil des großen Parkplatzes davor soll gebaut werden. Der Bürgermeister spricht von „mindestens vier Gebäuden“.

Gewerbliche Ferienwohnungen, die an ein Hotel angegliedert sein sollen. Nämlich dem „Haus am Meer“, gleich nebenan. Hotel und Dünengrundstück hat der Investor, die Baufirma Anders aus Hohenfelde, bereits erworben – ohne Ausschreibung, wie Kritiker monieren.

„Fischis“ Pachtvertrag ist gekündigt, zum 30. September. Petra Weber hat den Bebauungsplan gesehen, der derzeit zur Besichtigung ausliegt. Und war überrascht: „Unser Minigolfplatz ist da als Parkplatz ausgewiesen“, wundert sie sich. Wohl für das – ebenfalls umstrittene – Gesundheitszentrum, das die Gemeinde angrenzend errichten will. „Darüber hat uns vorher keiner informiert. Dabei ist der Minigolfplatz unser Eigentum.“ Verkaufsverhandlungen habe es nie gegeben. „Wollen die uns etwa enteignen?“, fragt sie sich.

In der Erklärung zum Bebauungsplan ist von einer „Überplanung“ des Imbissbetriebs die Rede. Aufgrund seiner Lage habe der Fischwagen „keine Entwicklungsperspektive“. Der Minigolfplatz müsse weichen, da „der Parkplatzversorgung höheres Gewicht beigemessen“ werde. „Im Bereich Alt-Hohwacht gibt es einen weiteren Minigolfplatz, der den örtlichen Bedarf decken kann.“

Für Petra Weber eine Farce. „Der Imbiss ist die Existenz meines Vaters. Und mir wird die Möglichkeit genommen, später hier einzusteigen“, ärgert sie sich.

Auch auf der anderen Seite der Düne, wo Rolf-Dieter Peters (73) seit Jahrzehnten Strandkörbe vermietet, ist die Sorge groß. „Wenn die hier auf der Düne bauen, bin ich doch von meinen Kunden abgeschnitten“, fürchtet Peters. Auf der Düne habe er außerdem immer seine 113 Strandkörbe zum Trocknen gelagert. „Wo soll ich das sonst machen?“ Sobald das Baugeschehen beginne, sei er „ganz schnell pleite“, mutmaßt er.

Auch in Alt-Hohwacht soll in großem Stil investiert werden. Die in einem Jahrhunderte alten Gebäude untergebrachte frühere Pension „Meeresblick“ und das Nachbarhaus, die ehemalige „Pension Kühl“, sind von einem weiteren Investor aufgekauft worden und sollen Ferienappartements weichen.

Peter Rathje (74), der im Ort aufgewachsen ist und auf der anderen Straßenseite einen Kiosk betreibt, hält davon gar nichts. „Das alte Hohwacht verliert sein Gesicht.“ Die gewerbliche Nutzung stehe im Vordergrund. „Für uns alte Hohwachter ist kein Platz mehr.“ Bürgermeister und Investoren interessiere das nicht. „Das sind so Baulöwen. Das wird hier einfach alles plattgemacht.“

Auf der anderen Seite des Ortes, am Reiherstieg, wurde bereits ein altes Ferienhaus mit Reetdach abgerissen. Dort stehen seit kurzem ebenfalls zwei Blocks mit modernen Appartements. Die meisten sind vergeben.

„Wir haben Nachfrage ohne Ende“, sagt der Bürgermeister. Er hofft, die Bettenzahl zu steigern, diese sei zuletzt gesunken. Noch liege der Bebauungsplan öffentlich aus. „Für vernünftige Anregungen sind wir offen.“

Marcus Stöcklin

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