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Norddeutschland Ärzte warnen: Grippe-Impfstoff wird knapp
Nachrichten Norddeutschland Ärzte warnen: Grippe-Impfstoff wird knapp
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19:26 07.11.2018
Die Grippeschutzimpfung wird besonders älteren Menschen, chronisch Kranken und Schwangeren sowie Risikogruppen, dazu zählt Krankenhaus- und Pflegepersonal – dringend empfohlen. Quelle: dpa
Kiel

Neuerliche Panne beim Grippeschutz: In diesem Jahr können sich zwar endlich alle Patienten mit dem besseren Vierfach-Impfstoff schützen lassen – aber nur theoretisch. Denn es fehlt an Serum. Nach Angaben von Ärzten und Apothekern gehen die Reserven bereits zu Neige, ehe die erste große Grippewelle übers Land schwappt. Die Hersteller verweisen darauf, die vorbestellten Mengen produziert zu haben. An eine Nachproduktion sei nicht gedacht. Die Schuld an der Misere wird auf die Patienten abgewälzt: Nach der schweren Grippewelle der Vorsaison wollen sich offenbar deutlich mehr Menschen durch eine Impfung schützen.

Die Unterversorgung ist regional offenbar sehr unterschiedlich. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) des Bundesgesundheitsministeriums ruft deshalb über seine Internetseite Ärzte und Verbraucher auf, Engpässe bei Grippe-Impfstoffen zu melden. Aktuell sind laut PEI 15,7 Millionen Impfdosen freigegeben, das ist der allergrößte Teil. Obwohl die Nachfrage nach Angaben der Deutschen Apotheker-Zeitung (DAZ) größer ist als im Vorjahr, werde kein Serum mehr nachkommen. Drei der vier Hersteller haben keinen Impfstoff mehr auf Lager. Bundesweit seien deshalb Apotheker auf der Suche nach letzten Reserven.

Besonders betroffen sind Privatversicherte

„Ja, es gibt in der Tat Engpässe“, bestätigt Dr. Thomas Maurer, Chef des Hausärzteverbands Schleswig-Holstein. „Denn wir registrieren in diesem Jahr mehr Impfwillige, offenbar weil die Grippewelle in der Vorsaison so getobt hat.“ Besonders betroffen von Lieferengpässen seien aktuell Privatversicherte. Deren Spritze muss aus einer Einzelpackung stammen. Doch diese seien derzeit vielerorts vergriffen, sagt Maurer. Der niedergelassene Arzt kann das schlimmste Szenario nicht ausschließen: „Im Falle einer späten Grippewelle kann es passieren, dass wir wegen fehlenden Serums irgendwann gar nicht mehr impfen können.“ Wer sich impfen lassen will, sollte sich also beeilen.

Die Hersteller der Impfstoffe – Mylan, Sanofi, Glaxo Smith Kline und Astra Zeneca – wollen nicht Schuld an der Misere sein. Als im April beschlossen wurde, dass die gesetzlichen Kassen die Impfung gegen vier statt gegen drei Stämme der Grippeviren bezahlen, habe den Unternehmen offenbar der nötige Vorlauf gefehlt, mutmaßen die Apotheker. „Stimmt nicht“, widerspricht eine Sanofi-Sprecherin. Auf die vorbestellte Zahl an Dosen sei noch eine ordentliche Spanne obendrauf gekommen. „Wir verkaufen gerne mehr.“ Eine von diesem Pharmakonzern in Auftrag gegebene GfK-Studie bestätigt, dass die Zahl der Impfwilligen in diesem Jahr gestiegen ist. Eventuelle Engpässe in den Arztpraxen führt Sanofi auf „regionale Verteilungsprobleme“ der Ware zurück. Matthias Berndt, Hausärzte-Vorsitzender aus Niedersachsen, hat da eine andere Vermutung: Um Lagerkosten zu sparen, belieferten die Unternehmen die Großhändler erst „just in time“. Nach der letzten Grippe-Saison hatten zehn Prozent der 16,9 Millionen Impfdosen unverbraucht vernichtet werden müssen – vielleicht ist auch das eine Erklärung für den jetzigen Engpass.

2017 hatte Verärgerung ausgelöst, dass die Drei-Komponenten-Spritze, deren Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen getragen wurden, nicht vor dem damals häufigsten Grippe-Erreger schützte. Der effektivere Vierfach-Schutz war Privatpatienten vorbehalten. Bei 300 000 Grippefällen waren 2000 tödlich verlaufen.

Curd Tönnemann

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