Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Diesel: Wer darf rein, wer nicht?
Nachrichten Norddeutschland Diesel: Wer darf rein, wer nicht?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:00 12.10.2018
Die Polizei darf für dreckige Dieselfahrzeuge gesperrte Straßenzüge in Innenstädten im Einsatz befahren – auch wenn der Motor ihres Streifenwagens nicht die nötige Euro-6-Norm aufweist. Quelle: dpa
Kiel/Lübeck

Stell dir vor, die Polizei ist auf Verbrecherjagd und verliert die Verfolgung – weil der Streifenwagen einen Dieselmotor hat und deshalb eine Umleitung nehmen muss. Denn ein Großteil der 1400 Streifenwagen der schleswig-holsteinischen Landespolizei hat nur die Euro-5-Norm oder ist niedriger zertifiziert. „Nein, das kann nicht passieren“, beruhigt das Innenministerium. Die Polizei sei von den Vorschriften dieser Verordnung befreit. Das gilt auch für die Feuerwehr, den Katastrophenschutz, die Bundeswehr und den Zoll.

Ausnahme für Einatzfahrzeuge

Es sind nicht eben die saubersten Autos, mit denen die schleswig-holsteinische Polizei auf Streife fährt. Doch ein Durchfahrtsverbot beispielsweise für den Theodor-Heuss-Ring in Kiel, dem wegen hoher Stickoxidwerte der Luft ein Diesel-Fahrverbot droht, würde für die Polizei nicht gelten, so lange es sich um einen „eiligen Einsatz“ handele, teilt ein Sprecher des Innenministeriums mit. Das Gleiche gilt für die Peterwagen in Hamburg, wo bereits in der Max-Brauer-Allee und Stresemannstraße Durchfahrtsverbote für ältere Diesel-Fahrzeuge gelten.

Nach dem Diesel-Urteil in Berlin, wonach auf mehreren Berliner Innenstadt-Straßen Fahrverbote unabwendbar erscheinen, schauen auch Landesregierungen und Großstädte nochmal genauer auf die Autos in ihrem Fuhrpark. In Kiel haben von den insgesamt 25 Dienstfahrzeugen der Minister und Staatssekretäre 20 einen Diesel unter der Motorhaube. Sie sind auch nach Berlin unterwegs. Kiel gibt allerdings Entwarnung. All diese Chefwagen haben die Euro-6-Plakette in der Windschutzscheibe – und fallen damit nach heutigem Stand nicht unter ein Fahrverbot in Citys.

Größere Sorgen hat die Bundesregierung. Von 200 Dieselfahrzeugen im Fuhrpark haben 28 nur die Abgasnormen Euro-3 bis Euro-5. Auf mindestens elf Straßenabschnitten in der Bundeshauptstadt dürfen sie künftig nicht mehr unterwegs sein – falls es für diese Fahrzeuge im Staatsdienst nicht doch noch eine Ausnahme geben sollte. Die Umweltverwaltung hat darüber noch nicht entschieden.

Lübecks Bürgermeister freut sich auf Hybridauto

Der städtische Fuhrpark in Lübeck besteht zur Hälfte aus sauberen Dieseln der Euro-Norm 6. Ein Viertel der Fahrzeuge fährt mit Euro-5, der Rest ist zwölf Jahre und älter und schafft deshalb nur die Euronormen 4 und 5. „Eine Umrüstung lohnt sich hier nicht“, sagt Bürgermeister Jan Lindenau (SPD). „Beim Neukauf wird auf die neueste Technik geachtet.“ Für die Stadtverwaltung sind inzwischen 15 E-Autos im Einsatz. Bei den Entsorgungsbetrieben Lübeck fährt inzwischen auch die erste Kehrmaschine elektrisch. Der Bürgermeister selbst steigt mit Auslaufen des Leasingsvertrags in einem Jahr aus seinem dieselbetriebenen Dienstwagen aus und wechselt auf ein Hybridfahrzeug.

Weil die Dienstflotte der großen schleswig-holsteinischen Unternehmen aus Leasing-Fahrzeugen bestehen, handelt es sich überwiegend um jüngere Autos, die die Euro-6-Norm erfüllen. So heißt es von Dräger in Lübeck, dass der Anteil an Dieselautos mit der Euronormen 3, 4 und 5 im unternehmenseigenen Fuhrpark (1300 Fahrzeuge) bei gerade noch zwei Prozent liege. Der ganz große Teil der Dräger-Flotte erfült die Euro-6-Norm. „Der Einsatz umweltfreundlicher Technologien ist uns sehr wichtig“, sagt Sprecherin Melanie Kamann. Erst jüngst seien fünf weitere Elektroautos angeschafft worden.

Curd Tönnemann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In Oldesloe wurde ein Messer-Angreifer von einem Polizisten erschossen. Eine Vorführung von Einsatztrainern macht deutlich, dass es für den Beamten wohl kaum eine Alternative zum Waffeneinsatz gab.

12.10.2018

Lübeck ist die teuerste Stadt Deutschlands, wenn es ums Busfahren geht. Tageskarten sind nirgendwo so teuer wie in der Hansestadt; einfache Tickets kosten in nur einer Stadt mehr.

13.10.2018

Dem Herbst zum Trotz: Bei sommerlichen Temperaturen am Wochenende können Bewohner und Urlauber an den Stränden in Schleswig-Holstein noch immer Strandkörbe nutzen - auch wenn die meisten schon im Winterquartier sind.

12.10.2018