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Norddeutschland Schleswig-Holstein: Prozess gegen falsche Polizisten beginnt
Nachrichten Norddeutschland Schleswig-Holstein: Prozess gegen falsche Polizisten beginnt
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15:22 08.10.2018
Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Quelle: David-Wolfgang Ebener/archiv
Kiel

Falsche Polizisten haben in Schleswig-Holstein in den letzten Jahren Millionensummen am Telefon ergaunert - jetzt stehen deshalb erstmals im Land zwei Männer vor Gericht. Sie sollen als sogenannte Abholer für einen Hintermann, gegen den noch weiter ermittelt wird, über 200 000 Euro an sich gebracht haben, wie die Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte. Der Prozess gegen die beiden Angeklagten, zwei Türken im Alter von 23 und 26 Jahren, startet an diesem Mittwoch. Zunächst hat das Landgericht Kiel nur einen Verhandlungstag angesetzt. Im Falle einer Verurteilung sind Haftstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren möglich.

Nach Ermittlungen des Landeskriminalamtes und der Kriminalpolizei Hannover sei es gelungen, die Abholer und einen Hintermann in Deutschland zu ermitteln und zu verhaften, hieß es. Seit Jahren häufen sich im Norden Fälle von Anrufen angeblicher Polizisten. Opfer sind überwiegend alte Menschen. Die Staatsanwaltschaft erläutert die Masche: Die Täter nutzen eine Software, die beim Angerufenen im Display Rufnummern mit deutscher Vorwahl erscheinen lässt, zum Beispiel der örtlichen Polizei. Am Telefon geben sie sich als Mitarbeiter der Polizei, des Bundeskriminalamtes oder sogar als Staatsanwälte aus. Sie drohen mit einem vermeintlich bevorstehenden Raubüberfall einer Bande aus Osteuropa und bringen Angerufene so dazu, angeblichen Polizisten Geld, Schmuck und Gold zu übergeben.

Der dadurch bekannt gewordene Gesamtschaden beläuft sich seit 2016 in Schleswig-Holstein auf mindestens drei Millionen Euro. Das LKA hat im Februar eine Sonder-Ermittlungsgruppe mit dem Ziel gebildet, die Verantwortlichen in den kriminellen Strukturen zu identifizieren. Die Ermittlungen ergaben, dass die Anrufer meist aus Call Centern im Ausland agieren, oft in der Türkei. Sie arbeiten mit Abholern und Hintermännern zusammen, die in Deutschland ansässig sind.

dpa/lno

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