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Norddeutschland Jamaika will zu laute Motorräder ausbremsen
Nachrichten Norddeutschland Jamaika will zu laute Motorräder ausbremsen
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20:01 05.11.2018
Lärmende Motorräder: Verschärfen Bund und Länder die Regelungen, soll es auch häufiger Kontrollen geben. Zu laute Motorräder würden dann ebenso wie zu laute Autos aus dem Verkehr gezogen werden. Quelle: dpa
Kiel

Die Jamaikaregierung in Kiel will laute Motorräder und Autos aus dem Verkehr ziehen lassen. Sogenannte „Klappenauspuffanlagen“ sollen dazu verboten werden. Man werde sich einem Vorstoß des Saarlands auf der Umweltministerkonferenz anschließen. „Wir unterstützen das“, sagt Schleswig-Holsteins Umweltstaatssekretär Tobias Goldschmidt. Zudem soll es mehr Lärm-Kontrollen durch die Polizei geben.

Kiels Umwelt- und Verkehrsminister nehmen „Klappenauspuffanlagen“ ins Visier

Klappenauspuffanlagen werden vor allem von Motorrad- und Sportwagenhersteller eingesetzt, um den Fahrzeugen einen röhrenden Klang zu verpassen. Aber auch in einigen Mittelklassewagen verändert sich mittlerweile der Motorklang, wenn der Fahrer etwa per Tastendruck ein Sportprogramm wählt. Außerdem gibt es solche Anlagen im Zubehörhandel. Ihr Einbau ist bislang erlaubt, wenn die Fahrzeuge am Ende dennoch die weit gesteckten Lärmschutz-Grenzwerte einhalten. Für Goldschmidt allerdings steht fest: „Das ist unnötiger Lärm.“ Und der müsse nun wirklich nicht sein. Der Straßenverkehr werde ja schon bevorzugt behandelt. Autos und Motorräder dürften mehr Lärm verursachen als etwa Gewerbebetriebe. Und man könne doch nicht Kommunen mit der Aufstellung von Lärmschutzplänen belasten, während man als Gesetzgeber gegen diese offensichtlichen Lärmquellen nicht einschreite.

Umwelt-Staatssekretär Tobias Goldschmidt will „unnötigen Lärm“ vermeiden. Quelle: jeb

Bei Kiels FDP-Verkehrsminister Bernd Buchholz rennen der Umweltstaatssekretär und sein Grünen-Minister Jan Philipp Albrecht mit ihrem Vorstoß offene Türen ein. „Nichts gegen starke Sportwagen und Motorräder, aber künstlicher Lärm ist ebenso überflüssig wie unsinnig“, sagt auch Buchholz. Segnen die Umweltminister den Vorstoß ab, werden sich Buchholz und seine Verkehrsministerkollegen in Kürze mit der Umsetzung befassen. Sie sollen ein Programm ausarbeiten, wie die Einhaltung der Lärmschutzvorschriften tatsächlich überwacht werden kann, heißt es im Antrag des Saarlands.

Neben den Motorradherstellern setzen vor allem auch Sportwagenbauer häufig Auspuffanlagen ein, die die erlaubten Lärmgrenzwerte weit ausreizen. Quelle: dpa

So könnten zu laute Fahrzeuge natürlich bei den Hauptuntersuchungen aus dem Verkehr gezogen werden. Vor allem müssten aber mehr und wirksame Verkehrskontrollen her. Die sind tatsächlich aufwendig. In Hamburg etwa musste die Polizei eine eigene Kontrollgruppe gründen, gegen sogenannte „Autoposer“ vorgeht, die mit ihren oft zu lauten Fahrzeugen durch die Innenstadt kreuzen. In Schleswig-Holstein erwischte die Polizei im letzten halben Jahr landesweit immerhin 21 Auto- und Motorradfahrer, die mit zu lauten Fahrzeugen unterwegs waren.

Der Auspuff

Die Auspuffanlage eines Autos oder Motorrads hat vor allem zwei Aufgaben. Sie soll zum einen die Abgase, die bei der Verbrennung von Benzin oder Diesel im Motor entstehen, geordnet aus dem Fahrzeug leiten und die Abgase mit Hilfe von Filtern und Katalysatoren reinigen. Und sie soll zum anderen den Motorenlärm deutlich reduzieren. Das geschieht durch eine Reihe von Schalldämpfern, durch die die Abgase geleitet werden. Ohne eine Auspuffanlage wären Auto und Motorrad deutlich lauter. In Klappenauspuffanlagen, die es serienmäßig in vielen Motorrädern und Sportwagen oder auch nachträglich als Zubehör zu kaufen gibt, werden die Abgase aber ab einer bestimmten Belastung des Motors einfach durch eine Klappe an den Schalldämpfern vorbeigeleitet, um die gesetzlich zulässigen Lärmgrenzwerte maximal auszureizen. So werden die Fahrzeuge künstlich lauter, was viele Kunden angeblich wünschen würden. Schleswig-Holstein macht sich jetzt für ein generelles Verbot solcher Klappenauspuffanlagen stark.

Die Grünen-Bundestagsfraktion fordert derweil bereits, den Herstellern strengere Testverfahren aufzuerlegen. Bislang werde der Lärm meist zwischen Tempo 50 und 80 gemessen, wenn sich viele Klappen in den Klappenauspuffanlagen noch gar nicht öffneten. „Das ist wie beim Abgasskandal, da muss unbedingt nachgebessert werden“, sagt der Grünen-Fraktions-Vizechef im Bundestag, Oliver Krischer.

Der ADAC setzt auf mehr freiwillige Rücksichtnahme

Beim ADAC im Norden ist man skeptisch. Schärfere Gesetze machten nur Sinn, wenn sie kontrolliert und Verstöße auch sofort sanktioniert werden könnten, sagt Sprecher Ulf Evert. Das sei hier aber fraglich. Es sei daher besser, an die Verkehrsteilnehmer zu appellieren, im Straßenverkehr mehr Rücksicht walten zu lassen – auch in Sachen Lärm.

Wolfram Hammer

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