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Norddeutschland SPD fordert Landes-Jobs-für Spitzensportler
Nachrichten Norddeutschland SPD fordert Landes-Jobs-für Spitzensportler
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20:22 20.03.2019
Gerade auch Behindertensportler wie die Rollstuhl-Basketballer – hier die deutsche und die chinesische Mannschaft bei der WM 2018 in Hamburg – können häufig nicht allein von ihrem Sport leben. Das Land Schleswig-Holstein soll daher künftig fünf Spitzensportlern in olympischen und paralympischen Disziplinen einen Job geben, der nebenher das Training ermöglicht, fordert die Landtags-SPD. Quelle: imago/Chris Emil Janßen
Kiel

Die wenigsten Sportler können von ihrem Sport alleine leben, heißt es bei der SPD-Fraktion im Landeshaus. Fußball-Profis vielleicht. Segler, Reiter, Ruderer, Leichtathleten und viele andere aber müssten sich neben ihrem anstrengenden Training auch noch um Ausbildung und Job kümmern. Für Behindertensportler, denen oft Sponsoren fehlten, gelte das allemal. Fünf Ausbildungsplätze soll das Land daher künftig vorhalten.

Vormittags Finanzamt, nachmittags Trainingshalle

Diese Plätze sollen grundsätzlich in allen Ministerien geschaffen werden können, sagt die SPD-Landtagsabgeordnete Kathrin Wagner-Bockey. Und ebenso in den „nachgeordneten Einrichtungen und Behörden“, also beispielsweise in einem dem Finanzministerium unterstehenden Finanzamt.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Kathrin Wagner-Bockey fordert vom Land, gezielt Spitzensportler einzustellen und ihnen neben Ausbildung und Job ein umfangreiches Trainieren zu ermöglichen. Quelle: LN

Die Ausbildung könnte „dual“ ablaufen, also halb im Job, halb auf dem Trainingsplatz oder in der Halle, heißt es bei der SPD. Bei voller Bezahlung. Nach ihrer Ausbildung sollen sich die jungen Athleten dann ebenfalls zu einem Großteil ihrer Arbeitskraft auf ihre Sportkarriere konzentrieren können, um dann nach ihrem Sportkarrieren-Ende richtig und Vollzeit in die Landesverwaltung einscheren zu können.

Sportsoldaten im Kampf um Medaillen

Die berufliche Förderung von Spitzensportlern übernimmt zurzeit vor allem die Bundeswehr in ihren Sportfördergruppen. Sie wurde 1968 von der Bundesregierung ins Leben gerufen, um „die Repräsentanz Deutschlands bei internationalen Wettkämpfen zu gewährleisten, den deutschen Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern Chancengleichheit gegenüber Sportlerinnen und Sportlern anderer Staaten einzuräumen und den Anschluss an die internationale Leistungsspitze während des Wehrdienstes zu ermöglichen.“ Derzeit gibt es 15 dieser Gruppen mit insgesamt 824 Plätzen in 70 Sportarten für Zeitsoldaten. Die Sportler können später auch Berufssoldaten werden. Kosten: Rund 28 Millionen Euro pro Jahr. Bekannte Sportsoldaten sind etwa Anni Friesinger und Georg Hackl.

Solche sicheren Jobs, von denen aus die Sportkarriere betrieben werden kann, gibt es bislang nur in geringem Umfang bei der Bundeswehr und der Bundespolizei. Die Stellen dort sind für Behindertensportler wegen der erforderlichen Wehrdiensttauglichkeit aber überhaupt nicht zugänglich. Bei der Landespolizei kann die Ausbildungszeit für Spitzensportlerinnen und -sportler auf Antrag lediglich etwas gestreckt werden. Nach der Ausbildung gibt es allenfalls einige Freiräume fürs Training während der Dienstzeit oder Sonderurlaub für Wettkämpfe.

Mehr lesen: Athleten-Lob für SPD-Vorstoß zu Jobs für Spitzensportler: „Das ist ein Muss“

Spitzensportler werben für den Breitensport

Der Präsident des Landessportverbandes, Hans-Jakob Tiessen. Quelle: SGB

Würde die Landesregierung in diese gezielte Sportförderung einsteigen, würde das ganze Land etwas davon haben, sagt Kathrin Wagner-Bockey. Denn: „Spitzensportler, die die mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen, dienen für viele junge Menschen als Identifikationsfiguren.“ Sie würden quasi Werbung auch für den Breitensport machen. Und der wiederum fördere den gesellschaftlichen Zusammenhalt, Integration, Wertevermittlung – und Gesundheit. Über die eigenen Angebote hinaus solle das Land daher auch überlegen, wie private Unternehmen darin unterstützt werden könnten, Sportler unter ihren Mitarbeitern besser zu fördern.

Beim Landessportverband rennt die SPD mit ihrem Antrag offene Türen ein. „Wir begrüßen alles, was personalpolitisch dem Sport dient“, sagt dessen Präsident Hans-Jakob Tiessen. Ein solches Programm wäre eine gute Ergänzung zu Fördermöglichkeiten für Spitzensportler in den Schulen und im Studium. Es müsse mehr „duale Karrieren“ in Beruf und Sport geben. Schleswig-Holsteins CDU-Innen- und Sportminister Hans-Joachim Grote will den Vorstoß der Oppositionsfraktion auf LN-Anfrage hingegen nicht kommentieren. Er wolle erst die Beratungen dazu in der nächsten Landtagssitzung abwarten, heißt es von seinem Sprecher.

Derweil kommt von aktiven und ehemaligen Spitzensportlern aus dem Norden bereits einhellige Zustimmung zur SPD-Idee. „Das ist absolut notwendig“, sagt etwa die Schwimmerin Kirsten Bruhn.

Wolfram Hammer

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