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Norddeutschland Schockbilder auf der Packung: Bricht der Zigarettenverkauf ein?
Nachrichten Norddeutschland Schockbilder auf der Packung: Bricht der Zigarettenverkauf ein?
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11:19 12.07.2016
Ein Raucherbein in Nahaufnahme, eine teerschwarze Lunge, das Atemloch eines Kehlkopf-Amputierten: Seit dem 20. Mai sind Schockbilder auf Zigarettenschachteln und Tabakdosen Pflicht.  Quelle: dpa
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Kiel

Ein Raucherbein in Nahaufnahme, eine teerschwarze Lunge, das Atemloch eines Kehlkopf-Amputierten: Seit dem 20. Mai sind Schockbilder auf Zigarettenschachteln und Tabakdosen Pflicht. Zahlen des statistischen Bundesamtes wecken bei Gesundheitspolitikern jetzt die Hoffung, dass sie Wirkung zeigen und tatsächlich viele Raucher zum Aufhören bewegen.

Im zweiten Quartal 2016 sank demnach die Menge der in Deutschland hergestellten Zigaretten im Vergleich zum 2. Quartal 2015 um 15,4 Prozent auf 17,2 Milliarden. Der Absatz von Zigarren und Zigarillos sank um 8,3, von losem Tabak um 0,4 Prozent. Der Tabakwaren-Verkaufswert sank um 9,1 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro.

Allerdings, so schränken die Statistiker ein, hänge das auch mit einem technischen Aspekt zusammen. So hätten viele Hersteller in den ersten Monaten die Produktion hochgefahren und einen Vorrat angelegt – weil für die Schockbilder-Aufdrucke die Maschinen aufwendig umgerüstet werden mussten, heißt es offiziell aus der Branche. Weil man noch schnell möglichst viele Schachteln ohne Schockbilder in den Verkauf bringen will, sagen Tabak-Kritiker.

Ist der Rückgang der Produktion also nur ein „Umkehreffekt“? Die Tabak-Lobbyisten jedenfalls versuchen, den möglichen Effekt der Schockbilder herunterzuspielen. Die Zahl der Raucher gehe Jahr für Jahr um ein bis zwei Prozent zurück, sagt zum Beispiel Jan Mücke, Ex-FDP-Politiker und jetzt Geschäftsführer des Deutschen Zigarettenverbandes. Die Schockbilder hätten damit „nichts zu tun“. Eine Studie der Psychologin Abigail Evans von der Ohio State University in Columbus behauptet das glatte Gegenteil. Die Schockfotos hätten bei vielen Rauchern sehr schnell zu bleibenden Reaktionen geführt, und zwar klar zu negativen. Die Glaubwürdigkeit der Warnhinweise auf den Tabak-Verpackungen habe durch die fotografische Untermauerung gewonnen.

Genaueres wird man sagen können, wenn am Ende des Jahres nicht nur die Produktionszahlen, sonder auch Daten über die tatsächlich verkauften Tabakwaren vorliegen. Der Kieler SPD-Gesundheitspolitiker Peter Eichstädt will sich daher auch noch nicht auf einen Erfolg der Schockbilder festlegen, hofft aber darauf: „Wir sollten jede Maßnahme nutzen, die Menschen vom Rauchen abhalten kann.“ So müsse auch das totale Werbeverbot für Tabakwaren schnell umgesetzt werden. Seine CDU-Kollegin Katja Rathje-Hoffmann setzt darauf, dass vor allem Jugendliche davon abgehalten werden, mit dem Rauchen überhaupt anzufangen. Deshalb sei es auch richtig, dass ab 2017 Schockbilder auch für Shisha-Tabak Pflicht werden.

Dass die Wasserpfeife im Trend liegt, können sogar die Bundes-Statistiker bestätigen: Der starke Anstieg der Pfeifentabak-Verkaufs um 50,2 Prozent sei maßgeblich darauf zurückzuführen. Wolfram Hammer

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