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Norddeutschland Schon 77 neue Fälle: Windpocken im Norden auf dem Vormarsch
Nachrichten Norddeutschland Schon 77 neue Fälle: Windpocken im Norden auf dem Vormarsch
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00:57 25.02.2016

 Mitverantwortlich ist offenbar die leichte Übertragbarkeit der Viruserkrankung in Flüchtlingsunterkünften. Bereits 2015 war die Zahl der Windpockenfälle in Schleswig- Holstein um fast ein Viertel gegenüber dem Vorjahr in die Höhe geschnellt. Damit lag der Norden deutlich über dem Bundestrend, wo es eine Steigerung um 4,4 Prozent der Fälle gab. Das teilte die AOK Nordwest mit Bezug auf das Robert-Koch-Institut (RKI) mit. Insgesamt wurden in Schleswig-Holstein 567 Infektionsfälle gezählt.
Die Ausbreitung von Windpocken im vergangenen Jahr fiel regional sehr unterschiedlich aus. Besonders auffällig war der Anstieg an Infektionen in den Kreisen Herzogtum Lauenburg (60 Fälle) und Segeberg (76). In Kiel ging die Quote dagegen zurück. Die Lübecker Kinderärztin Esther M. Nitsche erklärt diesen Anstieg so: „Schleswig-Holstein hatte 2015 eine kleine Windpocken-Epidemie. Wir saßen zufällig im Nest für das Virus.“ Leider gebe es immer noch einen Teil von Jugendlichen, der nicht oder nur einmal geimpft worden sei, bedauert die Medizinerin.
Fürs aktuelle Jahr spielen bei der Übertragung der Windpocken offenbar auch Flüchtlinge eine Rolle. Nach RKI-Angaben betrifft etwa jeder siebte Fall in der Bevölkerung einen Asylsuchenden. Windpocken waren damit im Januar die häufigste Infektionskrankheit unter Flüchtlingen. Bundesweit wurden bei 428 Flüchtlingen Windpocken nachgewiesen. In der Lübecker Erstaufnahme auf dem Volksfestplatz, wo vor wenigen Wochen fünf Kinder an dem Virus erkrankt waren, sind drei neue Fälle hinzugekommen. Infiziert seien junge Erwachsene, teilte DRK-Sprecherin Beatrice Weiskircher mit. Aufgrund ihres Gesundheitssystems hätten gerade syrische Flüchtlinge eigentlich einen hohen Impfschutz, sagt sie. Durch die Bürgerkriegssituation könnte sich die Impfquote verschlechtert haben. Auch das enge Zusammenleben in Flüchtlingscamps erleichtere die Ausbreitung der Krankheit. Wegen der neuen Fälle wurde der Aufnahmestopp für Familien in der Lübecker Erstaufnahme bis Mitte März verlängert. Weitere Windpocken-Kranke in schleswig-holsteinischen Flüchtlingsunterkünften gibt es nach Auskunft des Kieler Innenministeriums derzeit nicht.
Auf eine Impfmüdigkeit in der Bevölkerung lässt sich die Ausbreitung der Windpocken laut Kieler Gesundheitsministerium nicht zurückführen. Schuleingangsuntersuchungen zeigten zuletzt einen kontinuierlichen Anstieg bei der Durchimpfungsquote von Kindern. <NO1>Die Ausbrüche der Krankheit in Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge könnten aber zu der Entwicklung beigetragen haben.<NO>„Wegen der zunehmenden Infektionsfälle raten wir dazu, insbesondere Kinder gegen Windpocken impfen zu lassen“, appelliert AOK-Vorstandschef Tom Ackermann.

Curd Tönnemann

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