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Norddeutschland Schwager erschossen: Lebenslange Haft
Nachrichten Norddeutschland Schwager erschossen: Lebenslange Haft
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21:10 22.06.2017
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Kiel

. Er saß da wie an den sechs Verhandlungstagen zuvor: in sich gekehrt, die kräftige Body-Builder-Figur nach vorn gebeugt, den Kopf gesenkt. Dann klickten erneut die Handschellen: Für drei tödliche Schüsse in den Kopf seines Schwagers muss ein 34-Jähriger lebenslang in Haft. Das Kieler Landgericht erkannte nach sechs Verhandlungstagen auf heimtückischen Mord. Eine Notwehrsituation, wie sie der Angeklagte geltend machte, wies die Kammer unter dem Vorsitzenden Richter Jörg Brommann als gelogen zurück.

Dennoch blieben in der fast zweistündigen Urteilsbegründung viele Fragen offen. So konnte das Tatmotiv nicht geklärt werden. Auch die Frage nach möglichen Mittätern sei offengeblieben. Dafür rügte der Richter scharf das Aussageverhalten von Zeugen armenischer Herkunft, die „gemauert“ hätten.

Wie Staatsanwalt und Nebenklage hielt es die achte Strafkammer nach Auswertung der Spuren und Beweise für erwiesen, dass sich der 34-Jährige im August 2016 unbemerkt an sein Opfer heranschlich und drei Mal abdrückte. Das 31 Jahre alte Opfer sei arg- und wehrlos gewesen, als zwei Kugeln den Schädel durchschlugen. Eine dritte Kugel blieb im Kopf stecken. Der Mann erstickte an seinem Blut.

Der Angeklagte wurde wenig später widerstandslos festgenommen – mit erhobenen Händen vor einer Autowerkstatt auf einem ehemaligen Schlachthofgelände in Rendsburg und mit Blutspuren an Händen und Gesicht. Sein Schwager hatte dort gerade einen Wagen gekauft und saß auf dem Fahrersitz in Jogginghose und T-Shirt, als ihn die Schüsse trafen.

Dass die drei Kugeln in der linken Kopfseite in der Nähe des Ohres eindrangen, ist für die Richter ein Hauptbeweis, dass das Opfer im Augenblick seines Todes nach vorne geblickt habe, ahnungslos, arg- und wehrlos. Die Darstellung des Angeklagten, der Schwager habe ihn vor den Schüssen mit der Tatwaffe bedroht, die er dem Mann dann habe entwinden können, glaubte das Gericht nicht. Auch seine Behauptung, er habe geschossen, weil der Schwager plötzlich eine zweite Waffe unter dem Steuer durchgeladen habe, sah es als widerlegt an. Die Kammer ist überzeugt, dass die Tat geplant war. Verteidiger Dirk Meinicke kündigte umgehend Revision an.

LN

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