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Schweres Unwetter in Hamburg - Feuerwehr muss zu 254 Einsätzen

Hamburg Schweres Unwetter in Hamburg - Feuerwehr muss zu 254 Einsätzen

Aufräumen nach dem heftigen Unwetter im Nordosten Hamburgs. Ein Tornado hatte innerhalb weniger Minuten eine Schneise der Zerstörung hinterlassen. Häuser und Autos sind beschädigt, zahlreiche Bäume umgeknickt, überall liegen Äste. Verletzte gab es keine.

Ein umgestürzter Baum liegt am 07.06.2016 in Hamburg auf einem Grundstück, das durch ein schweres Unwetter verwüstet wurde. Die Hamburger Feuerwehr hat wegen eines schweren Unwetters mit einer Windhose im Osten der Stadt den Ausnahmezustand erklärt.

Quelle: Daniel Reinhardt/dpa

Hamburg.  Bäume werden gefällt, Dächer repariert und Keller leergepumpt: Nach dem schweren Unwetter mit einer Windhose im Hamburger Nordosten sind die Aufräumarbeiten am Mittwoch fortgesetzt worden. In den Stadtteilen Farmsen und Bramfeld begutachteten die Anwohner die Schäden an ihren Häusern und in ihren Gärten, riefen Versicherungen und Fachfirmen an. An einigen Stellen waren Dachdecker und Gartenbaubetriebe bereits dabei, die am Dienstagabend entstandenen Zerstörungen zu beseitigen. Bis nach Mitternacht war die Feuerwehr zu 254 Einsätzen ausgerückt. Verletzt wurde niemand.

Aufräumen nach dem heftigen Unwetter im Nordosten Hamburgs. Ein Tornado hatte innerhalb weniger Minuten eine Schneise der Zerstörung hinterlassen. Häuser und Autos sind beschädigt, zahlreiche Bäume umgeknickt, überall liegen Äste.

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Im LN-Gebiet waren auch heftige Unwetter befürchtet worden, für Stormarn gab es sogar eine Unwetterwarnung der Stufe vier

Nach Angaben der Feuerwehr hatte ein Anrufer am Dienstagabend um 18.21 Uhr gemeldet, dass sich über der Steilshooper Straße ein Tornado bilde. Das Unwetter sei in wenigen Minuten durchgezogen, sagte Feuerwehrsprecher Jan Ole Unger. „Das hat aber eine Schneise der Verwüstung hinterlassen.“ Im Garten von Alois Klinkhamels stürzte die Hollywoodschaukel um, ein Fahnenmast krachte ins Schwimmbecken. „Ich habe jetzt einen Baum mehr im Garten“, sagte der Mann und zeigte aus seinem Dachfenster auf einen umgekippten Baum, der früher am Gehweg stand.

In Lübeck blieb es ziemlich ruhig, aber vor allem um Hamburg lösten die schweren Gewitter am Dienstag zahlreiche Einsätze von Feuerwehren aus. Diese Bilder zeigen das Unwetter aus Sicht der LN-Leser.

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Regen, Hagel, die Windhose - 1000 Einsatzkräfte waren in den Wohngebieten im Nordosten unterwegs. „Die Feuerwehr Hamburg beseitigt Gefahren, aber keine Schäden“, betonte Sprecher Unger. Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) war noch am Abend vor Ort, um sich über die Lage zu informieren und den Einsatzkräften zu danken.

Überall war zu sehen, wie stark die Naturgewalt wütete: „Alte Eichen sind wie Streichhölzer umgeknickt worden und sind auf Fahrzeuge und Häuser gekippt“, berichtete Unger. „Wir hatten auch einen Blitzeinschlag in ein Dach, das dann Feuer gefangen hat.“ Ein dicker Baum fiel im Stadtteil Farmsen auf einen Carport und zerquetschte drei Autos.

Rot-Weißes Polizeiband versperrte den Weg zu Schul-Parkplätzen, denn überall lagen noch herabgefallene Äste herum. Weil am Mittwochvormittag nicht alle Notausgänge frei waren, habe der Unterricht zum Teil in andere Räume verlegt werden müssen, berichtete der Hausmeister. „Es ist eine ganze Menge durch die Luft geflogen.“

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erklärte, Tornados wie der am Dienstagabend in Hamburg gehörten weltweit zu den folgenreichsten Wettergefahren. Immer wieder seien dabei auch Opfer zu beklagen, wie im März 2006 bei einem Tornado in Hamburg-Harburg, als zwei Kranführer auf einer Baustelle ums Leben gekommen waren.

Wetterdienst: Höchstwahrscheinlich wütete ein Tornado über Hamburg

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) geht davon aus, dass am Dienstagabend ein Tornado über dem Hamburger Osten gewütet hat. Es „spricht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit alles dafür“, sagte eine DWD-Sprecherin am späten Dienstagabend. Angesichts der Bilder und Berichte über entwurzelte Bäume, Hagel mit mehr als drei Zentimetern Größe und Starkregen, könne dies angenommen werden, sagte sie. Eine endgültige Bestätigung dafür werde es - wenn überhaupt - jedoch wohl erst später geben können. Damit von einem Tornado gesprochen werden kann, muss die Trichterwolke auch den Boden erreichen. Die Hamburger Feuerwehr rückte wegen dem Unwetter zu Hunderten Einsätzen aus und erklärte den Ausnahmezustand.

Tornado über Hamburg. Foto: Monika Zucker/dpa

Tornado über Hamburg. Foto: Monika Zucker/dpa

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Die Lage im Rest Deutschlands

Auch nahezu der gesamte Westen Deutschlands bekam die heftigen Unwetter zu Spüren: Vielerorts herrschte Land unter. Über eventuelle Verletzte lagen zunächst keine Berichte vor.

In Baden-Württemberg fielen nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Dienstag örtlich innerhalb einer Stunde mehr als 30 Liter Regen pro Quadratmeter. Sehr kleinräumig seien es sogar 40 Liter gewesen. Besonders betroffen war demnach die Region um den Schwarzwald, vor allem der Ortenaukreis und der Kreis Calw.

In Unterharmersbach schlug ein Blitz in ein Wohnhaus ein und verursachte mehrere tausend Euro Schaden. In Heidelberg wurde bei Unwettern außerdem ein Baum entwurzelt, mehrere Straßen waren überflutet. Auch im Rest des Landes drohten der Prognose zufolge bis in die Nacht immer wieder Gewitter. „Es ist einfach sehr viel Wasser, was da runterkommt“, sagte der DWD-Experte. Auch Hagel sei möglich.

In Nordrhein-Westfalen waren vor allem das Ruhrgebiet und das Münsterland betroffen. In einigen Städten fielen nach DWD-Angaben binnen einer Stunde 100 Liter Regen pro Quadratmeter. In Wuppertal schossen Fontänen aus den Kanälen, zahlreiche Autos standen im kniehohen Wasser. Blitze trafen einen Baum auf einem Kindergartenspielplatz und ein Haus. Über Verletzte wurde zunächst nichts bekannt. Nahe Essen und Recklinghausen liefen Keller und Unterführungen voll. Bis in die Nacht zum Mittwoch sei im Westen noch mit Gewittern zu rechnen, sagte eine DWD-Sprecherin.

„Die Warnlage war diesmal sogar deutlich extremer als vor dem Jahrhunderthochwasser“, sagte Brandschutz-Dezernent Wolfgang Heuer in Münster in einer Mitteilung. Stellenweise seien in Münster 70 Millimeter Regen niedergegangen. Besonders betroffen gewesen sei der Bereich Loddenheide: Straßen und eine Bahnunterführung wurden überflutet, Keller liefen voll. Das Fazit der Stadt war dennoch: „Münster ist glimpflich davongekommen.“

Auch in Niedersachsen stand eine Kleinstadt fast vollständig unter Wasser. In Damme seien innerhalb von 20 Minuten 70 Liter pro Quadratmeter gefallen. Ein Polizeisprecher in Damme sagte am Abend, der Regen habe inzwischen aufgehört. „Wir hatten hier schon mal Wasser auf den Straßen stehen, aber so etwas wie heute hatten wir noch nicht.“

Und auch im Saarland, Hunsrück und der Eifel richteten Unwetter mit Starkregen erhebliche Schäden an. In einem Ortsteil des saarländischen Eppelborn wurden am Dienstag mehrere Menschen aus Fahrzeugen gerettet, wie ein Sprecher des Lagezentrums in Saarbrücken sagte. Sie seien in Dirmingen von Wasser eingeschlossen worden. Ebenfalls in Dirmingen wurde ein Hang weggespült, fünf Häuser waren einsturzgefährdet.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet, dass die Gewitterserie mit Unwettern und Hagel in den kommenden Tagen zu Ende geht. Noch bis Donnerstag müsse aber mit heftigen Unwettern gerechnet werden. Beispielsweise in Nordrhein-Westfalen rechneten die Experten aber schon eher damit, dass sich das Wetter beruhige. Mittwoch und Donnerstag bleibe es dort voraussichtlich trocken.

Das Wochenende werde dann deutschlandweit deutlich kühler mit Regen, sagte Meteorologe Sebastian Schappert. „Nach den Modellrechnungen steht uns am Freitag endlich mal wieder ein weitgehend gewitterfreier Tag ins Haus.“ Seit dem 27. Mai habe der DWD täglich Unwetterwarnungen herausgegeben.

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