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Norddeutschland Schwerin: Die erste Frau an der Spitze
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20:13 04.07.2017
Manuela Schwesig (SPD) kommt mit ihrem Mann Stefan (r.) und den Kindern Julian (l.) und Julia zur Landtagssitzung, wo die 43-Jährige zur neuen Ministerpräsidentin in Schwerin gewählt wird. Quelle: Fotos: Büttner, Rehder/dpa
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Schwerin

. Als Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern und Bundesfamilienministerin hatte Manuela Schwesig (SPD) fast zehn Jahre lang für mehr Angebote in der Kinderbetreuung, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und bessere Karrierechancen für Frauen gekämpft. Als Regierungschefin in Schwerin ist sie nun als Generalistin gefragt. „Ich werde mich inhaltlich viel breiter aufstellen müssen“, sagt Schwesig, die gestern im Schweriner Landtag mit den Stimmen der SPD/CDU-Koalition zur neuen Ministerpräsidentin gewählt wurde.

Geplant war der Wechsel, er kam aber früher als vorgesehen. Manuela Schwesig folgt dem kranken Erwin Sellering.

Nach vier Männern ist sie die erste Frau, die das strukturschwache Land an der Küste führt, das vor allem als beliebtes Reiseziel bekannt ist. „Ich will, dass Mecklenburg- Vorpommern nicht nur als schönes Urlaubsland wahrgenommen wird, sondern auch als Land, in dem sich gut leben und arbeiten lässt“, betont die 43-Jährige. Deshalb bleibe auch die Förderung der Wirtschaft zur Schaffung gut bezahlter Jobs ein Schwerpunkt.

Weil der Durchschnittsverdienst im Land noch immer um ein Fünftel niedriger liegt als im Bundesschnitt, suchen viele, vor allem junge Fachleute besser bezahlte Jobs in anderen Bundesländern.

Schwesig hofft, dass ihre Rückkehr auch als Signal verstanden wird, dass die jüngere Generation im Land gefragt ist und Verantwortung übernehmen muss. „Ich werde mit aller Erfahrung, Kraft und Leidenschaft das neue Amt zum Wohle unseres schönen Landes ausüben“, versichert Schwesig nach Ablegen des Amtseides.

Schon zuvor hatte sie bekannt, dass mit der Wahl zur Ministerpräsidentin für sie ein Traum in Erfüllung gehe. Allerdings deutlich früher als gedacht. Ihr Amtsvorgänger Erwin Sellering (SPD) war nach dem Sieg bei der Landtagswahl erst im November 2016 für eine dritte Amtszeit gewählt worden. Wegen einer schweren Krebserkrankung, die im Mai diagnostiziert wurde und eine sofortige Behandlung erforderte, schied der 67-Jährige aber vorzeitig aus dem Amt und gab auch den SPD-Landesvorsitz an Schwesig ab. Von Sellering übernimmt sie auch die Ministerriege, ein eingespieltes Team aus fünf SPD- und drei CDU-Ressortchefs, aus dem selten Unstimmigkeiten nach außen drangen.

Das Land machte unter Sellering zwar keine neue Schulden und konnte dank guter Konjunktur und sprudelnder Steuern sogar Kredite tilgen. Doch ist Mecklenburg-Vorpommern wegen seiner Strukturschwäche auf Zuschüsse von Bund und Ländern angewiesen, um seine Ausgaben decken zu können. Sparen ist somit Daueraufgabe – auch gegen Sonderwünsche einzelner Ministerien.

Eingepreist ist bereits ein Millionenprogramm zur weiteren Entlastung der Eltern von Kita-Gebühren. Ein Thema, mit dem Schwesigs SPD auch im Bundestagswahlkampf punkten will.

Doch auch Probleme erbt Schwesig. Schulbildung, Nahverkehr und medizinische Versorgung im dünn besiedelten ländlichen Raum sicherzustellen wird immer schwieriger. Vor allem Einwohner in Vorpommern fühlen sich abgehängt und machten dies mit einer hohen Zustimmung für die AfD bei der Wahl deutlich. „Das Vertrauen dieser Wähler wollen und müssen wir zurückgewinnen“, sagt Schwesig. Die erste Reise führt sie deshalb heute nach Vorpommern.

Karriere im Eiltempo

Manuela Schwesig wurde 1974 in Frankfurt (Oder) geboren und wuchs in Seelow (Brandenburg) auf. Zielsicher durchschritt sie im Eiltempo alle Ebenen der Politik. 2008 holte Erwin Sellering die damals 34-jährige Diplom-Finanzwirtin in sein Kabinett. Als Landesministerin sorgte sie dafür, dass mehr Geld in Kitas fließt. 2013 wechselte sie als Bundesministerin nach Berlin. 2003 trat sie in die SPD ein. Seit 2009 ist sie auch stellvertretende Bundesvorsitzende.

Frank Pfaff

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