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Norddeutschland Schwund bei den Denkmälern
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11:17 16.10.2017
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Lübeck

„Wir haben diese einfachen Denkmale in den letzten drei Jahren überprüft“, sagt Bastian Müller vom Referat Inventarisierung beim Landesamt für Denkmalpflege in Kiel. „Die Kategorie einfaches Kulturdenkmal ist nach dem neuen Gesetz weggefallen.“ Von ehemals mehr als 16000 einfachen Kulturdenkmälern seien nur knapp 8000 in die neue Liste übernommen worden. Dort stehen sie nun gemeinsam mit bedeutenden Bauten wie dem Ratzeburger Dom oder dem Gut Basthorst. Die übrigen 8000 schafften es nicht.

Das Land hat seine Denkmalliste überarbeitet: Viele zuvor als „einfache Kulturdenkmäler“ geschützte Bauten, oft Bauernhäuser oder alte Landhotels, wurden nicht neu aufgenommen. Gelistet würden künftig nur noch Denkmäler „von besonderem Wert“, so das Landesdenkmalamt.

Darunter sind laut Müller zahlreiche namenlose Bauten, vor allem im ländlichen Bereich. „Oft wussten die Besitzer gar nichts von der Einstufung.“ Es sei dem Eigentümer überlassen gewesen, „eine Denkmalförderung in Anspruch zu nehmen oder eben nicht“. In vielen Fällen habe sich daher auch niemand um die Erhaltung der kulturhistorisch wertvollen Substanz gekümmert, was rechtlich nicht zu beanstanden sei. Neue Fenster, eine Fassadendämmung oder andere Neuerungen genügten oft schon zum Verlust des Denkmalstatus. Müller: „Die Gebäude erfuhren bauliche Veränderungen und sind dementsprechend nicht mehr als Denkmäler schützenswert.“

Nicht wenige Bauernhäuser oder historisch wertvolle Nebengebäude wurden zudem einfach abgerissen. So der ehemals als einfaches Baudenkmal bekannte Bahnhofs-Güterschuppen in Reinfeld (Kreis Stormarn), wie Jens Weich von der zuständigen Unteren Denkmalschutzbehörde mitteilt.

Nicht in die Denkmalliste aufgenommen worden sei in Stormarn etwa das Gasthaus „Fasanenhof“ in Jersbek. „Auch zahlreiche Krieger- und Ehrenmale mit einfachem Schutzstatus finden sich nicht mehr in der Liste.“ Der bis dahin als einfaches Gartendenkmal geschützte Park des abgebrannten Hotels Manhagen in Großhansdorf sei ebenfalls nicht mehr geschützt, so Weich.

Im Kreis Herzogtum Lauenburg nennt Sprecher Karsten Steffen als Beispiel Produktionshallen aus den Dreißigerjahren, die zuletzt von der alten Teppichfabrik in Geesthacht genutzt wurden. Diese stünden leer, die Erhaltung sei ungewiss. Steffen: „Das Problem ist, einen Nachfolger zu finden.“

Andererseits sind auch Gebäude neu als Denkmäler aufgenommen worden, die zuvor keinerlei Beachtung fanden. So das um 1980 erbaute Kreishaus in Ratzeburg. „Wir waren alle sehr überrascht“, kommentiert Steffen. Eine geplante Renovierung müsse nun entsprechend den Denkmalvorschriften überarbeitet werden. „Viele Leute hier schütteln den Kopf.“

All dies ist Ergebnis einer aufwendigen Begutachtung. Schon seit 2015 arbeitete das Landesdenkmalamt an den Neubewertungen. Für die Bewältigung der Aufgabe stellte es zusätzliche Mitarbeiter ein, die sich vor Ort umsahen. Sie sollten untersuchen, ob die Denkmäler überhaupt noch stehen, in welchem Zustand sie sind und ob sie einen „besonderen Wert“ haben und deshalb auch künftig gesetzlich geschützt sein sollen. Nicht neu bewertet wurde dabei von der Landesdenkmalbehörde aus Zuständigkeitsgründen die Stadt Lübeck. Deren Denkmalbehörde verfügt nach eigener Auskunft als Weltkulturerbe ohnehin über eine besonders detaillierte Aufstellung.

Inzwischen seien 90 Prozent der landesweiten Bewertungen abgeschlossen, stellt Denkmalpfleger Müller fest. „Einige Eigentümer sind noch nicht benachrichtigt.“

Im Ergebnis sei mit rund 50 Prozent Verlust zu rechnen gewesen, resümiert der Leiter des Landesamtes, Landeskonservator Michael Paarmann. Schmerzlich sei dies schon, zumal „gerade die weniger spektakulären, aber besonders landschafts- und ortstypischen Gebäude und Ensembles von diesem Verlust stark betroffen sind“.

 Von Marcus Stöcklin

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