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Norddeutschland Sechs Monate vor der Wahl: CDU wechselt Spitzenkandidaten
Nachrichten Norddeutschland Sechs Monate vor der Wahl: CDU wechselt Spitzenkandidaten
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22:14 28.10.2016

„Ich höre auf“ – keine Viertelstunde hatte die CDU-Landesvorstandssitzung gestern gedauert, als Ingbert Liebing seine Spitzenkandidatur zur Landtagswahl an den Nagel hängte. Wochenlang hatte sich der 53-Jährige Bundestagsabgeordnete und Landeschef stoisch gegen die wachsende Kritik vieler CDUler an seinem als zu blass empfundenen Auftreten zur Wehr gesetzt.

Gestern Mittag war der Kampf zu Ende. Auch den Parteivorsitz gibt er auf.

Die CDU-Zentrale in der Mitte von Kiel, im fünften Stock eines trostlosen 60er-Jahre-Hochhauses: Um 14 Uhr sollte die Vorstandssitzung dort beginnen. Doch Liebing ließ seine Parteifreunde warten.

Eine Viertelstunde lang. Ob die CDU den richtigen Spitzenkandidaten habe, wurde der Landtagsabgeordnete Hans-Jörn Arp derweil auf dem Flur von Journalisten gefragt. „Wir haben einen Spitzenkandidaten“, antwortete Arp nur.

Keine Rückendeckung mehr für Liebing, von niemandem aus der Führungsriege: Das war in den letzten Tagen symptomatisch für die Nord-CDU. Weil die Partei in den Umfragen auf 26 Prozent abrutschte, dachten immer mehr Funktionäre laut über einen Austausch des Spitzenkandidaten nach. Dabei hatte die Union Liebing noch im Juni mit 92 Prozent in dieses Amt gewählt. Und das, obwohl es seit langem Zweifel an seinen Führungsqualitäten gab. Auf dieses Votum hatte sich Liebing immer wieder berufen. Man habe auch gestern wieder damit gerechnet, wollte Liebing wenigstens mahnen, endlich öffentlich Kante zu zeigen, hieß es später von Teilnehmern. Doch dazu kam es nicht mehr. Er schlage Daniel Günther als Nachfolger als Spitzenkandidat und Landeschef vor und gehe davon aus, dass der annehme, sagte Liebing noch. Dann herrschte erst einmal betretenes Schweigen im Sitzungssaal.

Tatsächlich war Günther, der 43-jährige Landtags-Fraktionschef, bei vielen aus der Führungsriege schon lange als der bessere Kandidat gehandelt worden. Kämpferischer sei er und stehe auch inhaltlich für einen moderneren Kurs, kämpfe zum Beispiel für die Homo-Ehe, während sich Liebing mit Forderungen nach einem Abschiebe-TV als konservativer Hardliner geriere. Günther im Juni auch wirklich vorzuschlagen, hatte sich dann aber keiner seiner Fürsprecher getraut – möglicherweise, weil ihm vor allem im Kreisverband Pinneberg immer noch viele ankreiden, 2011 als Landesgeschäftsführer am Sturz von Ex-Landeschef und Spitzenkandidat Christian von Boetticher wegen dessen Beziehung zu einer 16-Jährigen beteiligt gewesen zu sein. Gestern aber führte dann kein Weg mehr an Günther vorbei.

Ja, er würde sich beiden Aufgabe stellen, sagte Günther. Der Landesvorstand stimmte dem zu. Einstimmig.

Heute sollen bei einem Treffen in Neumünster noch die Kreischefs und die Landtags-Kandidaten ihr Okay geben. Gewählt wird auf einem Parteitag am 19. November. Günther gab sich gestern durchaus selbstkritisch. Die schlechten Umfragewerte hätte nicht allein Liebing zu verantworten, sie seien Ergebnis des gesamten CDU-Auftritts. Bis zur Wahl am 7. Mai bleibe daher viel zu tun. Er sei aber überzeugt, dass die Union es hinbekomme, Regierungsverantwortung zu übernehmen. Da wäre dann auch Liebing irgendwo wieder mit dabei. Auf eine erneute Bundestagskandidatur hatte der 53-Jährige verzichtet. Für den Landtag aber will er weiter antreten – mit ganz ordentlichen Wahlchancen als Direktkandidat in Nordfriesland.

Wolfram Hammer

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