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Norddeutschland Seeadler haben Nachwuchssorgen
Nachrichten Norddeutschland Seeadler haben Nachwuchssorgen
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20:42 01.08.2017
Geschickter Jäger: Ein Seeadler zieht im Flug einen Fisch aus dem Wasser. Quelle: Fotos: Lohmann/blickwinkel, Pfeiffer/dpa, Roessler/dpa
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Mölln/Bleckede

Um den Seeadler-Nachwuchs in Schleswig-Holstein ist es in diesem Jahr nicht besonders gut bestellt. „Bei den Jungvögeln hatten wir ein Drittel Verlust“, stellt der Möllner Naturschützer Thomas Neumann fest. Er ist Mitglied im Naturschutzverband WWF und Vorstand der Projektgruppe Seeadlerschutz Schleswig- Holstein. Derzeit gebe es im Land 106

Im Norden gibt es weniger Jungvögel als im Vorjahr – Bundesweit sind Schutzprojekte ein Erfolg.

Brutpaare und etwas mehr als 100 Junge. „Voriges Jahr hatten wir 120.“ Im Kreis Herzogtum Lauenburg seien von elf Paaren nur drei erfolgreich gewesen.

Ein Grund für die hohen Verluste könne ein unzureichendes Beuteangebot sein, vermutet Neumann. Ungeachtet des weniger guten Ergebnisses seien die Schutzprojekte für die Seeadler bundesweit eine Erfolgsgeschichte, bestätigt Neumann. Hunderte Paare des fast ausgerotteten Greifvogels brüten wieder in Deutschland.

So auch an der Elbe bei Bleckede in Niedersachsen. „Die Elbe ist in den vergangenen Jahren wieder zu einem fischreichen Fluss mit einem großen Spektrum an Fischarten geworden“, sagt Franz Höchtl, stellvertretender Leiter des Biosphärenreservats Niedersächsische Elbtalaue. „Da sich die Seeadler zu einem großen Teil von Fischen ernähren – daneben von Wasservögeln und im Winter auch Aas – ist ihr Tisch entsprechend reich gedeckt“, erläutert der Agrarbiologe.

„Wir gehen von bundesweit über 700 Brutpaaren aus“, sagt Lars Lachmann, Vogelexperte beim Naturschutzbund (Nabu) in Berlin. Hinzu komme wahrscheinlich noch eine vierstellige Zahl nicht brütender Vögel der größten einheimischen Greifvogelart. „Seit den 60er Jahren hat sich der Bestand mehr als verzehnfacht.“ Damals habe es in der Bundesrepublik nur noch vier Paare gegeben, in der DDR etwa 60.

„Zur Erholung haben das Verbot des Insektizids DDT und die Unterschutzstellung der Greifvögel entscheidend beigetragen.“

Gut 80 Prozent des deutschen Bestandes leben im Nordosten, mehr als 360 Brutrevierpaare waren es 2015 allein in Mecklenburg- Vorpommern. Die Bestandstendenz sei weiter leicht steigend, heißt es im Schweriner Umweltministerium. „Bei uns sind die Seeadler hauptsächlich in den Großseenlandschaften mit ausgedehnten Waldstrichen und hohem Gewässeranteil zu Hause“, sagt Minister Till Backhaus (SPD). „Zunehmend werden aber auch die großen Flusstäler von Peene, Trebel und Recknitz sowie das Hinterland der Küste, wie beispielsweise auf der Insel Usedom, besiedelt.“

In Schleswig-Holstein sind Seeadler etwa an der lauenburgischen Seenplatte, am Plöner See, dem Schaalsee und an der Westküste bis zur dänischen Grenze zu Hause. Außerdem gibt es sie auch in Hamburg.

Naturschützer Neumann ist besonders stolz auf das einzige Brutpaar des äußerst seltenen Fischadlers im Land. 2014 siedelte es sich im Lauenburgischen an. „Dieses Jahr hatten die Fischadler drei Junge.“ Der Fischadler ist etwas kleiner als der Seeadler und bringt es auf eine Flügelspannweite von etwa 1,70 Metern.

Der größte Feind des Adlers indes ist immer noch der Mensch. 2015 seien in Dithmarschen alle vier Seeadlerpaare vergiftet worden, sagt Neumann. Adler seien auch schon aus dem Horst geschossen oder Horste zerstört worden. Vielen passe die Wiederansiedlung nicht. So dürfe im Umkreis eines Nestes keine Windkraftanlage gebaut werden.

„Die Gefährdung besteht weiter in illegaler Verfolgung“, sagt auch Lachmann vom Nabu. Jedes Jahr würden bundesweit im Mittel acht getötete Seeadler gefunden. Häufig sei eine Bleivergiftung die Todesursache. Neumann: „Weil die Adler auch angeschossene Tiere erbeuten oder Aas zu sich nehmen, verschlucken sie auch Schrotkugeln.“ In Schleswig-Holstein sei die Verwendung bleihaltiger Munition für die Jagd schon untersagt, lobt der Naturschützer. Anderswo sei dies leider nicht immer der Fall.

Mauersegler sagen Tschüs

Erste Zugvögel fliegen schon wieder zurück in den Süden. Nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung starten die Mauersegler in dieser Woche Richtung Südafrika. Mauersegler zählen zu den Frühfliegern, obwohl sie erst im Mai nach Deutschland kommen. Auch Feldlerchen gehören zu den frühen Süd-Heimkehrern. Trauerseeschwalbe, Kiebitz, Wespenbussard, Nachtigall und Kuckuck bereiten sich dagegen erst in ein paar Wochen auf ihre Reise vor. Zahlreiche junge Mehl- und Rauchschwalben wurden von der Wildtier Stiftung vor ihrem Abflug bereits beringt.

Marcus Stöcklin

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