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Norddeutschland Seibert: Merkels Mann für die Modalitäten
Nachrichten Norddeutschland Seibert: Merkels Mann für die Modalitäten
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20:39 21.08.2017
Regierungssprecher Steffen Seibert.

Manche vermuten, es gehe mit Steffen Seibert als Regierungssprecher bald zu Ende. Fragen rücken näher, ob auch der beamtete Staatssekretär Teil eines, wie die SPD behauptet, „handfesten politischen Skandals“ sein könnte. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil vermutet schon, die CDU mache sich den Staats- und Regierungsapparat „zur Beute“.

Drei hochrangige Kanzleramtsangestellte sind mit drei Minijobs zeitweilig in der CDU-Wahlkampfbrigade gelandet. Flugrechnungen für den regierungsamtlichen Transport der Wahlkämpferin Angela Merkel werden gerade geprüft. Der Bundesrechnungshof ist eingeschaltet. Seibert ist offiziell kein Untersuchungsgegenstand. Die SPD will „die Sache nicht weiter aufputschen“, weil es doch gerade so schön laufe.

„Ich bin überhaupt nicht Berater“, wehrt Seibert ab. Ihm gehe es um „die Klärung der Modalitäten“, damit Merkel auf fast jeder Bühne, vor jeder Kamera, an vielen Plätzen auf die richtigen Leute trifft und im richtigen Licht erscheint. Theoretisch, Seibert ist GroKo-Regierungs- und nicht nur Kanzlerinnensprecher, könnte sich wohl auch Martin Schulz als Chef des Regierungspartners SPD von ihm Tipps und Tricks für die „Modalitäten“ holen, um beim vielleicht alles entscheidenden TV-Duell der beiden Spitzenkandidaten ganz vorn zu liegen. Die Schulz-SPD verzichtet auf Seiberts Hilfe, so dass der sich ganz seiner Hauptaufgabe widmen kann. Es liefen heimlich Schulungen, auch mit dem Privatmann Seibert, heißt es.

Der Wahlkampf 2017, der zweite, den Seibert seit Arbeitsbeginn als Chef des Bundespresseamtes am 11. August 2010 begleitet, könnte eine Art Meisterstück für ihn werden. Digitaler, moderner, multimedialer und glatter wurde noch nie präsentiert, was die Kanzlerin ist und nach der Wahl auch noch mal werden will. Noch nie hat sich ein Regierungssprecher bei der Inszenierung diverser Events so engagiert. Vielleicht wäre es im Erfolgsfall die beste Zeit zu gehen. Dann geriete der Erfolgsmensch nicht irgendwann in die Räumungsmasse.

Seibers Frau, eine Malerin, hat ihm das richtige Sehen beigebracht. Und Angela Merkel das Reden übers Regieren. Heute wird er nicht mehr rot im Gesicht, wenn jemand die Chefin lobt. Er wagt gelegentlich ein keckes Wort im Hintergrund, vorausgesetzt, es geht nicht gegen die Kanzlerin. Gestern hat er sein „tiefes Bedauern“ ausgedrückt, dass kürzlich beim G-20-Gipfel einige Journalisten wegen falscher Verdächte beim BKA nicht ihrer Arbeit nachgehen konnten. Seiberts Amt ließ 32 Akkreditierungen blitzschnell entziehen, ohne sich pflichtbewusst rückzuversichern. Man will sich bessern und besser nachfragen. Eine echte journalistische Herausforderung.

DW

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