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Norddeutschland Seit 25 Jahren Choräle im Turm
Nachrichten Norddeutschland Seit 25 Jahren Choräle im Turm
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10:33 31.07.2017
Die Michel-Türmer Josef Thöne (l.) und Horst Huhn stehen mit ihren Trompeten auf der Hauptkirche Sankt Michaelis. Quelle: Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
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Hamburg

Die Tradition des Türmers pflegt die Hauptkirche St. Michaelis seit mehr als 300 Jahren. Dass sich zwei Musiker diese Aufgabe teilen, gibt es erst seit dem 1. August 1992.

Täglich um 10 und um 21 Uhr (am Sonntag und an kirchlichen Feiertagen um 12 Uhr) bläst entweder Thöne oder Huhn einen Choral auf der Trompete.

„In Deutschland sind wir die Einzigen, bei denen wirklich täglich der Turmbläser seinen Choral spielt“, berichtete Michael Kutz, Geschäftsführer der Stiftung St. Michaelis. Nicht nur auf die ungebrochene Tradition ist er stolz. „Wenn man erlebt, wie die Menschen unten reagieren und lauschen, wenn die Musik von oben erklingt, ist das schon ein besonderer Moment“, erzählte er. „Eine kleine Unterbrechung im Alltag, ein kurzes Innehalten“, so beschreibt er diesen Augenblick. Oder auch so: „Für manche Kinder, die rund um den Michel in der Neustadt wohnen, ist der Choral am Abend das Zeichen, dass wirklich Schlafenszeit ist.“

 Der Brauch des Turm-Blasens wurde während der Reformation in Hamburg eingeführt. Schon die erste Große Michaeliskirche, die 1661 eingeweiht und 1750 durch einen Brand zerstört wurde, hatte einen Türmer. Bis zur Aufhebung der Torsperre 1861 war der Trompeten- Choral auch das Zeichen für die Öffnung und Schließung der damaligen Stadttore. Der Türmer übernahm eine Wächterfunktion und warnte vor Feuer oder Feinden. Als der Turm 1906 abbrannte, baute die Gemeinde ein Gerüst auf, damit der Turmbläser weiterspielen konnte. Und auch im Zweiten Weltkrieg, als die Bomben fielen, harrte er aus.

Bis Thöne und Huhn 1992 ihren Dienst gemeinsam antraten, gab es immer nur einen Türmer. 279 Stufen nach oben müssen sich die Musiker begeben, um auf den siebten Boden des Kirchturms zu gelangen – oder sie nehmen den Fahrstuhl. „Wenn Touristen Schlange stehen, möchte ich mich nicht vordrängeln, sondern steige lieber die Stufen hoch“, sagt Thöne .

LN

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