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Norddeutschland Selbst die Bundespolitik ist alarmiert
Nachrichten Norddeutschland Selbst die Bundespolitik ist alarmiert
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21:12 06.07.2016

Der brutale Überfall auf eine 35-jährige Muslima hat weit über Kiel hinaus Empörung ausgelöst. „Gewalt gegen Frauen ist in keiner Weise tolerabel. Da sind ein Kopftuch oder die Herkunft völlig unerheblich“, sagte Familienministerin Kristin Alheit (SPD). Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) stellte klar: „Solches Verhalten kann man noch nicht einmal im Ansatz dulden.“ Die Stadt wolle weiterhin für Toleranz werben. „Dass es solche vergifteten Gedanken in den Köpfen gibt, ist leider kein Einzelfall.“

Serpil Midyatli.

Auch Bundespolitiker wurden von den Ereignissen im Kieler Stadtteil Dietrichsdorf alarmiert. Der religionspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktio, Volker Beck, sieht „eine neue Qualität der Hasskriminalität in Deutschland“. Alle müssten sich gemeinsam dafür einsetzen, „dass Menschen, die in Deutschland ein Kopftuch, eine Kippa oder einen Schleier tragen, nicht angegriffen werden“. Der Vorfall sorgt zugleich in türkischen Medien für Aufsehen. Dort wird die Attacke auf Gamze K. als „rassistischer Angriff“ gewertet. Gleichzeitig loben türkische Journalisten die Unterstützung, die der Frau „aus allen Teilen der Gesellschaft“ zuteil wird.

Die Polizei ermittelt unterdessen „in alle Richtungen“, wie Sprecher Oliver Pohl mitteilte. Ob es sich, wie vielfach vermutet, tatsächlich um eine Tat mit ausländerfeindlichem Hintergrund handelt, wollte die Kieler Polizei noch nicht bestätigen. Neben mehreren Zeugen befragten die Beamten gestern auch das Opfer Gamze K.. Verantwortlich für die Ermittlungen ist der Staatsschutz (Kommissariat 5). „Wir wollen gründlich arbeiten und nicht schnell“, erklärte Pohl die Zurückhaltung der Polizei. Als wichtige Zeugin gilt die Frau, die sich am Tatort um das blutende Opfer gekümmert hat.

„Dieser Angriff macht mich fassungslos“, sagt die sozialpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Katja Rathje-Hoffmann. „Rohe Gewalt gegen Andersdenkende darf nicht wieder unter dem Vorwand angeblicher politischer Motive auf unsere Straßen zurückkehren.“ Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Eka von Kalben, zeigte sich ebenfalls entsetzt: „Es reihen sich so viele Einzelfälle aneinander, dass man von einem strukturellen Problem sprechen muss.“ Wie Eka von Kalben sieht auch die SPD-Landtagsabgeordnete Serpil Midyatli die AfD in der Mitverantwortung, „die ja mit den Worten ,Man wird das doch mal sagen dürfen‘ Anfeindungen gegen Andersgläubige rechtfertigt“.

kbl/zel

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