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20:10 10.11.2017
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Neumünster

Mehr als 11 000 Proben sind im vergangenen Jahr im Landeslabor in Neumünster unter die Lupe genommen worden. „Sie werden in ganz Schleswig-Holstein nach einem risikoorientierten Plan gezogen, zudem gehen die Lebensmittelkontrolleure der Kreise auch Beschwerden und Verdachtsfällen nach“, erklärt Katrin Lütjen, Leiterin des Landeslabors. Die Proben landen dann beispielsweise bei Mitarbeiterin Iris Deutschmann auf dem Tisch.

Wie viel des möglicherweise krebserregenden Acrylamids steckt in Kaffee, Keksen, Cornflakes und Kartoffelchips? Im Landeslabor werden Lebensmittelproben genau untersucht – auf ihre Zusammensetzung, ihre hygienische Beschaffenheit sowie auf Rückstände und Verunreinigungen.

Für die gelernte Chemielaborantin geht es zunächst darum, die Proben zu pulverisieren. „Je feiner das Material, desto besser das Ergebnis“, erklärt sie. Um Flakes, Butterkekse und Kaffee zu zerkleinern, kommt eine Moulinette zum Einsatz, ein Häcksler, wie ihn viele auch in ihrer Küche benutzen. Es gibt dafür aber auch spezielle Labormühlen. Anschließend werden die pulverisierten Proben für die Acrylamidanalytik in destilliertem Wasser gelöst, in kleine Glasröhrchen gefüllt und im Labor weiter aufgearbeitet.

Schließlich übernimmt ein modernes Gerät die Messung. Es trennt die Moleküle in einem Gemisch und identifiziert quasi über Nacht die unterschiedlichen Substanzen. „Damit kann das Acrylamid nachgewiesen werden“, erklärt Deutschmann. 400 Probengläschen können in einem Arbeitsgang analysiert werden. Die Analyseverfahren unterscheiden sich allerdings – je nach Lebensmittel. Entscheidend sei auch, was untersucht werden solle, sagt Markus Weidner, zuständig für den Geschäftsbereich Lebensmittel und Bedarfsgegenstände. Das Landeslabor ist für mehr als 800 verschiedene Methoden zugelassen.

So werden etwa Salate, Fleisch, Fisch und Milchprodukte auch auf Keime untersucht; Roggenkörner, Obst und Gemüse auf Pflanzenschutzmittelrückstände hin geprüft. Dabei gehe es vor allem um den Schutz der Gesundheit, so Weidner. Jedoch spielten auch Täuschung und Irreführung der Verbraucher eine große Rolle. Sind die Qualitätsanforderungen erfüllt? Sind die Inhaltsstoffe korrekt angegeben? Enthält das Vanilleeis tatsächlich Vanille? Ist der deutsche Spargel wirklich aus Deutschland? Denn auch das können die Lebensmittelchemiker überprüfen.

Grundlage für ihre Arbeit ist das Lebensmittelrecht mit all seinen Produkt-Verordnungen und Bestimmungen. „Das ist ein sehr umfangreiches Rechtsgebiet“, betont Leiterin Lütjen. Außerdem müsse man immer auf dem neuesten Stand der Technik und Wissenschaft sein.

Verbraucherschutz-Ministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) sieht die analytische Überprüfung der Echtheit wie auch den Herkunftsnachweis von Lebensmitteln als neue Herausforderung. Durch Verwendung unerlaubter Zusätze oder durch bewusste Falschdeklaration solle der Verbraucher getäuscht werden. Neben Falschdeklarationen habe auch die Streckung durch Zusätze mit lebensmittelfremden Stoffen vermehrt an Bedeutung gewonnen.

Im vergangenen Jahr waren insgesamt 37 Proben durch gesundheitsschädliche Merkmale aufgefallen. Insgesamt aber lasse sich sagen, dass es in Schleswig-Holstein keinen Skandal und keine Krise im Bereich der Lebensmittel gab, betonte Sütterlin-Waack bei der Präsentation des Jahresberichtes. Nach ihren Worten ist Lebensmittelsicherheit eine der tragenden Säulen des Verbraucherschutzes.

Landeszuschuss wird aufgestockt

210 Mitarbeiter sind im Landeslabor beschäftigt. Sie befassen sich mit Tierseuchendiagnostik, der Überwachung von Futtermitteln, der Anwendung von Tierarzneimitteln und mit der Handelsklassenüberwachung von Lebensmitteln. Außerdem werden Lebensmittel und Bedarfsgegenstände untersucht. Die Landesregierung hat angekündigt, das Landeslabor zu stärken. So soll der Zuschuss im kommenden Jahr um rund 800 000 auf 13 Millionen Euro aufgestockt werden.

Das Landeslabor arbeitet im Verbund mit anderen norddeutschen Ländern.

Julia Paulat

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