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Norddeutschland Ist der Siegerhengst „Kaiser Milton“ lahm und herzkrank?
Nachrichten Norddeutschland Ist der Siegerhengst „Kaiser Milton“ lahm und herzkrank?
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16:30 11.10.2018
Vor einem Jahr wurde „Kaiser Milton“ beim internationalen Trakehner Hengstmarkt in Neumünster als Sieger gefeiert. Quelle: Jutta Bauernschmitt/dpa
Kiel

Seit einem Jahr streiten sich deutsche und niederländische Pferdezüchter um die Bezahlung für einen angeblich chronisch kranken Siegerhengst. Der auf dem 55. Trakehner Hengstmarkt in Neumünster von Publikum und Fachpresse bejubelte „Kaiser Milton“ wechselte bereits im Oktober 2017 den Besitzer. Doch den Kaufpreis von 380 000 Euro hat der Käufer bis heute nicht bezahlt. Begründung: Der prämierte Zuchthengst sei lahm und leide an einem Herzfehler. Seit Donnerstag verhandelt das Kieler Landgericht.

Der niederländische Verkäufer des Tieres und der Trakehner-Verband als Veranstalter der Auktion verklagten den Züchter aus Bad Bevensen (Niedersachsen) gemeinsam auf Zahlung der vollen Kaufsumme inklusive Mehrwertsteuer und Versicherung. Im Landgericht scheiterte eine Güteverhandlung. „Sie sollten mal ins Gespräch kommen“, regte Zivilrichter Ulf Müller an. Doch seine Hoffnung auf einen Vergleich erfüllte sich nicht. Keine der Parteien zeigte sich kompromissbereit. Man werde die Sache bis zum Ende ausfechten, teilte der Anwalt des Verkäufers mit.

Unabhängiger Sachverständiger soll gehört werden

Nach einer Frist zur Einreichung weiterer Schriftsätze will Richter Müller am 22. November verkünden, wie es mit dem Verfahren weitergeht. Zum Prozessauftakt stellte er bereits klar, dass er die Sache nicht für entscheidungsreif hält. Alle Beteiligten rechnen mit der Hinzuziehung eines unabhängigen Sachverständigen, der den Gesundheitszustand von „Kaiser Milton“ unmittelbar vor dem Verkauf beurteilen soll.

Müller hatte bereits vor dem Termin Kontakt mit einem Experten aufgenommen, dessen Kompetenz beide Parteien anerkennen: Professor Peter Stadler von der Tierärztlichen Hochschule Hannover wäre bereit, „Kaiser Milton“ zu untersuchen. Zwar liegen dem Gericht jetzt schon mehrere tierärztliche Gutachten vor. Deren Ergebnisse werden jedoch von der jeweiligen Gegenseite angezweifelt.

Fest steht: Vor einem Jahr machte Siegerhengst „Kaiser Milton“ beim „weltweit wichtigsten Jahresereignis für Trakehner“ regelrecht Furore. „Der dunkelbraune Strahlemann“, heißt es in einem Verbandsbericht, „bewegte sich nicht nur mit besonderer Qualität, locker, losgelassen und kraftvoll abfußend, er machte auch einen guten Sprung“.

Käufer kritisiert mangelnde Belastbarkeit des Tieres

Verkäufer und Veranstalter behaupten bis heute, die Fitness des Siegerhengstes zum Zeitpunkt der Auktion stehe außer Zweifel. Die Beweglichkeit von „Kaiser Milton“ sei durch Videoaufnahmen belegt. Der Käufer sieht das anders: Er bemängelte am Donnerstag erneut eine „deutliche Lahmheit vorne links“, die sich sofort nach der Ankunft auf seinem Gestüt in der Lüneburger Heide gezeigt habe.

Laut Diagnose einer Tierklinik sei die Lahmheit chronisch, führe zu einer Schonhaltung und zeige bereits gravierende und irreparable Folgeschäden am Bewegungsapparat. Nicht weniger dramatisch wirkt sich aus Käufersicht der „schwerwiegende Herzfehler“ aus. Alle vier Herzklappen seien undicht, das zeige sich in krankhaften Strömungsgeräuschen.

Ein nicht behebbarer Herzfehler liegt unstreitig vor. Doch während die Kläger den „nicht vererbbaren“ Herzgeräuschen keinen klinischen Wert beimessen, spricht der Käufer von mangelnder Belastbarkeit des Tieres. In diesem Zustand könne er „Kaiser Milton“ unmöglich auf Turnieren sportlich präsentieren. Und ohne öffentliche Leistungsnachweise hätten andere Züchter kein Interesse an einer Besamung ihrer Stuten durch „Kaiser Milton“.

Thomas Geyer

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