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Sind Sie zufrieden mit Bus und Bahn?

Lübeck/Kiel Sind Sie zufrieden mit Bus und Bahn?

Viele Schleswig-Holsteiner schätzen laut einer Umfrage das Angebot im Nahverkehr. Landesverkehrsminister Reinhard Meyer will es aber noch weiter verbessern.

Lübeck/Kiel. Nicole Arendt ist auf den Bus angewiesen, die Lübeckerin hat kein eigenes Auto. Grund zum Klagen hat die 30-Jährige aber nicht. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Nahverkehr“, sagt Arendt. „Beim Umsteigen muss ich maximal 15 Minuten warten.“ Auch Anneliese Hartmann aus Lübeck hat keinerlei Anlass zu meckern. „Die Busse fahren pünktlich, sie sind sehr sauber und die Busfahrer nett, wenn man ihnen freundlich entgegenkommt“, sagt die 88-Jährige. Die beiden Lübeckerinnen sind damit keine Ausnahme. Bahn- und Busreisende in Schleswig-Holstein sind mit dem Nahverkehrsangebot recht zufrieden. Einer Umfrage der Nahverkehrsgesellschaft Nah.SH zufolge erhielt das Bahnangebot die Schulnote 2,7. Pendler erteilten eine 2,3 und jene, die nur selten die Bahn nehmen, eine 2,6. Busreisende gaben insgesamt eine 2,9.

„Die Ergebnisse der Marktforschung zeigen uns, dass wir mit dem Nahverkehr auf einem guten Weg sind“, sagte Landesverkehrsminister Reinhard Meyer (SPD). „Sie zeigen uns aber auch, dass wir den Blick auch auf den ländlichen Raum richten und alternative Mobilitätsangebote entwickeln müssen, damit die Menschen auch dort die Chance haben, das Auto stehen zu lassen.“ Als Beispiele dafür nannte Meyer Bürgerbusse und Anruftaxis. Mehr Busse, Reaktivierung von Bahnstrecken und alternative Mobilitätskonzepte: Der Minister will den öffentlichen Nahverkehr im Land ausbauen und verbessern.

Mehr Busse wünscht sich auch Jan-Hendrik Jensch. „Bei schönem Wetter müssen ältere Leute auf dem Weg nach Travemünde häufig stehen“, sagt der Sänger, Chorleiter und Gesangspädagoge aus Lübeck.

Pendler würden das im Notfall mal aushalten, aber die älteren Fahrgäste könnten kaum laufen, wie sollten sie dann stehen. „Zu Schulzeiten fuhren gleich zwei Busse hintereinander.“ Der 28-Jährige hat sich vor einem Jahr für ein Auto entschieden. Davor war er drei Jahre lang mit der Bahn unterwegs. „Man ist mit dem Auto einfach flexibler“, sagt der Musiker, der unregelmäßige Arbeitszeiten hat und auch schon mal spätabends den Heimweg antreten muss. Gerade zu den Stoßzeiten sei es in den Zügen nach Hamburg sehr voll. Da sieht Jensch weiteres Verbesserungspotenzial. Wenn er unterwegs am Laptop arbeiten muss, nimmt er aber nach wie vor den Zug. „Das geht im Auto schlecht“, sagt er und lacht. „Wenn ich meine Ruhe haben will, fahre ich mit dem Auto.“ Jacqueline Wöllmann aus Lübeck hat diese Wahlmöglichkeit nicht – sie hat keinen Führerschein. „Die Wartezeiten zwischen den Bussen sind sehr lang“, sagt sie verärgert. „Manchmal muss ich 20 Minuten warten.“ Auch Jacqueline Prüß ist gelegentlich zu längeren Zwangspausen am Lübecker Zob verdammt.

Das Busangebot soll nach den Plänen von Meyer künftig ausgebaut werden. Gute Nachrichten gibt es vom Bund: Dem Land werden bis 2030 im Jahresdurchschnitt 30 Millionen Euro mehr aus Bundesmitteln für den Nahverkehr zur Verfügung stehen als bisher. „Aus der Sicht des Fahrgastverbandes Pro Bahn müssen in den kommenden Jahren insbesondere auf den mit Diesel-Triebwagen betriebenen Bahnstrecken die Sitzplatzkapazitäten und der Reisekomfort erhöht werden“, sagt Stefan Barkleit, Vorsitzender des Landesverbandes. Weiteren Handlungsbedarf sieht Pro Bahn bei der Einführung eines landesweiten Buslinien-Grundnetzes.

Ein wichtiges Thema für Meyer ist ein norddeutscher Tarifverbund mit Hamburg und Niedersachsen. Für Pro Bahn wäre es bereits ein großer Schritt nach vorn, wenn sich die drei Länder „darauf verständigen könnten, die Bestimmungen der drei Tarife anzugleichen und die Preisgestaltung an den Tarifgrenzen zu harmonisieren“.

Züge sind unpünktlicher

1,76 Milliarden Kilometer legten die Fahrgäste 2015 im Norden mit der Bahn zurück und damit 1,5 Prozent mehr als 2014. Die Strecke Lübeck/Hauptbahnhof–Travemünde verbuchte sogar zweistellige Zuwächse. Die Pünktlichkeit ist dagegen zurückgegangen. 2015 waren noch 90,6 Prozent der Nahverkehrszüge pünktlich, nach 92,4 Prozent im Jahr zuvor. Im Herbst schafften einige Linien im Schnitt nicht einmal 83 Prozent. In den kreisfreien Städten nutzen zehn Prozent der Menschen den öffentlichen Nahverkehr, am Hamburger Rand etwas weniger und in den ländlichen Kreisen nur 4,1 Prozent.

 Julia Konerding

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