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Norddeutschland Anklage gegen Detlef H.
Nachrichten Norddeutschland Anklage gegen Detlef H.
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17:13 10.09.2018
Anfang des Jahres erschütterte der Skandal um den Lübecker Außenstellenleiter Detlef H. den Weißen Ring. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Lübeck Anklage gegen den 73-Jährigen erhoben. Quelle: dpa
Lübeck

Die Staatsanwaltschaft Lübeck hat Anklage gegen den Ex-Außenstellenleiter des Weißen Rings, Detlef H., erhoben. Das hat die Sprecherin der Ermittlungsbehörde, Oberstaatsanwältin Ulla Hingst, jetzt mitgeteilt. Dem 73-jährigen Ex-Polizisten wird vorgeworfen, über Jahre hinweg Frauen sexuell belästigt oder sogar genötigt zu haben, die sich hilfesuchend an den Weißen Ring gewandt hatten, darunter auch Opfer von Sexualstraftaten.

„Spiegel“ und „Lübecker Nachrichten“ hatten zuerst berichtet

Der „Spiegel“ und die „Lübecker Nachrichten“ hatten Anfang des Jahres nach gemeinsamen Recherchen über die ersten beiden Anzeigen von Frauen gegen H. berichtet. Daraufhin waren bei der Staatsanwaltschaft noch weitere Anzeigen eingegangen. Detlef H. hat bislang stets alle Vorwürfe zurückgewiesen.

Insgesamt waren bei der Staatsanwaltschaft schließlich 29 Vorgänge bearbeitet worden, berichtet Ulla Hingst. Gegenstand der Vorwürfe seien überwiegend „Grenzüberschreitungen mit sexuellem Hintergrund“ gewesen. In 20 Fällen seien Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. 16 wurden eingestellt, etwa weil die Taten verjährt waren oder es zum Tatzeitpunkt den 2016 neu eingeführten Tatbestand der sexuellen Belästigung noch nicht gab.

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage in vier Fällen

In vier Fällen allerdings erhoben die Ermittler jetzt Anklage gegen Detlef H. „Ihm werden ein Fall der Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung, zwei Taten der sexuellen Nötigung, davon in einem Fall im Versuch, und eine exhibitionistische Handlung zur Last gelegt“, sagt Ulla Hingst. So soll H. zum Beispiel im August 2015 versucht haben, einer 46-Jährigen, die beim Weißen Ring Hilfe gesucht hatte, in einer beengten Fahrstuhlkabine gegen ihren Willen auf den Mund zu küssen. Außerdem soll er sich vor einer 38-Jährigen entblößt haben sowie einer 53-Jährigen an die Brust gegriffen und versucht haben, ihr einen Zungenkuss zu geben.

Der Strafrahmen

Eine sexuelle Nötigung kann laut Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr bis 15 Jahren bestraft werden, eine Körperverletzung mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren. Eine Nötigung wird mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet, eine exhibitionistische Handlung mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr.

Die Anschuldigungen der Frauen und die „Spiegel“- und LN-Berichte darüber hatten den Weißen Ring Anfang des Jahres in eine tiefe Krise gestürzt, der Landesvorsitzende und sein Stellvertreter traten zurück. Das galt umso mehr, als im Zuge der Recherchen auch bekannt geworden war, dass es bereits seit mindestens 2012 immer wieder Hinweise auf sexuelle Belästigungen von Frauen durch Detlef H. gegeben hatte. Schon 2017 hatte der Lübecker Polizeichef deshalb angeordnet, dass die Kripo keine weiblichen Opfer von Sexualstraftaten mehr zur Beratung an den Weißen Ring Lübeck verweisen dürfe.

Der Bundesverband des Weißen Rings erließ sofort neue Regeln

Trotzdem versuchte der Landesverband zunächst noch, Detlef H. einen gesichtswahrenden Abgang zu verschaffen. Erst Ende 2017 wurde er schließlich erfolgreich zum Rückzug gedrängt. Der Bundesverband des Weißen Rings machte sofort zur Regel, dass weibliche Opfer von Sexualstraftaten in keinem Fall mehr allein von einem männlichen Opferhelfer betreut werden dürfen. Auch die dem Weißen Ring eng verbundene Landespolizei geriet durch die Affäre in Misskredit, als bekannt wurde, dass Detlef H. gegen jede Vorschrift als Pensionär noch einen Dienstwagen der Polizei für Fahrten für den Weißen Ring nutzen durfte.

Detlef H. bestreitet weiter alle Taten, sagt sein Anwalt

H.s Anwalt Oliver Dedow betonte am Montag auf LN-Anfrage noch einmal, dass sein Mandant weiterhin alle Taten bestreite. Besonders ärgerlich sei man darüber, dass die Staatsanwaltschaft die Anklage vor dem Landgericht Lübeck erhebe. Das mache man nur, wenn einem Fall eine besondere Bedeutung zugemessen werde, er von öffentlicher Bedeutung sei oder die Opfer besonders schutzbedürftig seien. All das könne er im Fall Detlef H. aber nicht erkennen, sagt Dedow. Er sei daher gespannt, ob die Sache am Ende nicht doch vor dem Amtsgericht verhandelt werde. Mit dem Beginn der Hauptverhandlung rechne er in etwa einem Vierteljahr.

Wolfram Hammer

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