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Norddeutschland So halten wir die Hitze aus
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23:48 30.05.2018
Finn (7) genießt den Tag in einem Planschbecken in der Lübecker Siedlung Gärtnergasse.  Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

„Ich sage mir: Die Hitze kannst du ab.“ Enrico Simsch (49) gehört zu den Menschen, die es aus beruflichen Gründen oft nicht leicht haben mit dem Wetter. Er ist Bauarbeiter, muss bei jedem Wetter draußen seinen Lohn verdienen. Gestern Mittag bessert er in Lübeck-Oberbüssau mit einem kleinen Bagger die Bankette an der Straße aus. Eine Klimaanlage hat die Maschine nicht. Enrico trägt Shorts, ein leichtes Hemd und Sandalen. „So komme ich gut klar.“

Räumlich nicht weit entfernt steht Chefkoch Dirk Werner (36) in der Küche des Ringhotels Friederikenhof. Die Wärme der heißen Herdplatten lässt die Raumtemperatur auf 35 bis 40 Grad ansteigen. „Man muss viel trinken“, meint Werner. „Und in Bewegung bleiben. Sobald man stillsteht, beginnt man erst recht zu schwitzen.“ Ein Fenster und eine Tür mit Fliegengitter sind geöffnet, das sorgt für ein wenig frischen Wind. Ein Ventilator wäre dem Küchenchef aber zu gefährlich. „Nachher stößt den jemand um.“ Eine Geheimwaffe haben die Mitarbeiter noch: Das Kühlhaus mit einer Temperatur von vier bis sechs Grad. „Wenn es doch zu heiß wird, kann ich kurz reingehen und mich abkühlen“, freut sich der Koch.

Rekordhitze im Norden, gestern waren es fast 28 Grad. Und keine Abkühlung in Sicht. Oder doch? Wer kann, entwickelt eigene Strategien, um mit den Temperaturen klar zu kommen. Das geht sogar bei der Arbeit. Die LN fragten Lübecker, was sie tun, um die Hitze zu überstehen.

In der Siedlung Gärtnergasse in Lübeck scheinen derweil die Straßen wie ausgestorben. Es ist die heißeste Tageszeit, zwischen 13 und 15 Uhr. Doch hinter einer Hecke dringt fröhliches Kinderjohlen hervor. Es sind Finn (7), Christopher und Philipp (beide 4). Sie haben im Garten ein großes Planschbecken mit Wasserrutsche. „Das ist bei dem Wetter für die Jungen natürlich toll“, sagt Elke Schiemann (42), die die Kleinen beaufsichtigt. Sie selbst sitzt dabei gerne unter dem schattigen Apfelbaum, auf dem Tisch eine Schale selbstgemachte Fruchtbowle. „Hier essen wir auch. Das Wohnzimmer haben wir jetzt nach hier draußen verlegt.“ Anstrengendere Arbeiten verschiebe sie auf den Abend. „Oder gleich auf den Herbst“, verrät die Hausfrau. Denn abends sei es zwar kühler, „aber dann kommen auch die Mücken“.

Sigrid Ulrich (61) jätet im Vorgarten Unkraut. Ihr Trick: „Ich warte, bis der Schatten auf diese Seite des Hauses gewandert ist. Das ist so gegen 15 Uhr. Dann ich kann ich raus und das Rosenbeet pflegen.“ Auch sie trägt luftige Kleidung und leichte Schuhe. Kalte Getränke aber gibt es erst gegen Abend. „Das bin ich so gewöhnt.“

Auf der Falkenwiese zelebrieren die Lehrerinnen Annika Piel (27) und Lucia Friede (29) den heißen Tag auf ihre Weise: Sie liegen in der Sonne. Von der Wakenitz her weht ein kühler Wind, an der Straße steht der Eiswagen. „Sonst joggen wir regelmäßig, aber bei dem Wetter schwimmen wir lieber“, erklärt Lucia Friede. „Zum Beispiel rüber zum anderen Wakenitzufer. Das ist sehr erfrischend.“

Ist das alles auch wirklich das Richtige? Wohl ja – zumindest rät Hautarzt Sven Jantschek (40) nichts anderes: In der besonders heißen Zeit zwischen 11.30 und 15 Uhr solle man sich schonen, sagt der Doktor. Vor der Sonne schütze am besten Sonnencreme mit Schutzfaktor 50 und eine Kopfbedeckung. Und: „Viel trinken! Am besten zwei bis drei Liter pro Tag.“ Wer Feuchtigkeit bindende Nahrungsmittel wie Brot und Fleisch esse, müsse entsprechend mehr trinken. Leichte Kleidung sei jetzt am besten. „Die Menschen in den südlichen Ländern tragen lange Überwürfe aus leichten Stoffen wie Baumwolle oder Leinen. Die machen es richtig.“

 Von Marcus Stöcklin

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