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Für die Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein informiert Anneke Wilken über dementielle Erkrankungen und deren Auswirkung auf Betroffene, Angehörige und die Gesellschaft. Quelle: Archiv
Hamburg

Anneke Wilken ist Diplom-Sozialpädagogin, Sozialarbeiterin und Krankenschwester. Für die Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein informiert sie über dementielle Erkrankungen und deren Auswirkung auf Betroffene, Angehörige und die Gesellschaft.

Frau Wilken, was sind erste Anzeichen dafür, dass jemand dement ist?

Das ist sehr unterschiedlich, aber meistens fängt es mit Wortfindungs- und Orientierungsstörungen an. Die Menschen verlegen immer häufiger Dinge, verlieren im Gespräch den Faden. Wenn diese Symptome länger als ein halbes Jahr vorkommen, ist es sehr wahrscheinlich, dass derjenige Mensch dement ist. Man sollte allerdings unbedingt eine Diagnose erstellen lassen. Zum einen, um andere Krankheiten ausschließen zu können. Zum anderen aber auch deshalb, weil es bei der Diagnostik einer Demenz Unterstützung von der Pflege gibt. Insbesondere für die Familie ist es das sehr wichtig.

Wie gehe ich als Angehöriger richtig mit den Betroffenen um?

Ganz, ganz wichtig: Nicht auf die Defizite hinweisen! Wenn ich mich als Demenzkranker im Jahr 1956 befinde, dann bringt es nichts, mir immer wieder zu sagen, dass wir uns aber im Jahr 2019 befinden. Menschen, die an Demenz erkrankt sind, müssen wir auf einer ganz anderen Ebene begegnen. Nämlich nicht auf der Verstandsebene, sondern auf der sogenannten Emotionalitätsebene. Vor allem sollte man bedenken, dass es den erkrankten Menschen ja selbst nicht gut geht. Sie merken, dass irgendetwas mit ihnen nicht stimmt, wenn ihnen Wörter entfallen oder sie den Weg nach Hause nicht mehr finden. Das löst große Hilflosigkeit, Traurigkeit und sogar Wut aus, manche werden aggressiv. Man muss dazu sagen, dass das für die Psyche eine schwierige Situation ist. Die ganze Persönlichkeit ist in Inbegriff, sich zu verändern. Man sollte also Nachsicht mit den Menschen haben, verständnisvoll reagieren und eingehen auf das, was sie sagen.

Gibt es eine Möglichkeit, den Verlauf der Krankheit zu verlangsamen?

Tatsächlich gibt es unterschiedliche Demenzen. Und je nachdem, in welcher Hirnregion die Eiweißlagerungen vorkommen, kann man den Erkrankten auch Medikamente geben – heilen kann man eine Demenz aber nicht. Eine gesunde Ernährung, möglichst wenig tierische Fette und der Verzicht auf Rauchen und Alkohol können sich natürlich generell positiv auf die Gesundheit der Menschen auswirken. Außerdem ist es sehr wichtig, den Erkrankten Anreize zu schaffen, ihnen eine sinnvolle Beschäftigung zu geben. Auch im Rahmen der Prävention – soziale Kontakte sind super wichtig! Wenn ich mein Leben lang jede Woche tanzen oder zum Schützenverein gegangen bin, dann sollte ich das auch weiterhin tun. Leider ist Demenz nach wie vor ein Tabu-Thema, weswegen es häufig zur sozialen Isolation kommt. Allerdings führt gerade das schnell zu einer hohen Belastung sowohl für die Betroffenen, als auch deren Angehörigen.

Josephine Andreoli

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