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So waren die ersten Jahre

Lübeck So waren die ersten Jahre

1946 wurde Schleswig-Holstein gegründet. LN-Leser erinnern sich an die damalige Zeit.

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Ernst-Dieter Schmidt auf seinem ersten Klassenfoto in Reecke. Er ist der Zweite von links in der zweiten Reihe von vorne. Das Mädchen links von ihm ist Gerda, rechts von ihm sitzt Renate. Fotos/Repros: Olaf Malzahn

Lübeck. Ernst-Dieter Schmidt (75) sitzt in seinem Wohnzimmer in Lübeck-Buntekuh und blättert in einem alten Fotoalbum. „Das da, das ist mein Vater“, sagt er und zeigt auf einen Mann in Uniform. „Der ist im Krieg gefallen.“ Mit seiner Mutter Gertrud und seiner kleinen Schwester Margret war er 1945 aus Stettin geflohen. „Mit der Bahn kamen wir in Lübeck-Niendorf an.“

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1946 wurde Schleswig-Holstein gegründet. LN-Leser erinnern sich an die damalige Zeit.

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Dort wurden sie einquartiert. „In das ,Haus Lotte’ in Reecke“, erinnert sich Schmidt. „Das war eine richtige Villa, ganz vornehm. Darin wohnten damals eine ältere Dame mit ihrer ebenfalls schon älteren Tochter und deren Tochter. 13 Personen waren da einquartiert“, so Schmidt. „Wir hatten Zimmer im ersten Stock und auf dem Dachboden.“ Damals war er noch ein kleiner Junge, musste aber schon beim Bauern helfen. „Meine Mutter hat da auch geholfen. Dafür bekamen wir Milch und Kartoffeln. Manchmal auch Speck, aber keinen durchwachsenen, nur Fett.“

Gehungert habe er nicht. Doch kam es im Frühjahr 1946 zu einem Erlebnis, das Ernst-Dieter Schmidt nie vergessen hat: Die Dorfkinder sahen eine britische Militär-Kolonne. Die Kinder hörten Funksignale und bestaunten die riesigen Panzerketten. „Wir mussten feststellen, dass die britischen Soldaten sehr nett waren und uns reichlich Schokolade und weißes Brot gaben. Das hatten wir nicht erwartet.“

Mit sieben Jahren kam er in die erste Klasse der Volksschule Reecke. In der Schule gab es die Schulspeisung. Er deutet auf ein schwarz-weißes Klassenfoto. „Das blonde Mädchen links von mir war Gerda, ein Kind aus dem Ort.“ Das Mädchen rechts von ihm habe Renate geheißen. „Die kam aus dem hintersten Ostpreußen.“ Mit seinem Opa, der in der Stettiner Werft als Eisengießer und Former gearbeitet hatte, musste der Junge manchmal Stubben roden. „Wir brauchten Holz zum Heizen.“

Ernst-Dieter Schmidt erinnert sich auch noch gut an die schöne schwarze Kutsche, die dem größten Bauern im Ort gehörte. „Die war poliert und glänzte.“ Auch einen Vorkriegs-Opel nannte der Landwirt sein eigen. „Andere Autos bekamen wir kaum zu Gesicht. Es fuhren noch viele Kutschen.“

Heute sei der große Bauernhof verschwunden. „Der wurde vor wohl 20 Jahren abgerissen. Heute stehen dort neue Häuser.“ Die Erinnerung an früher aber ist noch da. Auch an die Engländer. „Noch heute blicke ich auf diese Wiese, auf der die Engländer Quartier bezogen hatten, wenn ich wieder mal durch Reecke fahre.“

Schmidt selber machte später in Lübeck eine Verwaltungslehre, wurde Leiter des städtischen Grünflächenamtes. Ab 1991 half er, die Verwaltung von Schönberg (Nordwestmecklenburg) aufzubauen.

In vielen Alben und Archiven schlummern noch Bilder aus den Anfangsjahren nach dem Krieg. Uwe Stock betreut das Archiv der Gemeinde Lensahn (Ostholstein) und suchte einige Aufnahmen heraus. Darunter ein Foto von Gustav Dzierma, der nach wochenlanger Flucht aus Ostpreußen einen Arbeitsplatz bei der Volksküche in Kabelhorst fand. Dort konnten die vielen Flüchtlinge, die über keine Kochgelegenheit verfügten, eine warme Mahlzeit kaufen.

Ingrid Achterberg aus Bad Oldesloe berichtet von ihrer Einschulung in die Lübecker Oberschule 1946. „Durch die vielen Flüchtlinge war der Andrang so groß, dass die Klassen mit 50 Schülerinnen belegt werden mussten. Dazu war der Unterricht vierteljährlich im Wechsel am Vor- oder Nachmittag. Für uns auswärtige Kinder nicht leicht, denn Züge fuhren nur selten.“ Schulbücher gab es nicht, „die alten waren beschlagnahmt“. Die Lehrer mussten alles an die Tafel schreiben. Auch Schreibhefte waren knapp.

Anfangs wohnte Ingrid Achterberg in Wulfsfelde, später in Zarpen. „Abends fuhr der Zug, den wir ,Julius’ nannten.“ Meist kam er zwischen 18 und 18.30 Uhr – Zeit, etwas zu trödeln. „Plötzlich hörte ich sein Pfeifen, als ich gerade in die Bahnhofshalle kam. Ich lief so schnell ich konnte nach draußen, die Treppen hinunter und erwischte gerade noch den letzten Güterwagen, erfasste den Handgriff und sprang aufs Trittbrett. Gefährlich – aber wie sollte ich sonst nach Hause kommen?“ Manchmal blieben die Kinder auf dem Trittbrett stehen, weil der Zug so voll war. Über eine Leiter kletterten sie auch aufs Dach. „Vor Lübeck waren Brücken. Einer gab das Kommando: ,Duckt euch!’ Lübeck lag in Trümmern, die Kirchen ausgebrannt. Ein jammervoller Anblick.“

Bürgerfest in Eutin

Der 70. Landesgeburtstag wird dieses Wochenende in Eutin mit einem zweitägigen Bürgerfest gefeiert. Am Sonnabend um 10.30 Uhr spricht Ministerpräsident Torsten Albig auf dem Eutiner Marktplatz. Auf der Bühne treten dann bis zum Abend Chöre und Musikbands auf. Am Sonntag werden unter anderem Sinti-Jazz und der Shantychor „Möwenschiet“ zu hören sein. Um 21 Uhr klingt das Fest mit einem Feuerwerk über der Stadtbucht aus.

Marcus Stöcklin

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