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Norddeutschland Sollten Hundehalter Prüfung ablegen?
Nachrichten Norddeutschland Sollten Hundehalter Prüfung ablegen?
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12:05 25.04.2018
Enrique-Jose Canales Nowak mit Pudel-Mix „Lemmy“ im Lübecker Stadtpark. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

„Ein Hund muss erst im negativen Sinne tätig werden, damit der Besitzer überhaupt Sachkunde nachweisen muss“, sagt Pasquale Piturru. Der Tierarzt hat sich auf Verhaltenstherapie spezialisiert und führt für die Tierärztekammer Schleswig-Holstein Wesentests und Sachkundeprüfungen bei Hunden durch. Seit 2016 gibt es das neue Hundegesetz im Norden, wonach Halter erst dann geprüft werden, wenn ihr Tier ein anderes oder einen Menschen angegriffen hat. Für Piturru nicht ausreichend: „Wenn ich Auto fahren will, muss ich vorher auch einen Führerschein machen“, sagt er. „Ohne zu wissen, wie es geht, ist es eine Gefahr für die Öffentlichkeit.“ Ähnlich sei das auch bei Hunden.

Angesichts der Beißattacken der jüngsten Zeit plädiert der Tierschutzbund für die Einführung eines Hundeführerscheins. Schleswig-Holstein verpflichtet bereits Besitzer gefährlicher Hunde zu einer Sachkundeprüfung. Zum Hundeführerschein haben die Halter im Norden eine geteilte Meinung.

In Niedersachsen gibt es den Hundeführerschein schon seit 2013. Hier muss jeder neue Hundebesitzer eine theoretische und praktische Prüfung bestehen, um einen Hund halten zu dürfen. Trotzdem biss der Staffordshire-Mischling „Chico“ seine beiden Besitzer in Hannover tot. „Ein Hundeführerschein ist keine Garantie, dass solche Vorfälle nicht mehr passieren“, sagt Piturru. „Aber er ist ein Anfang.“

So sollten sich zukünftige Halter bei Sachkunde-Prüfungen über Haltung, Pflege, und Verhalten des Tieres informieren.

Die Hundehalter im Norden haben über den Hundeführerschein unterschiedliche Meinungen. „Ich würde das gut finden, einfach weil so viel Negatives passiert“, sagt Elisa Midleja (20). Sie hat ihren „Cooper“ aus dem Tierheim und sich vorher gut über den Terrier-Mix informiert. Hundehalter Enrique-Jose Canales Nowak (56) hält ein psychologisches Gutachten für den Halter für sinnvoll. „Das Problem bei Hunden ist dasselbe wie bei Waffen – der Mensch dahinter.“ Stephanie Schenk (53) mit Hund „Samy“ findet dagegen, die Einführung für einen verpflichtenden Führerschein schwierig. „Jeder muss sich um seinen Hund kümmern.“

Christian Erdmann vom Tierschutzverband Schleswig-Holstein betont, dass der Mensch am anderen Ende der Leine die Verantwortung trägt. Er spricht sich daher ebenfalls für einen verpflichtenden Hundeführerschein aus. „Das muss ja keine harte Prüfung sein“, sagt Erdmann. Ein einfaches Gespräch, um herauszufinden, ob die Besitzer auch geeignet sind, könnte schon ausreichen. Und das dürfe nicht nur für Stereotypen mit schwierigen Hunderassen gelten, sondern für alle Besitzer und alle Hunde.

Das sieht auch Jennifer Wolff vom Tierheim Lübeck so. Die Hundepflegerin hat viele Tiere mit auffälligem Verhalten in ihrer Obhut. Daher sei es besonders wichtig, dass die Halter wissen, auf was sie sich einlassen. „Ein Hundeführerschein ist schon sinnvoll“, sagt die Pflegerin. So können Halter viel über Hunde und das Verhalten lernen. „Aber man muss auch Auflagen für Züchter machen.“ Vielen sei es nämlich egal, zu wem der Hund kommt. „Die Resultate sitzen dann bei uns“, sagt Wolff.

 Von Saskia Hassink

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