Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Mach’s gut, Du wunderbarer Sommer!
Nachrichten Norddeutschland Mach’s gut, Du wunderbarer Sommer!
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:25 31.08.2018
Mit spektakulären Sonnenuntergängen verwöhnt: Der Sommer im Norden war der wärmste überhaupt. Quelle: Dirk Silz
Lübeck

Es ist dieses Licht. Dieses wunderbar weiche, gedämpfte Sonnenlicht, das uns dieser Tage untrüglich vor Augen führt, dass sich dieser Sommer nun langsam zum Ende neigt. Wehmut schwingt da mit, und gleichzeitig Dankbarkeit für diese fantastische Zeit, die hinter uns liegt. Aber auch Vorfreude auf die sonnigen Herbsttage, die laut aktuellem Wetterbericht jetzt noch vor uns liegen. Natürlich hat die lange Trockenheit vielen auch Unheil gebracht, den Landwirten zum Beispiel. Aber ganz vielen Menschen eben auch mindestens genau so viel Freude.

Dieser Sommer, er fühlte sich an wie ein Feriensommer aus Kindheitstagen. Schon beim Aufstehen blinzelte einem die Sonne ins Gesicht, wochenlang, jeden Tag. Sand zwischen den nackten Zehen, Salz im nassen Haar, sonnencremeverschmierte Gesichter, Köpper vom Dreier, Pommes rotweiß im Strandkorb, Radfahren im lauen Sommerwind, der Geruch von frisch gedroschenem Getreide in der Nase, draußen schaukeln, bis man die Sterne sehen kann...

Volle Strände: In den Ferienzeiten war schon früh am Morgen – wie hier in Scharbeutz – kaum noch ein Strandkorb zu bekommen. Quelle: Christina Schönfeld

Früher waren alle Sommerferien so! Früher war einfach mehr Sommer. Oder?

Nein, sagt einer, der es wissen muss. Gerhard Lux ist Meteorologe und Klimaforscher beim Deutschen Wetterdienst (DWD). Auch in den vergangenen Jahrzehnten gab es nur ab und zu mal einen durchgängig warmen, trockenen Sommer. 1947 zum Beispiel war so einer, 1976, 1983 oder 1994 – zuletzt 2003. Die verregneten, kühlen Sommer dazwischen – vergessen. Alles rein psychologisch, sagt Lux. „Man erinnert sich selektiv an die schönen Dinge, an außergewöhnlich gute Sommer mit viel Sonne, verbreitert diese Erinnerung in der Gefühlswelt und erhebt das Ganze zum Standard.“ Regenwochen, in denen man am Küchentisch saß, sehnsüchtig nach draußen schaute und sich langweilte, werden ausgeblendet.

Die Verkaufsschlager des Sommers

Die Hitze in Bürosund Wohnzimmern hat dem Technikbereich des Einzelhandels den absoluten Verkaufsschlager des Sommers beschert: Ventilatoren waren teilweise absolute Mangelware, sagt Mareike Petersen, Geschäftsführerin des Handelsverbandes Nord in Kiel.

Aber auch Getränke, Eis und Grillgut fanden den ganzen Sommer über extrem guten Absatz. Endgültige Zahlen gebe es zwar noch nicht. Vermutlich aber hat der Lebensmittelbereich durch den warmen Sommer auch insgesamt ein Umsatzplus zu verzeichnen, sagt Mareike Petersen. Besonders beliebt waren daneben außerdem alle Produkte für einen Tag am Strand oder auf der Terrasse: zum Beispiel Bademoden, Sommerkleider, Strandmuscheln und Planschbecken.

Im Norden wird der Sommer 2018 laut DWD in die Geschichte eingehen: als der wärmste aller Zeiten. Im bundesweiten Schnitt schafft er es nach 2003 aber nur auf Platz 2. Damals war es vor allem im Südwesten und Westen heiß. Diesmal war der Norden von der Sonne geküsst. Gut so.

Ein Mega-Sommer war es vor allem auch für den Tourismus im Norden, das belegen die Rekordzahlen aus dem ersten Halbjahr. Es ist aber auch ein Gefühl: „So viel Optimismus in den Urlaubsorten wie in diesem Sommer, habe ich in den vergangenen Jahren noch nie gespürt“, sagt Marc Euler von der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein. Und der ist auch für den nächsten Sommer angezeigt: „Wenn die Leute im Januar darüber nachdenken, wohin sie in den Ferien wollen, denken sie an den Jahrhundertsommer in Schleswig-Holstein – das ist die allerbeste Werbung für uns.“

Studie: Schönes Wetter schlecht für die Produktivität

Je besser das Wetter, desto schlechter ist das für die Produktivität im Job – zumindest, wenn der Arbeitnehmer den ganzen Tag im Büro sitzt. Das haben US-Forscher aus Harvard und North Carolina herausgefunden. Oder andersherum: Je schlechter das Wetter, desto höher die Produktivität. Beobachtet wurden Banker, die in einem Gebäude mit Glasfront saßen. Bei Regen arbeiteten sie zügiger. Die Forscher schlussfolgerten: Wenn draußen die Sonne zu Aktivitäten lockt, können sich die Arbeitnehmer nicht auf die Arbeit konzentrieren – und sind weniger produktiv. Zu verübeln ist ihnen das nicht.

„Ja, dieser Sommer war wirklich groß“, sagt auch Strandpastorin Katharina Gralla. Zu ihren Atempausen am Meer, den Gute-Nacht-Geschichten im Strandkorb, den Open-Air-Abendandachten zwischen Niendorf und Neustadt kamen diesmal deutlich mehr Menschen als sonst. „Wir mussten in der ganzen Zeit nur zwei Mal eine Veranstaltung in die Kirche verlegen, ansonsten fand alles draußen statt. Wir hatten eine tolle Zeit, Andachten vor gigantischen Sonnenuntergängen“, sagt Gralla. Die Atmosphäre sei sehr entspannt gewesen. „Die Sonne, die Wärme, der Strand, das Meer, die freie Zeit – das macht die Menschen einfach glücklich, das hat man deutlich gemerkt.“ Unentspannt wurde es nur manchmal am Wochenende. Wenn auch noch die Tagestouristen an die ohnehin schon volle Küste drängten: schon die Parkplatzsuche ein Fiasko, kein Strandkorb mehr zu kriegen, die Schlange am Eisstand unendlich. Da war die Laune bei mancheinem schon mächtig im Keller.

Grundsätzlich aber geht es uns bei schönem Wetter besser, sagt Prof. Dr. Klaus Junghanns, Psychologe am UKSH in Lübeck. Mehr Licht – vor allem blaues – habe gerade morgens eine stark aktivierende Wirkung auf einen Bereich im Gehirn, der den Tag-Nacht-Rhythmus steuert, erklärt er. Das sorgt auch dafür, dass am Abend eine ordentliche Portion des Schlafhormons Melantonin ausgeschüttet wird – tagsüber wird die Produktion heruntergefahren – und wir müde und einschlafbereit werden. Je mehr Licht wir am Tag tanken, desto besser schlafen wir. Und desto ausgeruhter sind wir am nächsten Morgen, wenn uns die Sonne wieder weckt.

Das blaue Licht werde zum Beispiel auch eingesetzt, um depressiven Patienten zu helfen. Und schließlich sorgt viel Sonnenlicht auch dafür, dass unser Körper das Glückhormon Serotonin ausschüttet.

Kann man sich gute Sommer-Sonnen-Laune eigentlich irgendwie mit in die ersten grauen Herbsttage nehmen? Nein, sagt Junghanns, sobald das Licht weg ist, ist es auch mit dem Rest vorbei. Aber wenn uns das sonnige Wetter jetzt im Herbst erhalten bleibt, haben wir noch eine Chance auf viel gute Laune: Da die Tage immer kürzer werden, werden wir auch abends schneller müde – und starten ausgeruht und gut gelaunt in den neuen Tag. Auf einen schönen Herbst!

Christina Schönfeld

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!