Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Sorge vor der Schweinepest: Kiel ruft zum Krisengipfel
Nachrichten Norddeutschland Sorge vor der Schweinepest: Kiel ruft zum Krisengipfel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:20 09.01.2018
Ein Wildschwein steht am 09.01.2018 in Warder (Schleswig-Holstein) in ihrem Gehege im Tierpark "Arche Warder". Quelle: Carsten Rehder/dpa
Anzeige
Kiel

Die Landesregierung bereitet Änderungen im Jagdgesetz vor. Unter anderem soll eine Jagd auf Schwarzwild in beleuchteten Wäldern ermöglicht werden. Geprüft wird eine Abschussprämie für Wildschweine.

„Die Situation ist sehr besorgniserregend“, sagt Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Ein Ausbruch der Seuche im Land würde bedeuten, dass infizierte Schweine in kurzer Zeit sterben, Bestände getötet werden müssten. „Es könnte den Schweinemarkt zum Erliegen bringen.“ Mit einer Exportsperre für deutsches Schweinefleisch und Schweinefleischprodukte sei zu rechnen. „Deshalb verstärken wir die Anstrengungen zur Abwehr der Tierseuche.“

In Abstimmung mit der Jägerschaft plant das Habeck-Ministerium eine Änderung des Landesjagdgesetzes. Denn am meisten gefürchteter Überträger der Seuche ist das Wildschwein (Foto). Bestimmte, derzeit verbotene Jagdmethoden sollen ausnahmsweise zugelassen werden. Jäger sollen jedem tot aufgefundenen Wildschwein Proben entnehmen.

Im Gespräch ist die Zulassung künstlicher Lichtquellen für die Jagd. Geprüft wird der – eigentlich verbotene – Einsatz von Nachtzielgeräten, wie sie für militärische Zwecke entwickelt wurden. „Wir werden am Freitag vorschlagen, Schwarzkittel auch in Schutzgebieten bejagen zu dürfen“, sagt Wolfgang Heins, Präsident des Landesjagdverbands.

Besprochen wird auf dem Krisengipfel auch die logistische Vorbereitung der Schweinemastbetriebe auf eine Seuche. Nach einem Ausbruch bei Haus- oder auch Wildschweinen würden Restriktionszonen um den Seuchenort gebildet, kündigt Kiel an. Schweine dürften langanhaltend weder in die Sperrzonen transportiert werden, noch dürften sie die Zonen verlassen.

Übertragungswege für die Afrikanische Schweinepest sind in Europa der Kontakt von Schweinen mit infizierten Tieren, Tiertransporter, kontaminierte Kleidung und das Verfüttern von Speiseabfällen aus Schweinefleischerzeugnissen. „In Rohprodukten wie Schinken ist das Virus lange haltbar“, sagt Eike Reinking vom Friedrich-Loeffler-Institut. Ein Weitertragen des Erregers über Wölfe und Füchse sei unwahrscheinlich, aber möglich. Für Menschen und Haustiere ist das Virus ungefährlich.

Mecklenburg-Vorpommern hat präventiv eine Abschussprämie für Wildschweine beschlossen. Jäger bekommen pro erlegtem Schwein 25 Euro. „Wir prüfen auch das“, heißt es in Kiel. Die Jägerschaft möchte zudem die Kosten erstattet bekommen, die ihr bei Beprobung toter Tiere entstehen würden.

Die Seuche

Die von Viren ausgelöste, hochansteckende Krankheit befällt Haus- und Wildschweine. Befallene Tiere entwickeln schwere Symptome. Dazu zählen Bewegungsstörungen, Atemprobleme, mitunter auch eine verringerte Fluchtbereitschaft. Fast alle infizierten Tiere sterben. Gegen die Afrikanische Schweinepest gibt es keine Medikamente.

Von Curd Tönnemann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige