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Norddeutschland Sorgen im Norden: Wohin mit dem Windkraft-Schrott?
Nachrichten Norddeutschland Sorgen im Norden: Wohin mit dem Windkraft-Schrott?
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21:52 19.01.2017
Quelle: dpa
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Kiel

Besonders Rotorblätter von Windkraftanlagen könnten nicht wiederverwertet werden. Ähnlich sei es mit Photovoltaik-Anlagen, Litium-Batterien und Karosserien von Elektro-Autos. „Wir steigen bei der einen Technologie aus – weil wir nicht wissen, was wir mit dem Atommüll machen sollen – und bei einer neuen Technologie ein, bei der wir auch nicht wissen, wie wir mit dem Abfall klarkommen“, moniert Remondis-Manager Herwart Wilms.
Entsorger im Norden strecken die Waffen: Die Rotorblätter einfach so auf Deponien zu lagern, ist verboten, bestätigt das Kieler Umweltministerium. „Wir könnten solchen Abfall mit unseren Anlagen nicht annehmen“, so Cornelia Tews von den Entsorgungsbetrieben Lübeck. Fehlanzeige auch bei der Deponie Ihlenberg (Nordwestmecklenburg). Eine Sprecherin verweist auf eine Bremer Firma, die ein neues Verfahren habe. Dort, bei „Neocomp“, einer Tochter der Abfallfirma Nehlsen, werden die in Rotorblättern verwendeten glasfaserverstärkten Kunststoffe mit anderen Abfällen als Brennstoff der Zementindustrie zugeführt.
Man könne die Rotorblätter auch schreddern und Zement beimengen, meint Reinhard Christiansen, Landesvorstand für Schleswig-Holstein beim Bundesverband Windenergie. Der Unternehmer aus Ellhöft in Nordfriesland betreibt mit 1200 Bürgern 35 Windkraftanlagen. „Wir haben noch nie eine entsorgt.“ Alte Anlagen würden häufig in osteuropäische Länder weiterverkauft. „Es gibt Firmen, die darauf spezialisiert sind.“
All das aber sei kein Recycling, wendet Schneider von Remondis ein. „Zement, dem Glasfaser beigemischt ist, ist letztlich ebenfalls Sondermüll.“ Da sei es noch besser, den Abfall zu verbrennen.
So macht es der Hersteller Nordex, der in Rostock produziert. Die Rotorblätter würden auf dem Feld zersägt, um sie besser transportieren zu können, und verheizt, sagt Sprecher Felix Losada. Etwa 1000 Anlagen verkaufe Nordex weltweit im Jahr, 30 würden jährlich entsorgt, darunter Fehlprodukte.
Eine Öko-Richtlinie müsse her, die vorschreibe, nur recyclingfähige, wiederverwertbare Rohstoffe zu verwenden, fordert Remondis. Darauf indes hat die Industrie bislang keine Antwort. „Hier gibt es einige Baustellen“, räumt Andree Böhling von der Umweltorganisation Greenpeace ein. Es sei notwendig, „ein Auge auf die Umwelteinwirkungen von Erneuerbaren Energien“ zu haben. Die Betreiber setzen auf Zeit, wie der Konzern Dong-Energy, der in der Nordsee drei Windparks mit zusammen 175 Windrädern betreibt. Ein Vierter mit weiteren 56 Windrädern ist im Bau. „Die Laufzeit beträgt 25 Jahre“, so Sprecherin Iris Franco-Fratini. „Wir gehen davon aus, dass wir bis dahin Lösungen haben werden.“
Von Marcus Stöcklin

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