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Norddeutschland Sozialer Tag: Schulen ziehen sich zurück
Nachrichten Norddeutschland Sozialer Tag: Schulen ziehen sich zurück
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21:51 13.07.2016
Sozialer Tag kann Spaß machen: Schildkröten füttern im Sea-Life-Center. Quelle: Maxwitat

Rasen mähen statt Mathe lernen: Einmal im Jahr tauschen Schüler das Klassenzimmer gegen einen Arbeitsplatz. Der erwirtschaftete Lohn geht an das Projekt „Schüler Helfen Leben“, 1,5 Millionen Euro kommen so jährlich zusammen. Doch immer weniger Schulen beteiligen sich an dem bundesweiten Spendentag, der am heutigen Donnerstag stattfindet. Während 2006 noch 550 Schulen in Schleswig-Holstein dabei waren, sind es in diesem Jahr gerade einmal 242. Allein im Vergleich zum Vorjahr nehmen 31 Schulen weniger teil.

Statt die Projekte von „Schüler Helfen Leben“ zu unterstützen, organisieren viele Schulen eigene Aktionen und helfen direkt vor der Haustür. „Wir veranstalten unter anderem einen Sponsorenlauf, helfen Flüchtlingen und machen ein Krippenspiel. Da müssen wir nicht noch einen draufsetzen“, sagt Thomas Schmittinger, Schulleiter des Katharineums in Lübeck. Im vergangenen Jahr beteiligte sich das Gymnasium am Sozialen Tag, in diesem Jahr fehlen die Kapazitäten. Die Theodor-Mommsen-Schule in Bad Oldesloe veranstaltet bereits zum zweiten Mal einen eigenen Sozialen Tag. Die Schüler backen, kochen und laufen für den guten Zweck. „Es ist schöner, wenn das Gruppenerlebnis im Vordergrund steht, als wenn jeder an seinem eigenen Arbeitsplatz ist“, meint Schulleiter Henning Bergmann. Der Verein „Schüler Helfen Leben“ bleibt dennoch gelassen. „In den letzten Jahren kam es zu vielen Zusammenlegungen von Schulen zu Gemeinschaftsschulen, die in der Statistik nur noch als eine teilnehmende Schule verzeichnet werden. Außerdem nehmen viele Schulen nur alle zwei Jahre teil. Wir erwarten deshalb auch weder weniger teilnehmende Schüler noch eine geringere Spendensumme“, sagt Sprecherin Luisa Baier.

Doch auch die Landespolitik macht es den Schulen nicht leichter. Im vergangenen Jahr hatte das Kieler Bildungsministerium gefordert, dass teilnehmende Firmen sich einer Gefährdungsanalyse unterziehen müssen. Die Lehrer sollten entscheiden, ob ein Job sicher ist. Weil aber niemand die Verantwortung übernehmen wollte, sagten mehrere Schulen ihre Teilnahme ab. Um weitere negative Folgen abzuwenden, holte Bildungsstaatssekretär Dirk Loßack in diesem Jahr alle Beteiligten an einen Tisch, die Regelungen wurden zurückgenommen. „Alle Beteiligten haben sich in die Hände versprochen, dass sie den Erfolg wollen.“ Doch für viele kam die Ansage zu kurzfristig. „Unser Absage-Beschluss vom vergangenen Jahr hat noch immer Gültigkeit. Für eine Änderung war es nun zu spät“, sagt Ulrich Bähr, Leiter des Städtischen Gymnasiums Bad Segeberg.

80 000 Schüler arbeiten für den guten Zweck

1994 wurde die Organisation „Schüler Helfen Leben“ in Neumünster gegründet. Der erste Soziale Tag fand 1998 in ganz Schleswig-Holstein statt.

Seit 2006 führt „Schüler Helfen Leben“ den Aktionstag jährlich und bundesweit durch. Rund 80 000 Schüler sind dabei, pro Jahr kommen so rund 1,5 Millionen Euro zusammen.

Mehr als 130 Projekte auf dem Balkan sowie an der syrischen Grenze hat der Verein mit dem Geld bereits finanziert. Abgesichert werden diese Projekte langfristig durch die Stiftung „Schüler Helfen Leben“.

 Maike Wegner

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