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Soziales Jahr: Bei „Waldmäusen“ lernen

Bad Soziales Jahr: Bei „Waldmäusen“ lernen

Ob FSJ oder Bundesfreiwilligendienst: Die Zahl der Absolventen nimmt in Schleswig-Holstein deutlich zu.

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Lea Riedel (22) engagiert sich freiwillig in einer Kindertagesstätte.

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Bad Schwartau — „Lea, kommst du spielen?“, rufen Karla und Greta, „Kannst du mir helfen?“, fragt die kleine Lilli. Obwohl der Herbst einen Vorgeschmack gibt, es stürmt und regnet, toben die Kinder der integrativen Kindertagesstätte (Kita) am Papenmoor in Bad Schwartau fröhlich über den Spielplatz — Lea Riedel mittendrin. Die 22-Jährige absolviert in der Einrichtung ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). „Ich bin seit einem Monat hier und betreue unter anderem die „Waldmäuse“-Gruppe. Das macht mir riesigen Spaß, auch wenn es manchmal stressig ist.“ Jetzt — zwischen Juli und Ende Oktober — beginnen die sogenannten „FSJler“ ihr Freiwilliges Soziales Jahr und die „Bufdis“ ihren Bundesfreiwilligendienst (BFD).

„Ich mache das FSJ, bis ich nächstes Jahr Heilpädagogik studiere“, sagt Lea Riedel. „Ich brauche diese Zeit aber nicht nur für mein Studium — mich erfüllt das einfach.“

Gerade die Arbeit in einer integrativen Kita sei eine tolle Herausforderung. „Ich hoffe, dass wir viel Freude haben“, sagt die 22-Jährige. „Ich möchte aber natürlich auch viel lernen — vor allem im Umgang.“ Gerade Kinder, die einen besonderen Förderbedarf haben, bräuchten auch besondere Aufmerksamkeit.

Ob beim Wickeln, Füttern oder Spielen: Die jungen Erwachsenen sind eine enorme Hilfe im Alltag.„Wir sind sehr froh, so engagierte helfende Hände zu haben“, sagt Melanie Müller, Leiterin der Kita.

„Wir haben drei Gruppen. In jeder sind 15 Kinder, davon vier mit besonderem Förderbedarf.“ Eine Gruppe werde dann von zwei Pädagogen und einem FSJler betreut.

„Die Zahl der Freiwilligen steigt stetig“, sagt Christian Kohl, Sprecher des Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Familie und Gleichstellung in Kiel. „Während in Schleswig-Holstein 2007/08 bereits 1000 FSJler ihren Dienst angetreten haben, sind in diesem Jahr sogar schon 1868 Plätze belegt.“ Diese Zunahme sei sehr erfreulich.

Auch der „Freiwilligensurvey“, ein Bericht im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, bestätigt die positive Entwicklung. Demnach ist der bundesweite Anteil der Bürgerinnen und Bürger, die eine freiwillige Tätigkeit übernommen haben, zwischen 1999 und 2009 von 34 auf 36 Prozent gestiegen. In Schleswig-Holstein liegt die Zahl sogar über dem Bundesdurchschnitt. Hier gehen 40 Prozent der Bürgerinnen und Bürger einem freiwilligen Engagement nach.

Neben dem FSJ bietet auch der BFD die Möglichkeit, sich für die Gesellschaft zu engagieren. Mit Aussetzung der Wehrpflicht und somit dem Ende des Zivildienstes vor zwei Jahren wurde der neue Freiwilligendienst eingeführt. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder zieht nun eine positive Bilanz: „Dieser Tage begrüßen wir die 100 000. Bundesfreiwillige, das ist ein großer Erfolg.“ Auch in Schleswig-Holstein erfreut sich der BFD wachsender Beliebtheit. Während das erste Jahr noch schleppend lief, beginnen in diesem Jahr 1102 Bufdis ihren Dienst.

„Ich kann diese Zeit jedem nur empfehlen“, sagt Lea Riedel. Egal ob Bufdi oder FSJ — man lerne mit unterschiedlichen Charakteren umzugehen, mache tolle Erfahrungen und erlebe so Einiges. „Als ich die Kinder mit dem Bus nach Hause gefahren habe, habe ich einen Jungen gefragt: ,Guck mal, welche Farbe hat das Auto da vorne?‘ und der Kleine hat völlig trocken geantwortet: , Guck du mal lieber nach vorne und fahr ordentlich.“ Die Arbeit mit den Kindern sei eben immer wieder spaßig.

Aber es geht nicht nur um Spaß — auch Regeln müssen gelernt werden. „Ihr Lieben, wir gehen jetzt Hände waschen. Gleich gibt es Mittagessen“, ruft Lea Riedel. Dann wandern die „Waldmäuse“ brav in Reih und Glied vom Spielplatz.

FSJ und BFD: Was sind die Unterschiede?
Der Bundesfreiwilligendienst ist offen für alle Generationen. Das Freiwillige Soziale Jahr können nur junge Menschen unter 27 Jahren antreten. Außerdem ist das FSJ seit Jahren etabliert, wohingegen der BFD erst seit zwei Jahren angeboten wird. Beide Dienste werden an vielen Hochschulen anerkannt.


Die Einsatzstellen beim BFD erhalten Zuschüsse direkt vom Bund. Das FSJ wird durch Einrichtungen auf Landesebene getragen.


Die Dauer beträgt bei beiden Diensten in der Regel zwölf, mindestens jedoch sechs und höchstens 24 Monate. Auch die Arbeitszeit ist gleich. Sowohl beim FSJ und beim BFD werden die Freiwilligen in Seminaren geschult. Das FSJ kann allerdings auch im Ausland abgeleistet werden.

Kim Meyer

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