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Norddeutschland Sparverordnung: EU stellt die Kaffeemaschinen kalt
Nachrichten Norddeutschland Sparverordnung: EU stellt die Kaffeemaschinen kalt
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22:49 12.04.2014
Die EU-Vorschrift trifft in der Landespolitik auf ein geteiltes Echo. Quelle: Fotolia
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Brüssel/Kiel

Nachdem die EU-Richtlinie zur Leistungsdrosselung von Staubsaugern viel Staub aufgewirbelt hat, verordnet Brüssel jetzt zum 1. Januar 2015 auch neue Grenzwerte für Kaffeemaschinen. Was heiß diskutiert wird, könnte im Ergebnis auf kalten Kaffee hinauslaufen. Ziel der EU-Bürokraten sind Kaffeeautomaten, die sich automatisch schneller abschalten – um Strom zu sparen. Christdemokraten, Liberale und Piraten im Kieler Landtag kritisieren die Regelungswut.Die EU-Regelung betrifft ausschließlich Haushaltskaffeemaschinen. Kaffeezubereitung für den gewerblichen Bereich ist ausgenommen. Durchgesetzt werden die EU-Vorgaben durch ein Verkaufsverbot für Kaffeeautomaten nach altem Standard. Filtermaschinen, in denen der Kaffee in einem isolierten Behälter aufbewahrt wird, müssen sich künftig spätestens fünf Minuten nach Abschluss des letzten Brühvorgangs abschalten. Filtermaschinen ohne isolierten Behälter wird eine Wartezeit von 40 Minuten erlaubt, ehe der Automat in den Bereitschaftsmodus muss. Pad- oder Kapselmaschinen sowie Kaffeevollautomaten, die ein eigenes Mahlwerk haben, dürfen maximal 30 Minuten nach Abschluss des letzten Brühvorgangs eingeschaltet sein. Das alles ist in der Ökodesign-Richtlinie 801/2013 geregelt. Brüssel prognostiziert bis zum Jahr 2020 ein jährliches Einsparpotenzial von mehr als zwei Milliarden Kilowattstunden.Die EU-Vorschrift trifft in der Landespolitik auf ein geteiltes Echo. „Die EU soll sich um wichtige Themen kümmern. Die Heizdauer von Kaffeemaschinen gehört mit Sicherheit nicht dazu“, sagt Hans-Jörn Arp (CDU). Wer die Menschen „mit so unsinnigen Vorschriften gängelt, darf sich nicht wundern, wenn sie nicht zur Europawahl gehen“. Protest kommt auch aus der FDP-Fraktion. „Diese EU-Vorgabe ist ein weiteres Highlight, wenn es darum geht, selbstbewusste Verbraucher aus tief verwurzelten ideologischen Gründen zu bevormunden“, sagt Oliver Kumbartzky. Regina Poersch (SPD) versteht die Aufregung nicht. Dass der Standby-Modus bei Elektrogeräten das eigentliche Problem beim Stromsparen ist, sei hinlänglich bekannt. „Wer Klimaschutz und Energiesparen ernst meint, fängt deshalb am besten zu Hause an.“ Das gelte für alle Elektrogeräte, nicht nur für Kaffeemaschinen.Brüssel gebe Anregungen für den Wunschzettel zum Weihnachtsfest, lästert Sebastian Schulze, Sprecher der Unternehmensverbände (UV) Nord. „Im Ernst: Der EU-Regelungs-Dschungel wird immer größer und stellt die Wirtschaft vor große Herausforderungen.Curd Tönnemann

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