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Spediteure fordern Kiel auf: Baustelle auf A 1 „zurückbauen“

Lübeck/Kiel Spediteure fordern Kiel auf: Baustelle auf A 1 „zurückbauen“

Alpine-Pleite: Güterverkehrsbranche verlangt Freigabe für den Verkehr. Ministerium prüft.

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Derzeit liegt A-1-Baustelle zwischen Reinfeld und Bad Oldesloe (beide Kreis Stormarn) brach, weil die Baufirma Alpine insolvent ist.

Quelle: dpa

Lübeck/Kiel. Die Pleite des Autobahnbauers Alpine und ihre Konsequenzen: Die Güterverkehrsbranche fordert einen beschleunigten Rückbau der brach liegenden A-1-Baustelle zwischen Reinfeld und Bad Oldesloe (beide Kreis Stormarn) auf den alten Zustand. Bis eine neue Baufirma für die Fahrbahnsanierung gefunden sei, müsse die Strecke wieder freigegeben werden – „mindestens mit Tempo 80“. Spediteure könnten es sich nicht leisten, in Staus vor einer Baustelle zu stehen, auf der auf Monate hin nicht gearbeitet werde, sagte Thomas Rackow, Geschäftsführer des Verbands Güterverkehr und Logistik (VGL). Betroffen sei vor allem die Lübecker Hafenwirtschaft.

Der Güterverkehrsverband beziffert die zusätzlichen Kosten für schleswig-holsteinische Speditionen aufgrund von Wartezeiten auf der A1 Lübeck – Hamburg auf 50000 bis 100000 Euro täglich. Die eben erst eingerichtete Baustelle bei Reinfeld ruht seit Mitte der Woche, weil die vom Land beauftragte Baufirma Alpine pleite ist. Alle Arbeiter sind abgezogen.

Klagen auch beim Landestourismusverband. „Das ist ein weiteres Dilemma für unsere anreisenden Gäste, schlimmstenfalls bis ins nächste Jahr hinein“, sagt Geschäftsführerin Catrin Homp. Die Landesregierung müsse die Situation auf der A<TH>1 so schnell wie möglich in den Griff bekommen. „Jetzt zeigt sich, wie wichtig es gewesen wäre, die A20 als Umfahrung schneller voranzutreiben.“

Das Kieler Verkehrsministerium setzt zwar zunächst darauf, dass die Arbeiten von der in Insolvenz befindlichen Firma „mit einer gewissen Zeitverzögerung nahtlos fortgesetzt werden“. Man gehe zunächst davon aus, dass der Optimismus des Insolvenzverwalters berechtigt sei, hieß es gestern. Der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr in Lübeck prüft aber bereits eine Wiederfreigabe des sanierungsbedürftigen Autobahnabschnitts. Die Begutachtung der 6,5 Kilometer langen Strecke durch Fachleute läuft. Möglich scheint ein „Rückbau“. Denn noch ist auf der Baustelle nicht viel passiert: Alpine Bau hat lediglich mit der Sanierung der Entwässerung im Mittelstreifen begonnen. Die Fahrbahn ist noch nicht aufgerissen. „Die Sanierung müsste entweder fertiggestellt oder der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt werden“, teilte Ministeriumssprecher Harald Haase mit.

Würde Alpine nicht wieder antreten, wäre Kiel zu einer Neuausschreibung der Bauarbeiten gezwungen. Eine neue EU-weite Ausschreibung könnte fünf Monate in Anspruch nehmen. Die Restarbeiten auf der A 24 zwischen Gudow und Hornbek (Kreis Herzogtum Lauenburg) stellen dabei das kleinere Problem dar. Die Fahrbahnsanierung ist nahezu abgeschlossen.

Ziel sei immer noch, das operative Geschäft von Alpine Bau Deutschland weiterzuführen, erklärte Patrick Hacker, Sprecher von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz.

Monatelanger Kampf ums Überleben

Das Alpine-Aus könnte sich zu einer der größten Pleiten in Österreichs Nachkriegsgeschichte entwickeln. Kreditschutzverbände schätzen den Schaden auf bis zu 2,6 Milliarden Euro. Schon seit Monaten kämpfte das zweitgrößte Bauunternehmen Österreichs ums Überleben – damit zu einem Zeitpunkt, an dem die Kieler Landesregierung den Auftrag an die deutsche Alpine-Tochter vergab. Zuletzt erhielt die Firma noch ein großes Hilfspaket vom spanischen Mutterkonzern FCC, der seit 2012 alleiniger Eigentümer ist. Eine zweite notwendige Geldspritze gab es aber nicht mehr. Die Insolvenz könnte noch größere Kreise ziehen: Alpine hat nach ersten Schätzungen des Kreditschutzverbandes von 1870 rund 1400 Zulieferer. Was mit der ebenfalls insolventen deutschen Tochter Alpine Bau GmbH (1500 Mitarbeiter), die auf der A1 und A24 baute, passiert, ist noch offen.

Von Curd Tönnemann

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