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Spitze, Tüll und Perlen: So werden Brautkleider einzigartig

Ahrensbök Spitze, Tüll und Perlen: So werden Brautkleider einzigartig

Schneidereien haben gut zu tun – Viele Heiratsanträge zum Jahreswechsel.

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Erika Rickert (58) verziert in ihren Geschäftsräumen in Ahrensbök ein Brautkleid nach den Wünschen der Kundin mit Spitze.

Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen

Ahrensbök. Mit Nadel und Faden befestigt Erika Rickert Spitzenbänder an den Trägern eines schlichten, weißen Brautkleides. Dann greift sie zu einer Stola aus Chiffon und wickelt sie der Schneiderpuppe um die Schultern. Aus einem kleinen Pappkarton holt sie weitere Spitze hervor. Ein paar Stunden später ist das Kleid kaum noch wiederzuerkennen – aus dem schlichten Modell ist ein glamouröses Hochzeitsoutfit geworden.

LN-Bild

Schneidereien haben gut zu tun – Viele Heiratsanträge zum Jahreswechsel.

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Erika Rickert betreibt in der Alten Meierei im Ahrensböker Ortsteil Tankenrade (Kreis Ostholstein) das Braut- und Festmodengeschäft Rotensia. Die 58-Jährige ist im Stress. „Im Januar geht der Hype los“, sagt sie und deutet auf ihren Kalender. 15 bis 20 Termine hat sie zurzeit pro Woche, die meisten davon mit Bräuten und deren Familien und Freunden. Denn neben dem Valentinstag seien Weihnachten und Silvester die Tage im Jahr, an denen die meisten Heiratsanträge gemacht würden. Und die zukünftigen Bräute wollten sich dann so schnell wie möglich ihr Traumkleid aussuchen. Zwei Stunden plant sie für die Termine jeweils ein. „Sehr viele Hochzeiten sind bereits im Februar, da muss es jetzt natürlich schnell gehen“, berichtet Rickert. Der 17.2.17 sei ein beliebtes Datum, zumal er auf einen Freitag falle.

Rund 300 Brautkleider hat die Ostholsteinerin im Sortiment. Kaum eines werde jedoch „von der Stange“ verkauft. „Die meisten verändere ich für die Kunden, damit sie ein Unikat haben“, sagt Rickert.

Schlichte Modelle seien besonders gefragt. „Die Frauen wollen selbst bestimmen, wie viel sie auf die Kleider raufnähen lassen.“ Direkt neben den Brautkleidern steht ein Regal mit den passenden „Zutaten“ zum Verzieren, Umgestalten und Verschönern: Spitze in verschiedenen Variationen, Gürtel, Neckholder, Träger, Stoffblüten, Glitzerperlen, Tüll, Schleifen und vieles mehr. „Damit kann man ganz viel spielen“, sagt Erika Rickert. Auf Wunsch schneidert sie auch komplette Brautkleider. Da sie für jedes Exemplar mindestens 30 Stunden braucht und sie nicht so viel Zeit hat, sind es aber nicht mehr so viele. Höchstens zehn Prozent seien noch Neuanfertigungen.

Ab Montag bekommt die Ahrensbökerin zwar wieder Unterstützung von zwei Schneiderinnen, aber das reiche nicht. Denn zurzeit warten schon etwa 40 bis 50 Kleider darauf, nach den Wünschen der Bräute umgearbeitet zu werden. Allein die Länge anzupassen, dauere bei einigen Modellen schon mehrere Stunden. „Und es geht ja erst los“, sagt Rickert. In den kommenden Wochen erwartet sie noch viele weitere Bräute zum Aussuchen ihrer Hochzeitskleider.

Erika Rickert würde deshalb gerne weitere Schneider einstellen. In ihrem Atelier im Keller stehen vier Nähmaschinen, eine weitere steht oben in ihrem Haus. Genug Arbeitsplätze wären also vorhanden, doch die Suche nach neuen Mitarbeitern gestalte sich schwierig. „Schneider ist leider ein aussterbender Beruf“, sagt sie. Viele trauten es sich zudem nicht zu, hochwertig zu nähen. „Sie bekommen Panik, wenn sie Braut- und Abendmode hören.“ Dabei sei das eigentlich gar nicht so schwierig.

Im Trend liege zurzeit, Tattoos in das Kleid miteinzubeziehen. „Eine Kundin hat eine Blumenranke auf dem Rücken“, sagt Rickert. „Diese wurde dann in der Schnürung fortgeführt.“ Zudem gebe es immer mehr Paare, die „zum Heiraten wegfliegen“. Nicht nur nach Las Vegas, sondern zum Beispiel auch auf die Malediven. „Sie brauchen ein Brautkleid, das sehr leicht ist“, erklärt Rickert. „Denn es wird meist im Handgepäck mitgenommen.“

Janina Dietrich

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