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Norddeutschland Sprachtest für Ärzte: Jeder fünfte Ausländer fällt durch
Nachrichten Norddeutschland Sprachtest für Ärzte: Jeder fünfte Ausländer fällt durch
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12:33 07.09.2016
Die Kassenärztliche Vereinigung beklagt einen Ärztemangel. Quelle: dpa

Bei Sprachtests für ausländische Ärzte fällt in Schleswig-Holstein jeder fünfte Prüfling durch. Seit Jahresbeginn 2016 gebe es die Prüfungen im Land, sagte Christian Kohl, Sprecher des Kieler Sozialministeriums, gestern den LN. Schätzungsweise 200 Ärzte hätten die Sprachprüfung bislang absolviert, so Koch: Die meisten an Privatinstituten, andere bei der Landes-Ärztekammer, wobei die Tests in Mecklenburg-Vorpommern stattfänden. „Die Durchfallquote liegt dort bei etwa 20 Prozent.“

Bei den Tests, die bundesweit 2015 eingeführt wurden, geht es darum, dass die Mediziner in der Lage sind, mit Patienten und Ärzten Gespräche medizinischen Inhalts zu führen, Anamnesebögen auszufüllen und Arztbriefe zu verstehen. Auch ein fiktiver Laboranruf gehört zur Prüfung. Vor Einführung der neuen Tests mussten die Mediziner nur ein gewisses Sprachniveau vorweisen können. „Das Ziel ist richtig“, glaubt Koch. Wenn ausländische Ärzte hierzulande arbeiten wollten, sei dies zu begrüßen. „Aber es darf nicht auf Kosten der Verständigungsmöglichkeit gehen.“ Laut Koch kommen die Antragsteller überwiegend aus Syrien, dem Irak, Iran und Afghanistan, aber auch aus anderen Drittstaaten. Mediziner, die den deutschen Qualifikationen vergleichbare Papiere vorweisen können, werden gebraucht, bestätigt Marco Dethlefsen, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein. „In einigen Bereichen zeichnet sich im Land ein deutlicher Ärztemangel ab.“ Von 1942 niedergelassenen Hausärzten in Schleswig-Holstein würden 660 in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. „Jeder Dritte ist über 60 Jahre alt“, stellt Dethlefsen fest. Nachwuchs fehle. Gerade auf dem Land sei das ein Problem. Auch Rheumatologen und Schmerztherapeuten seien knapp. Dethlefsen: „Wir sind auf die ausländischen Ärzte angewiesen. Aber sie müssen die Voraussetzungen erfüllen.“

Für Dr. Thomas Maurer, Vorsitzender des Landes-Hausärzteverbandes und selbst Hausarzt in Leck (Nordfriesland), sind auch die 20 Prozent der beim Sprachtest durchgefallenen Ärzte ein wertvolles Potenzial. „Ein großer Teil unserer Tätigkeit besteht natürlich aus Patienten-Kommunikation. Dabei kommt es auf Zwischentöne und Gefühle an.“ Eine Fremdsprache lerne sich jedoch am besten durch tägliche Praxis. „Es wäre gut, wenn man die Ärzte auch ohne Sprachprüfung in verantwortlicher Position zunächst einstellen könnte, gewissermaßen auf Bewährung, damit sie sich einarbeiten.“ Gerade in Gemeinschaftspraxen bestehe die Möglichkeit, die fremdsprachigen Kollegen dabei intensiv zu begleiten. Er sei dafür, die Hürden dahingehend zu senken, so Maurer.

Das beschäftigt auch die Landesregierung. Die Möglichkeit, in der Praxis unter Aufsicht von deutschen Kollegen eingeschränkt tätig zu sein, um die Sprache zu verbessern, gebe es bereits, so Sozialministerin Kristin Alheit (SPD). Zudem „spezielle Vorbereitungskurse, die derzeit aufgebaut werden“. Am 21. November will die Ministerien eine Fachtagung eröffnen, die sich mit dem Thema befasst.

Von Marcus Stöcklin

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