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Staatsanwaltschaft ermittelt nach Überfall auf französischen Juden

Lübeck Staatsanwaltschaft ermittelt nach Überfall auf französischen Juden

Flüchtlinge sollen 49-Jährigen in Puttgarden beschimpft und beraubt haben — Amtsgericht setzt Haftbefehle außer Vollzug — Jüdische Gemeinden sind für „klare Verhaltensregeln“.

Am Fährhafen Puttgarden wurde der Franzose überfallen.

Quelle: gjs

Lübeck. Es war am Sonnabend frühmorgens gegen 5.30 Uhr im Warteraum des Fährbahnhofes Puttgarden, als zwei Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan einen 49 Jahre alten Juden aus Frankreich beschimpft, bedrängt und beraubt haben sollen. Das Opfer trug eine Kippa und war daher als Angehöriger des jüdischen Glaubens erkennbar, teilte die Polizei mit. Der Syrer und der Afghane — einer von beiden ist laut Amtsgericht Lübeck erst 15 Jahre alt, der andere 30 Jahre — sollen den Geschäftsmann zunächst auf arabisch als „Ehud“ (Jude) beschimpft, ihn zu Boden gerissen, auf die Hand getreten und ihm eine Umhängetasche mit Bargeld, EC-Karte, Bahnticket und Mobiltelefon entwendet haben — so die Erklärung der Polizei.

Den beiden Flüchtlingen war wegen fehlender Reisepapiere die Einreise nach Dänemark verweigert worden. Sie warteten auf ihren Zug zur Weiterreise in die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Neumünster. Polizisten nahmen die beiden dann im Zug am Bahnhof in Neustadt (Kreis Ostholstein) fest. „Das Raubgut konnte weder bei den Männern noch im Zug aufgefunden werden“, so die Polizei.

Die Staatsanwaltschaft Lübeck beantragte Haftbefehl, doch das Amtsgericht Lübeck setzte den Haftbefehl außer Vollzug, weil Meldeauflagen ausreichend seien. Dieser Schritt sei „nach Rücksprache und mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft“ erfolgt, sagte ein Sprecher. Die Staatsanwaltschaft Lübeck will sich zu den laufenden Ermittlungen heute äußern, kündigte ihr Sprecher an. Das Kieler Innenministerium will erst die Ermittlungen abwarten, bevor es zu dem Fall Stellung bezieht.

„Die Berichte vom Tathergang in Puttgarden erfüllen mich mit Sorge“, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. Die Vorfälle zeigten auch, dass Integration eine große Herausforderung sei. Der Zentralrat habe früh darauf hingewiesen, dass die Flüchtlinge aus anderen Kulturen mit anderem Wertekodex kommen. „Wir fordern Politik und Gesellschaft auf, unsere Sorgen ernst zu nehmen. Eine erfolgreiche Integration ist für die gesamte Gesellschaft wichtig“, erklärte Schuster.

Es dürfe „keinen Generalverdacht, aber auch keine Generalblauäugigkeit“ gegenüber Flüchtlingen geben, forderte der Landesverband der jüdischen Gemeinden in Schleswig-Holstein. „Arabische Zuwanderer, die bereits vor Jahren schon nach Schleswig-Holstein gekommen sind, machen aus ihrer Abneigung gegen Juden keinen Hehl“, erklärte der Vorstand. „Der Landesverband fordert von der Politik nicht nur konsequentes Einschreiten, sondern auch, dass man endlich die Tatsache akzeptieren muss, dass mit den Flüchtlingen ein Israel- und Judenhass zumindest zu Teilen mit importiert wurde.“ Es fehle immer noch an klaren Verhaltensregeln, was man hier tun darf und was nicht. „Niemand hat den Menschen erklärt, welchen Stellenwert die Glaubensfreiheit in unserem Land hat.“ Integration sei kein „Kuchenbacken“, sondern ein sehr komplexer Vorgang.

„Wir kommen nicht um eine Befragung oder eine Gewissensprüfung dieser Menschen herum, wenn wir das friedliche Zusammenleben der unterschiedlichen Kulturen realisieren wollen. Und wir kommen auch nicht darum herum, konsequent abzuschieben, wenn unsere Gesetze nicht respektiert werden“, erklärt der Landesverband der jüdischen Gemeinden. „Solche Menschen und die, die Silvester mit Raketen auf andere schießen, haben unsere Hilfe und Gastfreundschaft nicht verdient.“

Der Hass wächst

34 Taten von antisemitischer „Hasskriminalität“ wurden nach Angaben des Landeskriminalamtes Schleswig-Holstein im Jahr 2015 insgesamt im Bundesland gemeldet. In keinem der Fälle seien Personen zu Schaden gekommen, erklärte das LKA auf LN-Anfrage.


Der Zentralrat der Muslime klagt seit den Übergriffen in Köln über eine immer größere Feindseligkeit, massenhafte Drohanrufe und Pöbelmails. „Wir erleben eine neue Dimension des Hasses“, so der Vorsitzende Aiman Mazyek im „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Christian Risch

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